Sylvi Kretzschmar

PUBLIC ADDRESS SYSTEM Eine performative Erforschung der Politischen
Rede als Technik

Lässt sich etwas wie eine elektrische Rhetorik entwickeln?

Ein mächtiges Mischwesen aus RednerIn und Verstärkungstechnik,Elektrizität und Stimme erobert Raum akustisch für die Öffentlichkeit zurück. Das PUBLIC ADDRESS SYSTEM arbeitet wie ein Vogel, der sein Revier durch Gesang absteckt.

Das künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt PUBLIC ADDRESS SYSTEM untersucht die Technik, die eine Politische Rede spricht. Das sind die Apparate der Mikrofonierung, Verstärkung und Übertragung genauso wie die menschliche Stimme als Medium und Rhetorik als argumentative, sprachliche, mimische und gestische Technik. Die Vortragsebene der Politischen Rede als Performance wird aus einem speziellen Blickwinkel heraus betrachtet: ausgehend von der beteiligten Sound-Technik.

Public Address (PA) ist die soundtechnische Bezeichnung für ein Beschallungs-System aus Verstärkern und Lautsprechern. Eine PA macht zum Beispiel die einzelne Stimme für eine Menge hörbar. Die Stimme der Rednerin/ des Redners wird über ihre natürliche Reichweite hinaus verbreitet, verstärkt,veröffentlicht. Damit werden  Orte des Horchens und Gehorchens bestimmt und erweitert. Das Projekt PUBLIC ADDRESS SYSTEM untersucht, wie sich der Raum der Politik als Einflussbereich von Stimmen akustisch immer neu herstellt und einteilt.

Im Kontext der Hamburger Recht auf Stadt Bewegung kann eine wirksame Rede bedeuten, im öffentlichen Raum etwas Neues anzufangen. Gemeinsam mit AktivistInnen als AlltagsexpertInnen im Funktionieren und Scheitern öffentlicher Ansprache wird in Workshops performative Forschung betrieben: Politische Reden sollen als ein Handeln und Wirken vor Ort ausgelotet werden. Angelehnt an das Vorbild im Londoner Hyde Park entsteht auf St. Pauli eine Speakers Corner. Prinzipiell kann  hier jeder sprechen. RednerInnen, AktivistInnen, PhilosophInnen, StadtforscherInnen, ArchitektInnen, KünstlerInnen und PolitikerInnen werden außerdem eingeladen, Redebeiträge zu entwickeln. Es finden Reenactments historischer Reden, von der Fingersprache der Rhetorik Quinitilians inspirierte Choreographien statt; historische Stimmverstärkungsapparate aus der Zeit vor Erfindung des Lautsprechers werden erprobt, Sprachrohr, Megafon oder chorische Verstärkung experimentell eingesetzt. Wie verändert diese Auseinandersetzung mit Redetechnik politische Debatten, Versammlungen und Aushandlungsprozesse im Stadtteil?

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