Hilke Berger

Kunst macht Gesellschaft macht Kunst
Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Sozialem

Partizipatorische Kunstformen haben seit Jahren Hochkonjunktur und sind Ausdruck eines auch gesellschaftspolitisch immer deutlicher werdenden Bedürfnisses nach mehr Beteiligung und Möglichkeiten der (Mit)Gestaltung. Seit den 90er Jahren lässt sich quer durch alle Kunstpraxen ein Paradigmenwechsel von repräsentativen zu relationalen Arbeiten aufzeigen, die sich vermehrt an der Schnittstelle zu sozialen Projekten bewegen und damit nicht nur im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs etablierte Grenzen in Frage stellen, sondern auch vermehrt Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse haben. Im Fokus dieser Arbeit stehen Projekte mit dem gemeinsamen Ziel, durch die Aktivierung des Zuschauers, Prozesse in Gang zu setzten, die über eine ästhetische Setzung weit hinausgehen. Aspekte des Sozialen werden bewusst in, für und durch die Kunst erschlossen. Verhandelt werden hierbei Fragen der Kulturgeschichte, der sozialen Lebensbedingungen und der Stadtentwicklung. Die Trennschärfe zwischen sozialen Projekten, Kunst oder politischer Aktion ist aufgehoben. Im Spannungsfeld unterschiedlicher Kunstgattungen unterlaufen solche Arbeiten tradierte Sehgewohnheiten, lassen institutionalisierte Rahmen hinter sich und schaffen so neue Räume sozialer und kultureller Interaktion. Untersucht werden Projekte, die eben jene Grauzone zwischen Kunst und Politik mit sozialen Aktionen füllen: Arbeiten, die etablierte Grenzen in Frage stellen, die keine pädagogische Kunst machen und doch sozialen Charakter haben. Sie alle eint die dominierende Thematisierung des öffentlichen- und sozialen Raums sowie eine kritische Infragestellung der zunehmenden Privatisierung des städtischen Raums.

Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: einen wissenschaftlich analytischen und einen künstlerisch-forschenden Teil. Die wissenschaftliche Analyse wird an exemplarischen Beispielen vollzogen. Dabei sollen Fragen nach dem grundsätzlichen Potential künstlerisch initiierter (Sozial)Projekte mit der kunsthistorischen Entwicklung zusammengedacht werden. Im zweiten, künstlerisch-forschenden Teil der Arbeit, werden Versuchsanordnungen entwickelt, in deren Rahmen sowohl neue Formate des Zugangs als auch ganz konkrete Beispiele für künstlerische Projekte an der Schnittstelle zum Sozialen vorgestellt und ausprobiert werden sollen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.