Eva Plischke

Die Performance von Zukunftsszenarien: Performative Analyse der Szenariotechnik

Mit meinem künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekt möchte ich das Phänomen des ‘Zukunftsszenarios’, das in politischer und ökonomischer Rede allgegenwärtig ist, und das Theater bzw. die Performance aufeinander beziehen und fragen, welche Rolle die performativen Künste sowohl bei der kritischen Analyse als auch bei der Produktion von Zukunftsszenarien spielen können. Angesichts der Macht der Prognose und der Ökonomisierung unseres Zukunftsverhältnisses, wird es darum gehen von Praktiken der Prognose, Zukunftsvorhersage und Szenarioplanung Gebrauch zu machen, um deren performativen Potentiale in der Gegenwart zu erforschen.

Die Szenariotechnik ist eine Methode zur Entwicklung von Zukunftsszenarien, die in der militärischen Strategieplanung, dem strategischen Unternehmensmanagements und der Stadtplanung eingesetzt wird. Die Nähe zum Theater und den performativen Künsten liegt nahe: Szenarien sind fiktive Situationen oder szenische Abläufe in der Zukunft, die dazu einladen, Zukünfte zu proben. Zudem kann die Moderationstechnik als Protokoll einer Versammlung gelesen werden, die heterogene Akteure in eine Auseinandersetzung mit multiplen Zukünften bringt. Allerdings wurde die Szenariotechnik bisher weder aus performancetheoeretischer Sicht analysiert noch das Zukunftsszenario als Frage an die szenische Praxis genauer erforscht. Können Wissenschaften und Künste dazu beitragen, den Gebrauch der Szenariotechnik als kollektive Praxis der Zukunftsforschung nutzbar zu machen?

Das Unbehagen, gegenwärtig überhaupt an der Produktion von Zukunft teilhaben zu wollen, wenn die Zukunft uns eher unter Druck zu setzen scheint, ist dabei ebenso Teil des Themas. Kinder und Jugendliche sind vom Diktat der Zukunftsfähigkeit besonders betroffen. Was passiert, wenn wir Kinder zu Zukunftsweisen erklären, anstatt ständig in ihre Zukunftsfähigkeit zu investieren? Im künstlerischen Forschungsprojekt soll das erste Institut für Zukunftsforschung gegründet werden, das von Kindern, Jugendlichen und Künstlern gemeinsam betrieben wird. Das Institut nimmt mittels einer öffentlichen Ausschreibung Forschungsaufträge zu Zukunftsfragen von Hamburger Akteueren und Institutionen entgegen, und bearbeitet diese mit einem Methodenmix aus Szenariotechnik und Praktiken der Zukunftsvorhersage. Die Performativität von Praktiken der Zukunftsforschung wird dabei wichtiger sein als die Inszenierung fertiger Zukunftsszenarien. Welche performativen Spiel- und Handlungsräume eröffnen solche Prozesse? Vielleicht ist die Zukunft nur ein Alibi, das uns in der Gegenwart Dinge ermöglicht, die sonst unmöglich wären..

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