Margarita Tsomou

Platzbesetzungen – zwischen Präsenzdemokratien und Protest 2.0

Der besetzte Syntagmaplatz – Neues Paradigma des Politischen im Kontext der Kette von Platzbesetzungen in 2011.
Der internationalen Bewegung der Platzbesetzungen in 2011 von Tunesien, über Südeuropa zu den USA gilt nun rund ein Jahr später, immer noch ein reges analytisches Interesse. Stets erscheinen Publikationen, die versuchen das historisch Besondere der Besetzungen zu beschreiben und zu erklären. Auffällig ist, dass die Analysen meist in den spanischen Besetzungen oder in den Occupy-Protesten aus den USA ihren Gegenstand finden, während das griechische Beispiel der Besetzung  Besetzung des Syntagma-Platzes vor dem Parlament in Athen, wenig Erwähnung findet. Diese Arbeit hat zum Ziel diese Lücke zu schließen, indem sie mit den Mitteln einer künstlerisch-dokumentarischen  Forschung, versuchen wird, die spezifischen Erfahrungen und Wissensbestände aus Griechenland zu generieren und aufzuzeichnen.

Die Erfahrungen der AktivistInnen aus der Besetzung des Syntagmaplatzes werden durch eine dokumentarische Recherche zu Tage gefördert: Augenzeugenberichte, Tagebucheinträge, Audio-Aufnahmen, Handy-Videos, Artefakte und Objekte, Berichte, Protokolle, Gespräche und Interviews werden dazu nutzen, um die Erfahrungen in politische Erzählungen zu übersetzen. Dabei wird auch nach den Weiterführungen und heutigen Spuren des Ereignisses geforscht, indem die Akteure in ihren heutigen Praktiken begleitet werden.

Das Material wird entlang der jüngsten Diskurse über die Platzbesetzungen der „Empörten“ befragt. Die wichtigsten Dimensionen wären: die heterogene Zusammensetzung der Akteure als „Empörte“ ohne die Beteiligung von politischen Organisationen, wie z.B. Parteien, Gewerkschaften, NGOs; die Nutzung der Plätze als Reproduktionsräume durch die Herausbildung neuer alltäglicher Lebensweisen als Alternative zum Konzept einer antagonistisch strukturierten Politik des „Protestierens“: die Versammlungspraktiken als Ausdruck eines neuen demokratischen und repräsentationskritischen Begehrens und der intensive Gebrauch der neuen horizontalen Medien zur Selbstorganisation und -konsolidierung. Dabei wird sowohl untersucht inwiefern wir hier von einem neuem Paradigma neuartiger politischer Kultur sprechen können als auch die Potentiale dieser Organisierung diskutiert.

Beim Versuch der Aufzeichnung der Ereignisse der Besetzung auf dem Syntagmaplatz stellen sich Fragen nach der Vermittlung und Repräsentation der „Praktiken“ und „Diskurse“ der Akteure, die auf der Ebene der künstlerischen Arbeit beantwortet werden sollen. Die analytische Arbeit wird somit durch ein dokumentarisch-künstlerisches Interface ergänzt, das in einer begehbaren Archivinstallation das dokumentarische Material durch eine Performance-Lecture präsentieren wird. Dabei kann das heterogene, fragmentierte und affektive Wissen aus der Besetzung des Syntagmaplatzes zu Tage gefördert werden, ohne Gefahr zu gehen,  bei einer repräsentativen Schließung einer bestimmten historischen Deutung stehen zu bleiben.

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