Vortrag von Chantal Mouffe

Chantal Mouffe: Critical Artistic Practices as Counter-Hegemonic Interventions  [Kritisches künstlerisches Handeln als gegenhegemoniale Intervention]

27.06.2013, 19 Uhr, Kunstverein Hamburg

Im Rahmen des Graduiertenkollegs „Versammlung und Teilhabe: Urbane Öffentlichkeiten und performative Künste“ – das sich die Frage stellt, wie die performativen und medialen Künste zur Entwicklung neuer Formen der öffentlichen Versammlung und der demokratischen Teilhabe in der urbanen Zivilgesellschaft beitragen können – und in Kooperation mit dem Kunstverein Hamburg haben wir Chantal Mouffe eingeladen über „Kritisches künstlerisches Handeln als gegenhegemoniale Intervention“ vorzutragen.

Chantal Mouffe definiert den öffentlichen Raum als ein Schlachtfeld, auf dem verschiedene hegemoniale Projekte ohne die Möglichkeit einer endgültigen Versöhnung konfrontiert sind. Zentral für ihre Theorien und für den Vortrag ist ihre Unterscheidung zwischen dem Antagonismus als eine “wir / sie” Beziehung, bei der beide Seiten Feinde sind, und die daher keine gemeinsame Basis teilen und dem Agonismus, eine “wir / sie” Beziehung, in der die Konfliktparteien anerkennen, dass es keine rationale Lösung für ihren Konflikt gibt, aber die Legitimität ihrer Gegners nicht in Abrede stellen.

Nach Mouffe kann kritische künstlerische Praxis eine wichtige Rolle bei der Untergrabung der dominanten Hegemonie in diesem sogenannten ‘agonistischen’ Modell des öffentlichen Raums spielen. Kritisch-künstlerisches Handeln bringt Widerstandsräume hervor, die zu Gesellschaftskritik und radikaler Politik befähigen.

Chantal Mouffe ist Professorin für Politische Theorie und Direktorin des “Centre for the Study of Democracy” an der University of Westminster in London. Sie ist Mitglied im Kuratorium des “Institut Solidarische Moderne” und Herausgeberin von “Dimensions of Radical Democracy. Pluralism, Citizenship, Community” (1992), Co-Autorin (mit Ernesto Laclau) von “Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus (1985/1991) und Autorin von ” Das demokratische Paradox ” (2000/2008) und ” Über das Politische, Wider die kosmopolitische Illusion ” (2005/2007).

Vortrag in englischer Sprache.

In Kooperation mit dem Kunstverein Hamburg.

Versammlungen Vol. 1

Versammlungen Vol. 1

Am 8. und  12.–17. Mai 2013 werden erstmalig die Forschungsprojekte des künstlerisch-wissenschaftlichen Graduiertenkollegs „Versammlung und Teilhabe: Urbane Öffentlichkeiten und performative Künste“ öffentlich präsentiert – in einer Vielzahl von Formaten: Workshops, Spiele, Lecture Performances, Rund- und Spaziergänge, Symposien, Filmabende, usw.

Mehr Informationen und detailliertes Programm:

„Versammlung und Teilhabe: Urbane Öffentlichkeiten und performative Künste“

Ausführliches Progamm Auftakttagung 20. – 22. April 2012

Freitag,  20. April 2012, Forschungstheater/Fundustheater

17.00 Uhr     Ankunft, Begrüßung und Einführung Let’s make money (Sibylle Peters)
18.00 Uhr     Hauptversammlung der Kinderbank Hamburg

Let’s Make Money! Aber wie macht man eigentlich Geld? Um das experimentell zu erkunden, hat das Forschungstheater die Kinderbank Hamburg gegründet. Kinder aus der Schule Richardstraße haben eine neue Währung, das Abenteuergeld, erfunden und ein Projektseminar der HafenCity Universität hat ein Netzwerk von Läden aufgebaut, die das Abenteuergeld in Zahlung nehmen. Zwischen Universität und Theater, Schule und Stadtteil entsteht eine Forschungslandschaft, in der sehr heterogene Partner gemeinsam herausfinden, wie unser Geld in Zukunft aussehen könnte.

(gefördert von der Stiftung Maritim Hermann & Milena Ebel und von TuSCH)

www.kinderbank-hamburg.de

Samstag,  21. April 2012, HafenCity Universität

10.00 Uhr    Grußworte (Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung und Walter Pelka, Präsident der HCU)

Versammlung und Teilhabe.
Der Auftakt
(Regula Valerie Burri, Kerstin Evert, Sibylle Peters und Gesa Ziemer)

11.30 Uhr     Brunch Buffet
12.30 Uhr     Keynote Diskussion

Die Keynote-Diskussion beginnt mit Denkanstößen von Kathrin Wildner, Kai van Eikels und Heike Roms. Vorgestellt werden neue Formen wissenschaftlicher, politischer und künstlerischer Teilhabe mit ihren jeweiligen Chancen und Problemen. Es geht um das Verhältnis von ethnographischer Beobachtung und politischer Intervention, um E-Democracy, Lobbyismus und die Ambivalenzen wissenschafts-politischer Neuorientierungen im Zusammenhang mit künstlerischer Forschung. Es folgt eine Open-Mic-Situation; alle Anwesenden sind eingeladen, mit Statements auf eine Reihe von Fragen zu reagieren, die im Kollegzusammenhang entwickelt wurden.

16.00 Uhr     Vortrag: Jeremy Dellers Reenactment „The Battle of Orgreave“ (2001) als performative (Teilhabe an und Mitteilung von) Erinnerung (Inke Arns)

Am 18. Juni 1984 gipfelten die Konflikte zwischen der Thatcher-Regierung und den britischen Bergarbeitern in einer gewaltsamen Auseinandersetzung nahe der Kokerei von Orgreave, South Yorkshire. Am 17. Juni 2001 ließ der britische Künstler Jeremy Deller diese „Schlacht“ unter Einbindung der damals beteiligten Bergarbeiter und Polizisten nachspielen. Persönliche Erinnerungen der ehemaligen Protagonisten und nicht die damalige (regierungstreue) Berichterstattung wurden zur Grundlage des Reenactments. Insofern als das von den Medien erzeugte (falsche) Bild korrigiert wird, hat The Battle of Orgreave eine dezidiert emanzipatorische Funktion.

17.00 Uhr     Vortrag: Protest/Tanz/Öffentlichkeit (Oliver Marchart)

Der Vortrag untersucht die Bedingungen, die für die Transformation eines städtischen Verkehrsraums zu einer politischen Öffentlichkeit notwendig sind. Diese Kriterien werden entwickelt an Beispielen aus den Bereichen politischer Performance und Tanz. Es geht dabei um die Passage von Kunst zu Politik und von Straßenverkehr zu Öffentlichkeit.

K3 – Zentrum für Choreographie

20.00 Uhr   Live Mapping (deufert&plischke, Scott deLahunta, Michael Steinbusch)

Live Mapping is a score for four presenters created out of a series of alternating short micro-lectures. Each micro-lecture is developed around a key word or term such as notation, structure, form, relations, translations. Each touches topics that are important for artistic creation and communication. While one person lectures the others will simultaneously develop graphic or pictorial translations made visible on the screen behind the speaker. The order of the series will be determined randomly. The presentation will be followed by a discussion with the audience. The micro-lectures will be in English.

Sonntag, 22. April 2012, Forschungstheater/Fundustheater

10.00 Uhr     A-Z der transdisziplinären Forschung

Transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise ist ein zentrales Anliegen des Kollegs. Gemeinsam werden Mitglieder und Gäste hierzu Verfahren suchen, entwickeln und diskutieren. Anerkennen (Ulrike Bergermann), Anwenden (Ute Vorkoeper), Beschreiben (Marijke Hoogenboom), Fliehen (Vassilis Tsianos), Verantworten (Sandra Noeth) und Verausgaben (Alexa Färber) machen den Anfang unseres A-Z der transdisziplinären Forschung, das im Laufe der Kollegs als Online-Lexikon entstehen wird.

(Mit Respondenz von Gabriele Brandstetter)

Auftaktveranstaltung

20.-22. April 2012
Versammlung und Teilhabe: Urbane Öffentlichkeiten und performative Künste

Im Frühjahr 2012 nimmt das Graduiertenkolleg seine Arbeit auf: Die gleichnamige Auftakttagung wandert zwischen den drei beteiligten Institutionen hin und her und befragt und erprobt verschiedene Formen von Versammlung und Teilhabe. Wissenschaftler_innen und Künstler_innen diskutieren mit allen Interessierten über neue politische Bewegungsformen, künstlerische Konzepte der Teilhabe und die Kritik der Partizipation. Mit szenischen Versammlungen, Installationen und Lecture Performances stellen die künstlerischen Institutionen ihre Arbeit vor und das „Alphabet der transdisziplinären Forschung“ wird begonnen, in dem erste Begriffe und Verfahrensweisen des Forschens zwischen Wissenschaft, Kunst und Alltagsexpertise vorgestellt und diskutiert werden.

Flyer: