Esther Pilkington

Coming together, Coming apart – Mobilität als relationale Praxis

Jeder Versammlung geht eine Reise voraus, oder, genauer gesagt, viele Reisen: die Reisen, die alle Teilnehmenden unternehmen müssen, um zum Ort der Versammlung zu gelangen (das Theater kann hier als exemplarisch gesehen werden). Reise und Versammlung müssen daher stets zusammen gedacht werden: Die Reise ist Bedingung jeder Versammlung, ohne bereits selbst notwendigerweise Versammlung zu sein. Während die Reise erforderlich wird, damit alle Teilnehmenden an dem “Hier und Jetzt” der Versammlung teilhaben können, ist es auf der anderen Seite genau diese Reise, die das „Hier und Jetzt“ der Versammlung aufbricht und diese mit anderen Orten in Verbindung setzt. Das Forschungsprojekt „Coming together, coming apart“ befasst sich mit diesem Prozess des Ver- und Entsammelns, mit Mobilität als für die Versammlung gleichzeitig konstitutivem und dissoziativem Faktor, und mit den Beziehungen, die Mobilität zwischen verschiedenen Akteuren stiften kann, ohne notwendigerweise in einer Ko-präsenz dieser Akteure münden zu müssen. Dabei soll eine Reihe von Versammlungen initiiert werden, die Mobilität als Grundbedingung ihres Zustandekommens reflektieren und mit unterschiedlichen Strategien des Ver- und Entsammelns experimentieren.

Immer wieder ist heute von einer „Welt in Bewegung“ die Rede, von der wachsenden Bedeutung von Mobilität in allen Bereichen der Gesellschaft. Der Begriff der Mobilität umfasst hierbei nicht nur die verschiedensten Formen des Reisens und damit auch ein komplexes Spektrum unterschiedlicher Motivationen und Zwänge (Migration, Tourismus, Business, Militär, etc.), sondern bezeichnet neben der Bewegung von Menschen auch die internationalen Warenkreisläufe der Globalisierung sowie virtuelle Daten- und Informationsflüsse (z.B. im Finanzwesen). Diese Mobilitäten müssen stets in Beziehung zueinander gedacht werden, nicht nur, da sie oft die selben Räume und Infrastrukturen nutzen, sondern auch, weil sie sich häufig gegenseitig bedingen und kontextualisieren. Diese Relationen werden im mobilen Alltag jedoch meist ausgeblendet – so auch im urbanen Raum, in dem sich die unterschiedlichen Mobilitätsformen kreuzen und bündeln. In „Coming together, coming apart“ soll Mobiliät als relationale Praxis untersucht werden: Wie können in einer experimentellen Verschränkung von Reise und Versammlung verschiedene Mobilitäten miteinander in Verbindung gesetzt werden? Können hierdurch auch neue Formen der Teilhabe an Mobilität erprobt werden?

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