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		<title>A-Z der transziplinären Forschung - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/A_-_Z_der_transdisziplin%C3%A4ren_Forschung</id>
		<title>A - Z der transdisziplinären Forschung</title>
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				<updated>2014-05-08T15:05:49Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg Versammlung und Teilhabe ist daher auf entsprechende Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm. Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention? Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten haben die Mitglieder des Kollegs gemeinsam mit Gästen aus dem Netzwerk des Kollegs zwischen Frühjahr 2012 und Frühjahr 2014 im Rahmen von Kolloquien an der Beantwortung dieser Fragen gearbeitet. Das vorliegende WIKI diente dafür als Tool und Ergebnisprotokoll. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten des Kollegs als wichtig erwiesen hatten, wurden hier gesammelt und nach und nach anhand von Beispielen erklärt und gemeinsam diskutiert.Die Artikel im WIKI sind Teil eines work-in-progress. Sie geben nicht lexikalisch einen allgemeinen Forschungsstand wieder, sondern bilden den Diskussionsstand des Kollegs Versammlung und Teilhabe ab. Dennoch lassen sie sich als erste Bausteine für ein A-Z der transdisziplinären Forschung lesen, an dem weiter zu arbeiten sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An diesem Wiki arbeiten zur Zeit gemeinsam ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexa Färber,&lt;br /&gt;
Dorothea Griessbach,&lt;br /&gt;
Elise v. Bernstorff,&lt;br /&gt;
Esther‏‎ Pilkington,&lt;br /&gt;
Eva Plischke,&lt;br /&gt;
Gesa Ziemer,&lt;br /&gt;
Gürsoy Dogtas,&lt;br /&gt;
Hannah Kowalski,&lt;br /&gt;
Heike Lueken,&lt;br /&gt;
Hilke Berger,&lt;br /&gt;
Inga Reimers,&lt;br /&gt;
Julia Zajaczkowska&lt;br /&gt;
Kerstin Evert,&lt;br /&gt;
Margarita Tsomou,&lt;br /&gt;
Marijke Hoogenboom,&lt;br /&gt;
Martin Nachbar,&lt;br /&gt;
Philipp Wetzel,&lt;br /&gt;
Regula Burri,&lt;br /&gt;
Sandra Noeth,&lt;br /&gt;
Sebastian Matthias,&lt;br /&gt;
Sibylle Peters,&lt;br /&gt;
Stefanie Lorey,&lt;br /&gt;
Sylvi Kretzschmar,&lt;br /&gt;
Ulrike Bergermann,&lt;br /&gt;
Ute Vorkoeper&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Begreifen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beschreiben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bewegen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bezeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Dokumentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Experimentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Intervenieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Interviewen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Mappen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Messen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Präsentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Prognostizieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Reisen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Sammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Scheitern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Spielen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Teilhaben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verausgaben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Vergleichen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verhandeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verkörpern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Versammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hilfe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturnachweise]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Teilhaben</id>
		<title>Teilhaben</title>
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				<updated>2014-05-08T13:18:58Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: Der Seiteninhalt wurde durch einen anderen Text ersetzt: „Dieser Artikel wird im letzten Semester des Graduiertenkollegs aufgrund der gesammelten Forschungsergebnisse in gemeinsamer Arbeit f…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel wird im letzten Semester des Graduiertenkollegs aufgrund der gesammelten Forschungsergebnisse in gemeinsamer Arbeit fertiggestellt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-08T13:06:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle. Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw. Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln. Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. ‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Versammeln als transdisziplinäres Forschungsverfahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (1)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des klassischen Forschungsprozesses:&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaftler_innen sich versammeln, um sich – etwa im Rahmen eines Kolloquiums - über ein bestimmtes Thema auszutauschen, entsteht im Zuge des Austausches, der Kombination und Diskussion gegebener Wissensstände immer auch neues Wissen, und zwar nicht nur auf in faktischer, sondern auch in einer diskursiven Dimension, in der verhandelt wird, was wie gesagt werden kann, was wie gezeigt werden muss, was vorausgesetzt wird, ob und wie Aussagen einander ergänzen oder einander widersprechen etc. Dennoch werden solche Versammlungen im Zeichen des Wissens, solche epistemischen Versammlungen, meist nicht im engeren Sinne als Teil eines Forschungsverfahrens betrachtet, sondern als Momente der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen begriffen, die auf andere Weise und an anderer Stelle gewonnen werden. Dabei spielen Praktiken wie das Vermitteln oder das Präsentieren von Wissen eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Aus performativer Perspektive ist die Präsentation von Wissen ein Prozess der Vergegenwärtigung und der Verkörperung, der nicht ohne Transformation vonstatten geht. In der Dimension des Performativen verschwimmt daher die Grenze zwischen Lernen und Forschen, denn Wissen in neuer Weise zu verkörpern, hat immer das Potenzial, nicht nur gegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu generieren (2). Dieser wissenspoietische Charakter der Präsentation lässt sich sowohl in experimenteller als auch in historischer Perspektive fokussieren (3): &lt;br /&gt;
Lecture Performances, also Wissenspräsentationen, die gezielt mit ihrem performativen Charakter arbeiten, können ein Vortragsszenario gezielt als Forschungsszenario gestalten und auswerten. Dazu gehört auch die Versammlung eines bestimmten Publikums, die Praxis des Versammelns also - qua Einladung, Adressierung und Beteiligung. &lt;br /&gt;
Parallel dazu lässt sich in wissenshistorischer Dimension zeigen, dass die Entwicklung einer neuen Episteme, wie beispielsweise die Entwicklung des naturwissenschaftlich-experimentellen Wissens, immer auch mit der Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit und damit zugleich mit neuartigen Formen des Versammelns in Verbindung steht, etwa indem man die Zuschauer erstmals als Augenzeugen eines gezielt hervorgebrachten Geschehens adressiert und einbezieht (3).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des performativen Forschungsprozesses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während nach gängiger Auffasung die an einer epistemischen Versammlung Beteiligten ihre unterschiedlichen Wissensstände in die Versammlung mitbringen, um sie hier miteinander auszutauschen und zu verknüpfen, ist es aus performativer Perspektive eine wechselseitige Beziehung zwischen Sprechakt und verkörperter Versammlung, die ausmacht, was hier jeweils als gewusst erscheinen und damit erkannt werden kann. &lt;br /&gt;
Für die transdisziplinäre Forschung zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft, also für Forschungsprojekte an denen, je nach Forschungsfeld und -gegenstand, jeweils spezifische, so genannte Alltagsexperten beteiligt sind, ist ein solches Verständnis von Wissen in der Tat von zentraler Bedeutung. Hinsichtlich der im Theater der Gegenwart weit verbreiteten Arbeit mit so genannten Alltagsexperten wird selten wahrgenommen, dass der Begriff des Alltagsexperten zunächst eine Art Oxymoron ist: Der Alltag kennt keine oder aber ausschließlich Experten. Entscheidend für die Arbeit mit Alltagsexpertinnen ist daher, die entsprechenden Personen mit ihren Erfahrungen zunächst als Expertinnen für etwas Bestimmtes zu begreifen und sie in der Rolle der Expertin anzusprechen. Die so genannten Alltagsexperten sind keineswegs von vornherein Expertinnen für ein bestimmtes Feld, sie werden vielmehr unter dem Begriff „Alltagsexperten“ gefasst, weil ihre Expertise eben nicht bereits durch gegebene gesellschaftliche und diskursive Rahmungen als Expertise erscheint oder gar beglaubigt ist. Stattdessen ist es der Rahmen des Forschungsprojekts selbst, der sie als Expertinnen für eine spezifische Forschungsfrage adressiert und einsetzt. Versammlungen mit solchen Expertinnen werden im Rahmen von transdisziplinären Forschungsprojekten also nicht einfach einberufen, um von einer gegebenen Expertise zu profitieren, sie müssen diese Expertise in der Art des Versammelns ein Stück weit erst als solche figurieren, müssen Rollen und Protokolle vorgeben, die es den Versammelten erlauben, in jenen „Zustand unserer“ zu kommen, der weiß. &lt;br /&gt;
Dies umreißt in der Tat genau jene Praxis des Versammelns, die entsteht, wenn die performativen Künste sich mit epistemischen Versammlungen zu befassen beginnen. Ein prominentes Beispiel, an dem dies anschaulich werden kann, sind die Arbeiten Hannah Hurtzigs und der Mobilen Akademie, die mit ihrem Schwarzmarkt des Wissens ein Szenario erfunden und gestaltet hat, in dem bis zu hundert Personen aus Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft entlang eines gemeinsamen Themas zu Experten ernannt werden.  Die performative Geste, die in dieser Anordnung steckt, ist zunächst die der Gleichstellung sehr unterschiedlicher Expertisen. Dabei sitzen alle Expertinnen an jeweils einem kleinen Tisch und stehen hier für kurze Beratungsgespräche zur Verfügung. Auf diese Weise werden die versammelten, sehr heterogenen Expertisen im Protokoll der Beratung einheitlich formatiert. Dies ist gerade deshalb interessant, weil unter Umständen gerade die Experten, deren Expertise gesellschaftlich bereits eindeutig beglaubigt ist, nämlich die Wissenschaftlerinnen, dafür eine Übertragungsleistung erbringen müssen. Eignet sich ihr Wissen doch unter Umständen weniger zur persönlichen Beratung als das ihrer praktisch tätigen Mitexperten. &lt;br /&gt;
In den Forschungsprojekten des Kollegs Versammlung und Teilhabe finden sich vergleichbare Beispiele; etwa ein von Inga Reimers veranstaltetes Dinner, das Expertinnen und Gäste zum Thema der nicht-visuellen Wahrnehmung zusammenführt.  Blinde, Volkskundler, Reiki-Lehrerinnen geben dabei einander formal gleichgestellte Inputs – einheitlich formatiert im Genre der Tischrede. Versammeln als Forschen kann in diesem Kontext auch bedeuten, einen spezifischen Personenkreis in neuer Weise zu versammeln und damit zum Sprechen, Wissen, Urteilen zu autorisieren. So hat Elise von Bernstorff unter dem Titel „Das jüngste Gericht“ Jugendliche an der Schwelle zur Strafmündigkeit probeweise als eine Art Prüfungskommission im Amtsgericht versammelt, da die Schwellensituation der Jugendlichen im Verhältnis zum Recht sie in gewissem Sinne zu idealen Prüferinnen unseres Rechtswesens macht.  &lt;br /&gt;
Damit eine Versammlung ihren Teilnehmern aber so grundlegend andere, gesellschaftlich nicht vorformatierte Rollen und Protokolle eröffnen kann, mehr noch: damit die Teilnehmerinnen diese Rollen tatsächlich performen können, ist in performativer Dimension eine intensive Vorarbeit zu leisten. Zahlreiche Aspekte sind in dieser Praxis forschenden Versammelns zu bedenken, denn was am Ende als das Wissen der Versammlung zur Erscheinung kommt, hängt wesentlich davon ab, wer wie zum Wissen eingeladen, autorisiert und ermutigt wird, wie Wissen aufgerufen und bestätigt, missverstanden, verkörpert und reenacted wird und zwar im Gebrauch von Interfaces zu anderen Versammlungen, im Gebrauch medialer Anordnungen der Aktualisierung und der Aufzeichnung, in der Performanz mehr oder weniger geteilter Rollenverständnisse, mehr oder weniger konfliktiver Strukturen der Stellvertretung und der Fürsprache und ganz unterschiedlicher diskursiver und imaginärer Rahmungen.  Deshalb sind in Vorbereitung der Versammlung Adressierungen, Medieneinsätze, Raumordnungen, Zeitordnungen, Requisiten/Dinge/Werkzeuge, Kleiderordnungen, Choreographien und dramaturgische Protokolle mit Bedacht zu entwickeln und aufeinander zu beziehen (5). &lt;br /&gt;
Hier lässt sich schließlich der Bogen zurück zur Actor-Network-Theorie spannen. Denn in der Tat umfasst die performative Aufmerksamkeit, die aufgebracht werden muss, um eine Versammlung in dieser Weise als Forschung zu betreiben, ungefähr jenes Spektrum von Akteuren, menschlichen und nicht-menschlichen, das auch in Actor-Networks verzeichnet wird. Zugleich gilt es in der performativen Praxis des Versammeln ebenso an bestehende Actor-Networks anzuschließen, sie aufzufinden, zu aktivieren und sichtbar zu machen, wie das daraus sich ergebende Potenzial zu einer neuen, noch nicht dagewesenen Art der Versammlung zu nutzen.  &lt;br /&gt;
Aber auch ein Unterschied zwischen dieser Praxis forschenden Versammelns und dem von Latour geschilderten Zusammenhang zwischen Netzwerk, Account und Versammlung lässt sich vor diesem Hintergrund fassen. Er findet sich auf der Ebene der prozessualen Anordnung, der zeitlichen Abfolge. Denn während es bei Latour der Account, der Bericht, die Aufzählung des Gesammelten und darin Versammelten ist, der das Netzwerk zur Versammlung macht, ist es im Falle performativer Forschung umgekehrt das Versammeln als solches, das den Account als vielstimmige Rede und jeweils neue epistemische Praxis erst hervorbringt. Forschung zeigt sich dabei als eine Arbeit an den Voreinstellungen, die bedingen, was im Zuge einer Versammlung als Wissen zur Erscheinung kommen kann. Sie bringt neues Wissen nicht in erster Linie im Zuge der Erweiterung gegebenen Wissens, der Ausweitung des Wissens also, hervor, sondern indem sie Wissen anders als bisher zur Erscheinung kommen lässt. Während der Account bei Latour – trotz aller Vernetzung – an ein klassisches Rollenverständnis des Forschenden anschließt und denjenigen als den eigentlichen Forscher auszeichnet, der den Bericht gibt, lässt sich das, was durch die Arbeit an den performativen Voreinstellungen als Wissen der Versammlung hervorgebracht wird, nicht mehr ohne weiteres dem Initiator der Versammlung als Autorin zurechnen. Zugleich liegt es gewissermaßen in der Versuchsanordnung begründet, dass sich die Versammlungen, die auf diese Weise hervorgebracht werden, deutlich von den gängigen epistemischen Versammlungen im Namen der Wissenschaft unterscheiden. &lt;br /&gt;
Interessanter Weise lässt sich Versammeln also gerade dann als Forschen evident machen, wenn es Szenarien hervorbringt, die nicht dem Diskurs akademischer Forschung entsprechen, und damit gesellschaftlich als Vermittlung, Popularisierung, Bildung, Selbsterfahrung, bürgerschaftliches Engagement oder Freizeitvergnügen gelten. Versammeln als Forschen zu betrachten, ist vor diesem Hintergrund ganz wesentlich mit der Frage nach der Beziehung von Forschung und Teilhabe verknüpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Latour, Bruno (2005): Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory, New York, S. 138. &lt;br /&gt;
(2) Gergen, Mary M. / Gergen, Kenneth J. (2010): „Performative Sozialwissenschaft“, in: Handbuch Qualitative Forschung in der Psychologie, S. 358-366&lt;br /&gt;
(3) Peters, Sibylle (2011): Der Vortrag als Performance, Bielefeld.&lt;br /&gt;
(4) Vgl. Schaffer, Simon/Shapin, Steven (1985): Leviathan and the Air Pump. Hobbes, Boyle and the Experimental Life, Princeton.&lt;br /&gt;
(5) Peters, Sibylle (2013): „THE ART OF BEING MANY. Zur Entstehung einer Kunst der Versammlung im Theater der Gegenwart“, in: Peters, Sibylle (Hg.), Das Forschen aller. Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft, Bielefeld 2013,  S. 167-187.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/A_-_Z_der_transdisziplin%C3%A4ren_Forschung</id>
		<title>A - Z der transdisziplinären Forschung</title>
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				<updated>2014-05-08T12:57:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg ist daher auf die Entwicklung entsprechender Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten haben die Mitglieder des Kollegs gemeinsam mit Gästen aus unserem Netzwerk zwischen Frühjahr 2012 und Frühjahr 2014 im Rahmen von Kolloquien an der Beantwortung dieser Fragen gearbeitet. Das vorliegende WIKI diente dafür als Tool und Ergebnisprotokoll. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten des Kollegs als wichtig erwiesen hatten, wurden hier gesammelt und nach und nach anhand von Beispielen erklärt und gemeinsam diskutiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artikel in diesem WIKI sind Teil eines work-in-progress. Sie geben nicht lexikalisch einen allgemeinen Forschungsstand wieder, sondern bilden des Diskussionsstand des Kollegs Versammlung und Teilhabe ab. Dennoch lassen sie sich als erste Bausteine für ein A-Z der transdisziplinären Forschung lesen, an dem weiter zu arbeiten sein wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An diesem Wiki arbeiten zur Zeit gemeinsam ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexa Färber,&lt;br /&gt;
Dorothea Griessbach,&lt;br /&gt;
Elise v. Bernstorff,&lt;br /&gt;
Esther‏‎ Pilkington,&lt;br /&gt;
Eva Plischke,&lt;br /&gt;
Gesa Ziemer,&lt;br /&gt;
Gürsoy Dogtas,&lt;br /&gt;
Hannah Kowalski,&lt;br /&gt;
Heike Lueken,&lt;br /&gt;
Hilke Berger,&lt;br /&gt;
Inga Reimers,&lt;br /&gt;
Julia Zajaczkowska&lt;br /&gt;
Kerstin Evert,&lt;br /&gt;
Margarita Tsomou,&lt;br /&gt;
Marijke Hoogenboom,&lt;br /&gt;
Martin Nachbar,&lt;br /&gt;
Philipp Wetzel,&lt;br /&gt;
Regula Burri,&lt;br /&gt;
Sandra Noeth,&lt;br /&gt;
Sebastian Matthias,&lt;br /&gt;
Sibylle Peters,&lt;br /&gt;
Stefanie Lorey,&lt;br /&gt;
Sylvi Kretzschmar,&lt;br /&gt;
Ulrike Bergermann,&lt;br /&gt;
Ute Vorkoeper&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Begreifen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beschreiben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bewegen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bezeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Dokumentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Experimentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Intervenieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Interviewen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Mappen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Messen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Präsentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Prognostizieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Reisen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Sammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Scheitern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Spielen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Teilhaben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verausgaben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Vergleichen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verhandeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verkörpern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Versammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hilfe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturnachweise]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln"/>
				<updated>2014-05-08T12:50:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. ‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Versammeln als transdisziplinäres Forschungsverfahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des klassischen Forschungsprozesses:&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaftler_innen sich versammeln, um sich – etwa im Rahmen eines Kolloquiums - über ein bestimmtes Thema auszutauschen, entsteht im Zuge des Austausches, der Kombination und Diskussion gegebener Wissensstände immer auch neues Wissen, und zwar nicht nur auf in faktischer, sondern auch in einer diskursiven Dimension, in der verhandelt wird, was wie gesagt werden kann, was wie gezeigt werden muss, was vorausgesetzt wird, ob und wie Aussagen einander ergänzen oder einander widersprechen etc. Dennoch werden solche Versammlungen im Zeichen des Wissens, solche epistemischen Versammlungen, meist nicht im engeren Sinne als Teil eines Forschungsverfahrens betrachtet, sondern als Momente der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen begriffen, die auf andere Weise und an anderer Stelle gewonnen werden. Dabei spielen Praktiken wie das Vermitteln oder das Präsentieren von Wissen eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Aus performativer Perspektive ist die Präsentation von Wissen ein Prozess der Vergegenwärtigung und der Verkörperung, der nicht ohne Transformation vonstatten geht. In der Dimension des Performativen verschwimmt daher die Grenze zwischen Lernen und Forschen, denn Wissen in neuer Weise zu verkörpern, hat immer das Potenzial, nicht nur gegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu generieren (vgl. Gergen/Gergen 2010). Dieser wissenspoietische Charakter der Präsentation lässt sich sowohl in experimenteller als auch in historischer Perspektive fokussieren (vgl. Peters 2011): &lt;br /&gt;
Lecture Performances, also Wissenspräsentationen, die gezielt mit ihrem performativen Charakter arbeiten, können ein Vortragsszenario gezielt als Forschungsszenario gestalten und auswerten. Dazu gehört auch die Versammlung eines bestimmten Publikums, die Praxis des Versammelns also - qua Einladung, Adressierung und Beteiligung. &lt;br /&gt;
Parallel dazu lässt sich in wissenshistorischer Dimension zeigen, dass die Entwicklung einer neuen Episteme, wie beispielsweise die Entwicklung des naturwissenschaftlich-experimentellen Wissens, immer auch mit der Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit und damit zugleich mit neuartigen Formen des Versammelns in Verbindung steht, etwa indem man die Zuschauer erstmals als Augenzeugen eines gezielt hervorgebrachten Geschehens adressiert und einbezieht (vgl. Shapin/Schaffer 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des performativen Forschungsprozesses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während nach gängiger Auffasung die an einer epistemischen Versammlung Beteiligten ihre unterschiedlichen Wissensstände in die Versammlung mitbringen, um sie hier miteinander auszutauschen und zu verknüpfen, ist es aus performativer Perspektive eine wechselseitige Beziehung zwischen Sprechakt und verkörperter Versammlung, die ausmacht, was hier jeweils als gewusst erscheinen und damit erkannt werden kann. &lt;br /&gt;
Für die transdisziplinäre Forschung zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft, also für Forschungsprojekte an denen, je nach Forschungsfeld und -gegenstand, jeweils spezifische, so genannte Alltagsexperten beteiligt sind, ist ein solches Verständnis von Wissen in der Tat von zentraler Bedeutung. Hinsichtlich der im Theater der Gegenwart weit verbreiteten Arbeit mit so genannten Alltagsexperten wird selten wahrgenommen, dass der Begriff des Alltagsexperten zunächst eine Art Oxymoron ist: Der Alltag kennt keine oder aber ausschließlich Experten. Entscheidend für die Arbeit mit Alltagsexpertinnen ist daher, die entsprechenden Personen mit ihren Erfahrungen zunächst als Expertinnen für etwas Bestimmtes zu begreifen und sie in der Rolle der Expertin anzusprechen. Die so genannten Alltagsexperten sind keineswegs von vornherein Expertinnen für ein bestimmtes Feld, sie werden vielmehr unter dem Begriff „Alltagsexperten“ gefasst, weil ihre Expertise eben nicht bereits durch gegebene gesellschaftliche und diskursive Rahmungen als Expertise erscheint oder gar beglaubigt ist. Stattdessen ist es der Rahmen des Forschungsprojekts selbst, der sie als Expertinnen für eine spezifische Forschungsfrage adressiert und einsetzt. Versammlungen mit solchen Expertinnen werden im Rahmen von transdisziplinären Forschungsprojekten also nicht einfach einberufen, um von einer gegebenen Expertise zu profitieren, sie müssen diese Expertise in der Art des Versammelns ein Stück weit erst als solche figurieren, müssen Rollen und Protokolle vorgeben, die es den Versammelten erlauben, in jenen „Zustand unserer“ zu kommen, der weiß. &lt;br /&gt;
Dies umreißt in der Tat genau jene Praxis des Versammelns, die entsteht, wenn die performativen Künste sich mit epistemischen Versammlungen zu befassen beginnen. Ein prominentes Beispiel, an dem dies anschaulich werden kann, sind die Arbeiten Hannah Hurtzigs und der Mobilen Akademie, die mit ihrem Schwarzmarkt des Wissens ein Szenario erfunden und gestaltet hat, in dem bis zu hundert Personen aus Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft entlang eines gemeinsamen Themas zu Experten ernannt werden.  Die performative Geste, die in dieser Anordnung steckt, ist zunächst die der Gleichstellung sehr unterschiedlicher Expertisen. Dabei sitzen alle Expertinnen an jeweils einem kleinen Tisch und stehen hier für kurze Beratungsgespräche zur Verfügung. Auf diese Weise werden die versammelten, sehr heterogenen Expertisen im Protokoll der Beratung einheitlich formatiert. Dies ist gerade deshalb interessant, weil unter Umständen gerade die Experten, deren Expertise gesellschaftlich bereits eindeutig beglaubigt ist, nämlich die Wissenschaftlerinnen, dafür eine Übertragungsleistung erbringen müssen. Eignet sich ihr Wissen doch unter Umständen weniger zur persönlichen Beratung als das ihrer praktisch tätigen Mitexperten. &lt;br /&gt;
In den Forschungsprojekten des Kollegs Versammlung und Teilhabe finden sich vergleichbare Beispiele; etwa ein von Inga Reimers veranstaltetes Dinner, das Expertinnen und Gäste zum Thema der nicht-visuellen Wahrnehmung zusammenführt.  Blinde, Volkskundler, Reiki-Lehrerinnen geben dabei einander formal gleichgestellte Inputs – einheitlich formatiert im Genre der Tischrede. Versammeln als Forschen kann in diesem Kontext auch bedeuten, einen spezifischen Personenkreis in neuer Weise zu versammeln und damit zum Sprechen, Wissen, Urteilen zu autorisieren. So hat Elise von Bernstorff unter dem Titel „Das jüngste Gericht“ Jugendliche an der Schwelle zur Strafmündigkeit probeweise als eine Art Prüfungskommission im Amtsgericht versammelt, da die Schwellensituation der Jugendlichen im Verhältnis zum Recht sie in gewissem Sinne zu idealen Prüferinnen unseres Rechtswesens macht.  &lt;br /&gt;
Damit eine Versammlung ihren Teilnehmern aber so grundlegend andere, gesellschaftlich nicht vorformatierte Rollen und Protokolle eröffnen kann, mehr noch: damit die Teilnehmerinnen diese Rollen tatsächlich performen können, ist in performativer Dimension eine intensive Vorarbeit zu leisten. Zahlreiche Aspekte sind in dieser Praxis forschenden Versammelns zu bedenken, denn was am Ende als das Wissen der Versammlung zur Erscheinung kommt, hängt wesentlich davon ab, wer wie zum Wissen eingeladen, autorisiert und ermutigt wird, wie Wissen aufgerufen und bestätigt, missverstanden, verkörpert und reenacted wird und zwar im Gebrauch von Interfaces zu anderen Versammlungen, im Gebrauch medialer Anordnungen der Aktualisierung und der Aufzeichnung, in der Performanz mehr oder weniger geteilter Rollenverständnisse, mehr oder weniger konfliktiver Strukturen der Stellvertretung und der Fürsprache und ganz unterschiedlicher diskursiver und imaginärer Rahmungen.  Deshalb sind in Vorbereitung der Versammlung Adressierungen, Medieneinsätze, Raumordnungen, Zeitordnungen, Requisiten/Dinge/Werkzeuge, Kleiderordnungen, Choreographien und dramaturgische Protokolle mit Bedacht zu entwickeln und aufeinander zu beziehen (vgl. Peters 2013). &lt;br /&gt;
Hier lässt sich schließlich der Bogen zurück zur Actor-Network-Theorie spannen. Denn in der Tat umfasst die performative Aufmerksamkeit, die aufgebracht werden muss, um eine Versammlung in dieser Weise als Forschung zu betreiben, ungefähr jenes Spektrum von Akteuren, menschlichen und nicht-menschlichen, das auch in Actor-Networks verzeichnet wird. Zugleich gilt es in der performativen Praxis des Versammeln ebenso an bestehende Actor-Networks anzuschließen, sie aufzufinden, zu aktivieren und sichtbar zu machen, wie das daraus sich ergebende Potenzial zu einer neuen, noch nicht dagewesenen Art der Versammlung zu nutzen.  &lt;br /&gt;
Aber auch ein Unterschied zwischen dieser Praxis forschenden Versammelns und dem von Latour geschilderten Zusammenhang zwischen Netzwerk, Account und Versammlung lässt sich vor diesem Hintergrund fassen. Er findet sich auf der Ebene der prozessualen Anordnung, der zeitlichen Abfolge. Denn während es bei Latour der Account, der Bericht, die Aufzählung des Gesammelten und darin Versammelten ist, der das Netzwerk zur Versammlung macht, ist es im Falle performativer Forschung umgekehrt das Versammeln als solches, das den Account als vielstimmige Rede und jeweils neue epistemische Praxis erst hervorbringt. Forschung zeigt sich dabei als eine Arbeit an den Voreinstellungen, die bedingen, was im Zuge einer Versammlung als Wissen zur Erscheinung kommen kann. Sie bringt neues Wissen nicht in erster Linie im Zuge der Erweiterung gegebenen Wissens, der Ausweitung des Wissens also, hervor, sondern indem sie Wissen anders als bisher zur Erscheinung kommen lässt. Während der Account bei Latour – trotz aller Vernetzung – an ein klassisches Rollenverständnis des Forschenden anschließt und denjenigen als den eigentlichen Forscher auszeichnet, der den Bericht gibt, lässt sich das, was durch die Arbeit an den performativen Voreinstellungen als Wissen der Versammlung hervorgebracht wird, nicht mehr ohne weiteres dem Initiator der Versammlung als Autorin zurechnen. Zugleich liegt es gewissermaßen in der Versuchsanordnung begründet, dass sich die Versammlungen, die auf diese Weise hervorgebracht werden, deutlich von den gängigen epistemischen Versammlungen im Namen der Wissenschaft unterscheiden. &lt;br /&gt;
Interessanter Weise lässt sich Versammeln also gerade dann als Forschen evident machen, wenn es Szenarien hervorbringt, die nicht dem Diskurs akademischer Forschung entsprechen, und damit gesellschaftlich als Vermittlung, Popularisierung, Bildung, Selbsterfahrung, bürgerschaftliches Engagement oder Freizeitvergnügen gelten. Versammeln als Forschen zu betrachten, ist vor diesem Hintergrund ganz wesentlich mit der Frage nach der Beziehung von Forschung und Teilhabe verknüpft.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln"/>
				<updated>2014-05-08T12:48:59Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. ‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des klassischen Forschungsprozesses:&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaftler_innen sich versammeln, um sich – etwa im Rahmen eines Kolloquiums - über ein bestimmtes Thema auszutauschen, entsteht im Zuge des Austausches, der Kombination und Diskussion gegebener Wissensstände immer auch neues Wissen, und zwar nicht nur auf in faktischer, sondern auch in einer diskursiven Dimension, in der verhandelt wird, was wie gesagt werden kann, was wie gezeigt werden muss, was vorausgesetzt wird, ob und wie Aussagen einander ergänzen oder einander widersprechen etc. Dennoch werden solche Versammlungen im Zeichen des Wissens, solche epistemischen Versammlungen, meist nicht im engeren Sinne als Teil eines Forschungsverfahrens betrachtet, sondern als Momente der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen begriffen, die auf andere Weise und an anderer Stelle gewonnen werden. Dabei spielen Praktiken wie das Vermitteln oder das Präsentieren von Wissen eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Aus performativer Perspektive ist die Präsentation von Wissen ein Prozess der Vergegenwärtigung und der Verkörperung, der nicht ohne Transformation vonstatten geht. In der Dimension des Performativen verschwimmt daher die Grenze zwischen Lernen und Forschen, denn Wissen in neuer Weise zu verkörpern, hat immer das Potenzial, nicht nur gegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu generieren (vgl. Gergen/Gergen 2010). Dieser wissenspoietische Charakter der Präsentation lässt sich sowohl in experimenteller als auch in historischer Perspektive fokussieren (vgl. Peters 2011): &lt;br /&gt;
Lecture Performances, also Wissenspräsentationen, die gezielt mit ihrem performativen Charakter arbeiten, können ein Vortragsszenario gezielt als Forschungsszenario gestalten und auswerten. Dazu gehört auch die Versammlung eines bestimmten Publikums, die Praxis des Versammelns also - qua Einladung, Adressierung und Beteiligung. &lt;br /&gt;
Parallel dazu lässt sich in wissenshistorischer Dimension zeigen, dass die Entwicklung einer neuen Episteme, wie beispielsweise die Entwicklung des naturwissenschaftlich-experimentellen Wissens, immer auch mit der Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit und damit zugleich mit neuartigen Formen des Versammelns in Verbindung steht, etwa indem man die Zuschauer erstmals als Augenzeugen eines gezielt hervorgebrachten Geschehens adressiert und einbezieht (vgl. Shapin/Schaffer 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des performativen Forschungsprozesses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während nach gängiger Auffasung die an einer epistemischen Versammlung Beteiligten ihre unterschiedlichen Wissensstände in die Versammlung mitbringen, um sie hier miteinander auszutauschen und zu verknüpfen, ist es aus performativer Perspektive eine wechselseitige Beziehung zwischen Sprechakt und verkörperter Versammlung, die ausmacht, was hier jeweils als gewusst erscheinen und damit erkannt werden kann. &lt;br /&gt;
Für die transdisziplinäre Forschung zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft, also für Forschungsprojekte an denen, je nach Forschungsfeld und -gegenstand, jeweils spezifische, so genannte Alltagsexperten beteiligt sind, ist ein solches Verständnis von Wissen in der Tat von zentraler Bedeutung. Hinsichtlich der im Theater der Gegenwart weit verbreiteten Arbeit mit so genannten Alltagsexperten wird selten wahrgenommen, dass der Begriff des Alltagsexperten zunächst eine Art Oxymoron ist: Der Alltag kennt keine oder aber ausschließlich Experten. Entscheidend für die Arbeit mit Alltagsexpertinnen ist daher, die entsprechenden Personen mit ihren Erfahrungen zunächst als Expertinnen für etwas Bestimmtes zu begreifen und sie in der Rolle der Expertin anzusprechen. Die so genannten Alltagsexperten sind keineswegs von vornherein Expertinnen für ein bestimmtes Feld, sie werden vielmehr unter dem Begriff „Alltagsexperten“ gefasst, weil ihre Expertise eben nicht bereits durch gegebene gesellschaftliche und diskursive Rahmungen als Expertise erscheint oder gar beglaubigt ist. Stattdessen ist es der Rahmen des Forschungsprojekts selbst, der sie als Expertinnen für eine spezifische Forschungsfrage adressiert und einsetzt. Versammlungen mit solchen Expertinnen werden im Rahmen von transdisziplinären Forschungsprojekten also nicht einfach einberufen, um von einer gegebenen Expertise zu profitieren, sie müssen diese Expertise in der Art des Versammelns ein Stück weit erst als solche figurieren, müssen Rollen und Protokolle vorgeben, die es den Versammelten erlauben, in jenen „Zustand unserer“ zu kommen, der weiß. &lt;br /&gt;
Dies umreißt in der Tat genau jene Praxis des Versammelns, die entsteht, wenn die performativen Künste sich mit epistemischen Versammlungen zu befassen beginnen. Ein prominentes Beispiel, an dem dies anschaulich werden kann, sind die Arbeiten Hannah Hurtzigs und der Mobilen Akademie, die mit ihrem Schwarzmarkt des Wissens ein Szenario erfunden und gestaltet hat, in dem bis zu hundert Personen aus Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft entlang eines gemeinsamen Themas zu Experten ernannt werden.  Die performative Geste, die in dieser Anordnung steckt, ist zunächst die der Gleichstellung sehr unterschiedlicher Expertisen. Dabei sitzen alle Expertinnen an jeweils einem kleinen Tisch und stehen hier für kurze Beratungsgespräche zur Verfügung. Auf diese Weise werden die versammelten, sehr heterogenen Expertisen im Protokoll der Beratung einheitlich formatiert. Dies ist gerade deshalb interessant, weil unter Umständen gerade die Experten, deren Expertise gesellschaftlich bereits eindeutig beglaubigt ist, nämlich die Wissenschaftlerinnen, dafür eine Übertragungsleistung erbringen müssen. Eignet sich ihr Wissen doch unter Umständen weniger zur persönlichen Beratung als das ihrer praktisch tätigen Mitexperten. &lt;br /&gt;
In den Forschungsprojekten des Kollegs Versammlung und Teilhabe finden sich vergleichbare Beispiele; etwa ein von Inga Reimers veranstaltetes Dinner, das Expertinnen und Gäste zum Thema der nicht-visuellen Wahrnehmung zusammenführt.  Blinde, Volkskundler, Reiki-Lehrerinnen geben dabei einander formal gleichgestellte Inputs – einheitlich formatiert im Genre der Tischrede. Versammeln als Forschen kann in diesem Kontext auch bedeuten, einen spezifischen Personenkreis in neuer Weise zu versammeln und damit zum Sprechen, Wissen, Urteilen zu autorisieren. So hat Elise von Bernstorff unter dem Titel „Das jüngste Gericht“ Jugendliche an der Schwelle zur Strafmündigkeit probeweise als eine Art Prüfungskommission im Amtsgericht versammelt, da die Schwellensituation der Jugendlichen im Verhältnis zum Recht sie in gewissem Sinne zu idealen Prüferinnen unseres Rechtswesens macht.  &lt;br /&gt;
Damit eine Versammlung ihren Teilnehmern aber so grundlegend andere, gesellschaftlich nicht vorformatierte Rollen und Protokolle eröffnen kann, mehr noch: damit die Teilnehmerinnen diese Rollen tatsächlich performen können, ist in performativer Dimension eine intensive Vorarbeit zu leisten. Zahlreiche Aspekte sind in dieser Praxis forschenden Versammelns zu bedenken, denn was am Ende als das Wissen der Versammlung zur Erscheinung kommt, hängt wesentlich davon ab, wer wie zum Wissen eingeladen, autorisiert und ermutigt wird, wie Wissen aufgerufen und bestätigt, missverstanden, verkörpert und reenacted wird und zwar im Gebrauch von Interfaces zu anderen Versammlungen, im Gebrauch medialer Anordnungen der Aktualisierung und der Aufzeichnung, in der Performanz mehr oder weniger geteilter Rollenverständnisse, mehr oder weniger konfliktiver Strukturen der Stellvertretung und der Fürsprache und ganz unterschiedlicher diskursiver und imaginärer Rahmungen.  Deshalb sind in Vorbereitung der Versammlung Adressierungen, Medieneinsätze, Raumordnungen, Zeitordnungen, Requisiten/Dinge/Werkzeuge, Kleiderordnungen, Choreographien und dramaturgische Protokolle mit Bedacht zu entwickeln und aufeinander zu beziehen (vgl. Peters 2013). &lt;br /&gt;
Hier lässt sich schließlich der Bogen zurück zur Actor-Network-Theorie spannen. Denn in der Tat umfasst die performative Aufmerksamkeit, die aufgebracht werden muss, um eine Versammlung in dieser Weise als Forschung zu betreiben, ungefähr jenes Spektrum von Akteuren, menschlichen und nicht-menschlichen, das auch in Actor-Networks verzeichnet wird. Zugleich gilt es in der performativen Praxis des Versammeln ebenso an bestehende Actor-Networks anzuschließen, sie aufzufinden, zu aktivieren und sichtbar zu machen, wie das daraus sich ergebende Potenzial zu einer neuen, noch nicht dagewesenen Art der Versammlung zu nutzen.  &lt;br /&gt;
Aber auch ein Unterschied zwischen dieser Praxis forschenden Versammelns und dem von Latour geschilderten Zusammenhang zwischen Netzwerk, Account und Versammlung lässt sich vor diesem Hintergrund fassen. Er findet sich auf der Ebene der prozessualen Anordnung, der zeitlichen Abfolge. Denn während es bei Latour der Account, der Bericht, die Aufzählung des Gesammelten und darin Versammelten ist, der das Netzwerk zur Versammlung macht, ist es im Falle performativer Forschung umgekehrt das Versammeln als solches, das den Account als vielstimmige Rede und jeweils neue epistemische Praxis erst hervorbringt. Forschung zeigt sich dabei als eine Arbeit an den Voreinstellungen, die bedingen, was im Zuge einer Versammlung als Wissen zur Erscheinung kommen kann. Sie bringt neues Wissen nicht in erster Linie im Zuge der Erweiterung gegebenen Wissens, der Ausweitung des Wissens also, hervor, sondern indem sie Wissen anders als bisher zur Erscheinung kommen lässt. Während der Account bei Latour – trotz aller Vernetzung – an ein klassisches Rollenverständnis des Forschenden anschließt und denjenigen als den eigentlichen Forscher auszeichnet, der den Bericht gibt, lässt sich das, was durch die Arbeit an den performativen Voreinstellungen als Wissen der Versammlung hervorgebracht wird, nicht mehr ohne weiteres dem Initiator der Versammlung als Autorin zurechnen. Zugleich liegt es gewissermaßen in der Versuchsanordnung begründet, dass sich die Versammlungen, die auf diese Weise hervorgebracht werden, deutlich von den gängigen epistemischen Versammlungen im Namen der Wissenschaft unterscheiden. &lt;br /&gt;
Interessanter Weise lässt sich Versammeln also gerade dann als Forschen evident machen, wenn es Szenarien hervorbringt, die nicht dem Diskurs akademischer Forschung entsprechen, und damit gesellschaftlich als Vermittlung, Popularisierung, Bildung, Selbsterfahrung, bürgerschaftliches Engagement oder Freizeitvergnügen gelten. Versammeln als Forschen zu betrachten, ist vor diesem Hintergrund ganz wesentlich mit der Frage nach der Beziehung von Forschung und Teilhabe verknüpft.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<title>Präsentieren</title>
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				<updated>2014-05-08T12:44:54Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Präsentieren = Forschen?''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vorliegende Artikel will herleiten, warum und wie sich das Präsentieren von Wissen als Forschungsverfahren begreifen und betreiben lässt. Ausgangspunkt dafür ist die wissenschaftliche Praxis des Vortragens. In dieser Praxis sind Präsentation und Forschung traditionell eng verbunden und doch in spezifischer Weise voneinander getrennt. Im Folgenden wird diese Trennung kritisch hinterfragt. Anschließend entwerfe ich Präsentieren als ein Verfahren transdisziplinären Forschens zwischen Kunst und Wissenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Vortragsanalyse als Diskursanalyse''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorträge sind ein wichtiger und alltäglicher Teil wissenschaftlicher Praxis. Sie dienen dabei häufig als eine Art Interface zu anderen Teilen der wissenschaftlichen Praxis, die als zentral ausgewiesen werden, nämlich diejenigen, in denen das Wissen produziert wird: die Arbeit in Archiven oder im Labor, die Forschung im Feld und in der statistischen Auswertung oder am Rechner als Simulator. Im Vortrag wird demnach Wissen zusammengestellt und vermittelt, das sich im Verweis auf diese Praktiken der Wissensproduktion und der Verifikation als Wissen legitimiert. Um dies zu verdeutlichen, genügt es, sich einmal das Gegenteil vor Augen zu führen. Man stelle sich beispielsweise einen Historiker vor, der in einem Vortrag von einem Forschungsprojekt berichtet. Zunächst geht es um das Auffinden eines historischen Zusammenhangs in einer Reihe von Archiven. Dann setzt sich der Bericht folgendermaßen fort: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als ich vor sechs Monaten eingeladen wurde, meine bisherigen Ergebnisse auf der Tagung X darzustellen, geriet ich zufällig auf ein Panel mit dem Titel Y. Ich stellte mir vor, dass bei diesem Panel der Diskurs Z dominant sein würde. Zuvor wäre ich kaum darauf verfallen, doch tatsächlich erwies sich die Verknüpfung meiner Ergebnisse mit dem Thema Y und dem Diskurs Z als ein Durchbruch für meine Forschung und zwar weil... . Übrigens irrte ich mich und der Diskurs Z war im Panel dann tatsächlich kaum vertreten. Weniger durch die Diskussion, als vielmehr durch eine körperlich spürbare Form mangelnder Resonanz im mittleren Teil meines Vortrags wurde mir daraufhin klar, dass die eigentliche Tragweite meiner These A erst deutlich wird, wenn man zugleich den Kontext B noch einmal erläutert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JedeR, der/die Erfahrungen in projektorientierter Forschung gemacht hat, wird zustimmen, dass das hier dargestellte Geschehen durchaus typisch ist – häufig werden Präsentationszusammenhänge für den Forschungsprozess produktiv. Dennoch ist ein entsprechender Bericht im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrag überaus unwahrscheinlich. Lässt sich dies ändern? Wie wäre die Produktivität der Wissenspräsentation als Forschungsverfahren zu begreifen und zu beschreiben? &lt;br /&gt;
In seiner berühmten Antrittsvorlesung „Die Ordnung des Diskurses“ spielt Foucault mit dem doppelten Bezug des Wortes Diskurs, das zum einen eine jeweils konkrete, mediale, soziale Ordnung des Sprechens bezeichnet – und zwar im allgemeinen – und zum anderen den Vortrag „Die Ordnung des Diskurses“ selbst (1).  Ein Prozess der Selbstexemplifikation ist in dieser Antrittsvorlesung im Gange, der die Entfaltung von Erkenntnis vorantreibt: Was regelt die Ordnung des Sprechens in diesem Moment, in dem ich spreche? Für die Diskursanalyse ist das Selbst dieser Selbstexemplifikation allerdings ein fragwürdiger Schauplatz. Und so hat die Diskursanalyse in den vergangenen Jahrzehnten zwar die Kulturwissenschaft als historische Praxis geprägt, nicht jedoch das Szenario des Vortragens verändert. Nichtsdestoweniger ist das, was ich im Folgenden vorschlagen möchte, nichts anderes als eine Diskursanalyse, bezogen jedoch auch auf den konkreten Diskurs, in dem man selbst präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem ist die Dominanz des ideengeschichtlichen Paradigmas, das Wissensentwicklung als einen mental gesteuerten Prozess vorstellte, gebrochen. Im Kontext der Diskursanalyse sind neue Forschungsrichtungen, wie die Mediengeschichte des Wissens oder die Geschichte der Experimentalsysteme, entstanden, und haben ein Spektrum von Wissenstechniken offengelegt, die einander beeinflussen, ersetzen, verwenden.  Forschung, so wurde in diesem Zusammenhang immer wieder nachgewiesen, schreibt sich im Versuch der Darstellung fort, weniger also in der Figuration einer ideengesteuerten These, die dann verifiziert würde, sondern eher entlang der Frage: Wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse aufzeichnen, aufbewahren, aktualisieren? Wie lässt sich Evidenz produzieren?  &lt;br /&gt;
Forschung ist also immer auch Darstellung. Doch berechtigt uns das zu dem Umkehrschluss, Darstellung sei auch Forschung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rhetorische und performative Wissenspoiesis''' &lt;br /&gt;
Ein Blick in die Geschichte des wissenschaftlichen Vortrags ist ermutigend: In der Tat steht der Gedanke, dass Darstellung immer auch Forschung sei, im Zentrum des Entstehungszusammenhang der modernen Forschungsuniversität. Man müsse, so formuliert Humboldt, davon ausgehen, dass das Vortragen vor einer Menge mitdenkender Köpfe auch den Vortragenden zu neuen Erkenntnissen beflügelt.  Ergo: Universität statt Akademie – Einheit statt Trennung von Forschung und Lehre (2). &lt;br /&gt;
Im Umfeld der humboldtschen Universitätsreform häufen sich die Theoreme, wie diese Erkenntnisproduktion im Sinne einer „allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden“ im einzelnen vonstatten geht. Dabei spielen Geistesblitze eine Rolle, Auf- und Entladungen – der Übergang zur Theorie von Elektrizität und Physiologie, wie sie sich im 19. Jahrhundert entwickelt, ist fließend (3).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich ruht die Debatte um die Wissenspoiesis des so genannten freien Vortrags auf rhetorischen Traditionen. Dabei steht der Begriff der Evidentia im Zentrum. Seit der Antike ist der Vortrag im Sinne der rhetorischen Actio mit der Figur der Evidentia verbunden. Evidentia ist dabei zunächst das Maß, in dem ein Vortrag zugleich eine Vergegenwärtigung dessen leistet, wovon er spricht. Ist dieses Maß voll, so kann das Publikum eines Vortrags eine zwingende Beziehung zwischen dem, was gesagt wird und dem, was sich dabei zeigt, bezeugen (4).  &lt;br /&gt;
Da auch moderne wissenschaftliche Beweisführungen zumindest zum Teil auf den Traditionen rhetorischen Wissens aufruhen, basiert auch wissenschaftliche Evidenz auf dieser seit der Antike bekannten Figur der Evidentia. Man könnte sie als eine Form der performativen Evidenz bezeichnen, die etablierte Figuren des Beweisens und vor Augen Führens in actu mit körperlichen und medialen, affektiven und interaktiven Momenten verbindet.  Im Szenario des Vortrags als Vergegenwärtigung von Wissen wird dies erfahrbar: Welche Beziehungen zwischen Sagen und Zeigen werden hier sichtbar? Wie bringen sie Wissen als Wissen zur Erscheinung? &lt;br /&gt;
Dabei zeigt sich die irreduzible Rhetorizität aller Wahrheitsfindung in neuem Gewande, dem eines performativen Settings, das nicht nur Wort und Wahrheitswert, sondern Körper und Zeichen, Medien und Öffentlichkeiten umschließt. Die Rhetorizität des Wissens zeigt sich als Performativität des Wissens, das zugleich nicht mehr als ursprünglich körperlos gedacht wird, sondern „in Formen der Darstellung und inszenierten Wahrnehmungssituationen, in medialen Praktiken und auf sozialen Handlungsfeldern sowie in der Verschränkung von Künsten und Wissenschaften erst entsteht.“ (5) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also: Darstellung gleich Forschung?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau betrachtet ist dieser Umkehrschluss damit noch nicht begründbar, denn gezeigt worden ist lediglich, dass im Prozess der Darstellung Wissen und Erkenntnis entsteht. Die Präsentation von Wissens ist poietisch. Und wer hätte das bezweifeln wollen? Ein wichtiger Schritt bleibt zu tun: Wie kommt man von der wissenspoietischen Situation zum Forschungssetup? &lt;br /&gt;
Diese Frage ist im Grunde nicht schwer zu beantworten: &lt;br /&gt;
Zunächst ist eine Form der Beschreibung, der Aufzeichnung, des Protokolls ist zu etablieren, möglicherweise ein Forschungslogbuch, wie es Ethnograph_innen im Feld verwenden, ein Register, in dem die Forschende das selbst erlebte Geschehen im Zuge von Wissenspräsentationen in möglichst gleichbleibender Form festhält. &lt;br /&gt;
Im nächsten Schritt wären dann einzelne Faktoren des Vortragsgeschehens zu isolieren und begründet zu variieren, um auf diese Weise Experimentalsituationen herzustellen. &lt;br /&gt;
Schließlich braucht es den Austausch und die Vernetzung von Forscher_innen, die mit entsprechenden Experimentalsituationen arbeiten. &lt;br /&gt;
Doch obwohl die nötigen Schritte leicht zu benennen sind, erweist es sich als nahezu unmöglich, sie innerhalb einer gegebenen wissenschaftlichen, also disziplinären Praxis tatsächlich zu gehen. Dies hängt nicht zuletzt mit dem genuin transdisziplinären Charakter zusammen, der die Wissenspoiesis in Präsentationszusammenhängen kennzeichnet. Die Wissenspoiesis der Präsentation speist sich aus einem Kontinuum von Evidenzerfahrungen, das die Grenzen disziplinärer Wissensproduktion notwendig überschreitet und umfasst. Die im Vortragsszenario gewonnen Erkenntnisse sind demnach etwas, das der disziplinären Vernunft notwendig zustößt. Sie haben Ereignischarakter. Nichtsdestoweniger kann man entsprechende Ereignisse hervorrufen, erwarten, auswerten. Nicht jedoch in den immer schon gegebenen Zurichtungen disziplinärer Evidenzproduktion. Habituelle Grenzen kommen hier ins Spiel, die dem Wissen selbst keineswegs äußerlich sind: Wissenschaftliche Vortragspraktiken sind konventionalisiert und stabilisiert, dazu eingerichtet, Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte Prozesse der Wissensentstehung zu fokussieren, andere auszublenden. Das Präsentieren von Wissen als Experimentalsystem zu begreifen, erfordert daher eine transdisziplinäre Zusammenarbeit – eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst. Nahegelegt wird dies nicht zuletzt durch die Konjunktur, die Wissenspräsentationen und Lecture Performances im Kontext der szenischen Künste in den vergangenen fünfzehn Jahren erfahren haben (6).  &lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Szenische Forschung an der Präsentation''' &lt;br /&gt;
Während Forschung und Darstellung im Sinne der Präsentation in der wissenschaftlichen Praxis im allgemeinen als getrennte Register gelten – erst die Forschung dann die Präsentation – steht in der künstlerischen Praxis außer Frage, dass die Arbeit an der Darstellung ein Forschungsprozess, ja, mehr noch: wesentlicher Teil der künstlerischen Forschung ist. Zeitgenössische szenische beziehungsweise performative Kunst geht dabei von der umfassenden Signifikanz all dessen aus, was auf der Szene erscheint. Kein Aspekt szenischer Performanz bleibt von vornherein von Betrachtung und Gestaltung ausgeklammert. Begreift man Präsentationen als Performances von Sagen, Zeigen und ihrer Kombination, umfasst die szenische Aufmerksamkeit idealiter alle möglichen Kombinationen von Sagen und Zeigen im Sinne eines Variationsspektrum. In der transdisziplinären Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft gilt es daher, den weiten Blick und die entsprechende Gestaltungspalette der szenischen Aufmerksamkeit auf die Voreinstellungen zu beziehen, die Wissenspräsentationen heute prägen. Mit anderen Worten: Um forschungsrelevant zu sein, sollte szenische Variation möglichst präzise und differenziert bei den performativen Faktoren ansetzen, die Wissenspräsentationen außerhalb des Kunstkontexts jeweils ausmachen. Im Folgenden soll dies exemplarisch anhand eines dieser Faktoren – dem der Ansprache ¬– dargestellt werden. &lt;br /&gt;
Wissenspräsentationen richten sich an eine Öffentlichkeit – selten jedoch an eine vermeintlich allgemeine, viel häufiger an ganz bestimmte Öffentlichkeiten, an Fachöffentlichkeiten, an beruflich orientierte Öffentlichkeiten, an Öffentlichkeiten, die sich in einem bestimmten gesellschaftlichen Bereich engagieren, an diverse Bildungsöffentlichkeiten etc. . „Sich Richten An“ ist dabei ein komplexer Vorgang, in dem sowohl das Wissen als auch die entsprechende Öffentlichkeit als solche neu formatiert und partiell erst konstitutiert wird. Wissen und Öffentlichkeit bedingen einander. Im Sich Richten an eine bestimmte Öffentlichkeit wird das Wissen selbst als ein Bestimmtes erst bestimmbar (7).  Zugleich ist das Adressieren des Wissens aber auch immer ein teilweise imaginärer Vorgang, der die zu adressierende Öffentlichkeit niemals einfach vorfindet, sondern immer auch vorstellt (8). Im Moment der Adressierung ist die „bestimmte Öffentlichkeit“ immer auch Fiktion.  Die Art der Adressierung prägt das Wissen dabei nicht nur im Sinne beispielsweise der Wortwahl oder der ausgewählten Illustrationen, also im Hinblick auf das, was gesagt wird, und das, was gezeigt wird. Viel grundlegender wirkt sie sich auf das Verhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Ungezeigten aus, denn mit der Vorstellung einer bestimmten Öffentlichkeit gehen immer auch Annahmen einher, was bekannt ist und was nicht, was Pointe, was Selbstverständlichkeit ist. In der Ansprache verbinden sich Wissen und Öffentlichkeit daher notwendig zu einer bestimmten Figuration von Evidenz. Auch die Geschichte des Wissens zeigt, das die Entstehung neuer Wissensformen immer mit der Entstehung neuer Öffentlichkeiten verbunden war. &lt;br /&gt;
Eine Präsentation als Ansprache zu beobachten und experimentell zu betreiben, heißt dieses Verhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Ungezeigtem als solches zur Erscheinung zu bringen und genau an dieser Grenze neues Wissen zu gewinnen, beispielsweise indem Selbstverständlichkeiten in Pointen verwandelt werden und umgekehrt. &lt;br /&gt;
In der Praxis geschieht dies immer schon, wenn Forscher_innen gezielt unterschiedliche disziplinäre Kontexte aufsuchen, um ihre Thesen einmal an diesen, einmal an jenen Diskurszusammenhang zu richten. Das Feedback der jeweiligen Fachöffentlichkeit besteht dabei vor allem im Ereignis der Differenz zwischen der imaginierten zu adressierenden und der dann tatsächlich adressierten Öffentlichkeit. Es erschüttert Wissensfigurationen durch Grenzkonflikte zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Vorausgesetztem. Präsentation als Forschung ist dies, sobald es wie im Eingangsbeispiel beschrieben, reflektiert, protokolliert und als Verfahren ernst genommen wird. &lt;br /&gt;
Die Unterschiede gegenüber gängiger wissenschaftlicher Praxis werden größer, sobald man sich gezielt an andere Öffentlichkeiten wendet, an solche also, die bisher nicht Adressat oder Träger des jeweiligen Wissens waren. In so einer neuen Adressierung wird es möglich, auch gegebene Wissensfigurationen neu zu ordnen und zu wenden. Gezielt neue Öffentlichkeiten aufzusuchen, vergrößert auch den Spielraum des Imaginären im Prozess des Adressierens – zwischen Planung und Durchführung fällt das Ereignis der Differenz größer aus. Im Rahmen der szenischen Vortragsperformance kann man in dieser Richtung bis zur Adressierung unwahrscheinlicher, bislang nicht-existenter, also annähernd fiktiver Öffentlichkeiten voranschreiten. Hierzu bedarf es meist der Markierung eines besonderen Rahmens wie beispielsweise in den Clubversammlungen der Autonomen Astronauten oder beim Kongress der Schwarzfahrer (9).   Wissenspräsentationen etablieren dann eine Öffentlichkeit auf Probe und können so auch ihre epistemischen Figuren am Inter-esse dieser Öffentlichkeit testen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Foucault, Michel (1974): Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Collège de France – 2. Dezember 1970. München. &lt;br /&gt;
2 Humboldt, Wilhelm von (1810): „Über die Innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“, in: Ders. (1964): Werke in fünf Bänden, Bd. 4, Darmstadt, S. 255-266. &lt;br /&gt;
3 Vgl. Peters, Sibylle (2011): Der Vortrag als Performance. Bielefeld, S. 47 ff. und 83 ff.&lt;br /&gt;
4 Campe, Rüdiger (2000): „Affizieren und Selbstaffizieren. Rhetorisch-anthropologische Näherung ausgehend von Quintilian ‚Institutio oratoria’ VI 1-2“, in: Kopperschmidt, Josef (Hg.): Rhetorische Anthropologie. Studien zum Homo rhetoricus. München, S.135-153; und ders. (2002): „’Unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit’ Evidenz im 18. Jahrhundert“, in: Borgards, Roland /Lehmann, Johannes F. (Hgg.): Diskrete Gebote. Geschichte der Macht um 1800. Würzburg.&lt;br /&gt;
5 Vgl. Felfe, Robert: „Schauplätze des Wissens“, http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/download/bwt/felfe-schauplatz.PDF (7.4.2013)&lt;br /&gt;
6 Vgl. Kölner Kunstverein / Museum of Contemporary Art Belgrade (Hgg.) (2000): Lecture Performance. Köln, und Peters (a.a.O.) S. 179 ff.&lt;br /&gt;
7 Vgl. z.B. Golinski, Jan (1992): Science as Public Culture. Chemistry and Enlightenment in Britain 1760-1820. Cambridge; Goschler Constantin (Hg.) (2000) Wissenschaft und Öffentlichkeit in Berlin 1870-1930. Göttingen. &lt;br /&gt;
8 Vgl. Warner, Michael (2002): Publics and Counterpublics. New York. &lt;br /&gt;
9 Informationen zum Club der Autonomen Astronauten. http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/club-der-autonomen-astronauten/. Zum Kongress der Schwarzfahrer vgl. Peters a. a. O., S. 187 ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<title>Präsentieren</title>
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				<updated>2014-05-08T12:42:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Präsentieren = Forschen?''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vorliegende Artikel will herleiten, warum und wie sich das Präsentieren von Wissen als Forschungsverfahren begreifen und betreiben lässt. Ausgangspunkt dafür ist die wissenschaftliche Praxis des Vortragens. In dieser Praxis sind Präsentation und Forschung traditionell eng verbunden und doch in spezifischer Weise voneinander getrennt. Im Folgenden wird diese Trennung kritisch hinterfragt. Anschließend entwerfe ich Präsentieren als ein Verfahren transdisziplinären Forschens zwischen Kunst und Wissenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Vortragsanalyse als Diskursanalyse''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorträge sind ein wichtiger und alltäglicher Teil wissenschaftlicher Praxis. Sie dienen dabei häufig als eine Art Interface zu anderen Teilen der wissenschaftlichen Praxis, die als zentral ausgewiesen werden, nämlich diejenigen, in denen das Wissen produziert wird: die Arbeit in Archiven oder im Labor, die Forschung im Feld und in der statistischen Auswertung oder am Rechner als Simulator. Im Vortrag wird demnach Wissen zusammengestellt und vermittelt, das sich im Verweis auf diese Praktiken der Wissensproduktion und der Verifikation als Wissen legitimiert. Um dies zu verdeutlichen, genügt es, sich einmal das Gegenteil vor Augen zu führen. Man stelle sich beispielsweise einen Historiker vor, der in einem Vortrag von einem Forschungsprojekt berichtet. Zunächst geht es um das Auffinden eines historischen Zusammenhangs in einer Reihe von Archiven. Dann setzt sich der Bericht folgendermaßen fort: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Als ich vor sechs Monaten eingeladen wurde, meine bisherigen Ergebnisse auf der Tagung X darzustellen, geriet ich zufällig auf ein Panel mit dem Titel Y. Ich stellte mir vor, dass bei diesem Panel der Diskurs Z dominant sein würde. Zuvor wäre ich kaum darauf verfallen, doch tatsächlich erwies sich die Verknüpfung meiner Ergebnisse mit dem Thema Y und dem Diskurs Z als ein Durchbruch für meine Forschung und zwar weil... . Übrigens irrte ich mich und der Diskurs Z war im Panel dann tatsächlich kaum vertreten. Weniger durch die Diskussion, als vielmehr durch eine körperlich spürbare Form mangelnder Resonanz im mittleren Teil meines Vortrags wurde mir daraufhin klar, dass die eigentliche Tragweite meiner These A erst deutlich wird, wenn man zugleich den Kontext B noch einmal erläutert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
JedeR, der/die Erfahrungen in projektorientierter Forschung gemacht hat, wird zustimmen, dass das hier dargestellte Geschehen durchaus typisch ist – häufig werden Präsentationszusammenhänge für den Forschungsprozess produktiv. Dennoch ist ein entsprechender Bericht im Rahmen eines wissenschaftlichen Vortrag überaus unwahrscheinlich. Lässt sich dies ändern? Wie wäre die Produktivität der Wissenspräsentation als Forschungsverfahren zu begreifen und zu beschreiben? &lt;br /&gt;
In seiner berühmten Antrittsvorlesung „Die Ordnung des Diskurses“ spielt Foucault mit dem doppelten Bezug des Wortes Diskurs, das zum einen eine jeweils konkrete, mediale, soziale Ordnung des Sprechens bezeichnet – und zwar im allgemeinen – und zum anderen den Vortrag „Die Ordnung des Diskurses“ selbst (1).  Ein Prozess der Selbstexemplifikation ist in dieser Antrittsvorlesung im Gange, der die Entfaltung von Erkenntnis vorantreibt: Was regelt die Ordnung des Sprechens in diesem Moment, in dem ich spreche? Für die Diskursanalyse ist das Selbst dieser Selbstexemplifikation allerdings ein fragwürdiger Schauplatz. Und so hat die Diskursanalyse in den vergangenen Jahrzehnten zwar die Kulturwissenschaft als historische Praxis geprägt, nicht jedoch das Szenario des Vortragens verändert. Nichtsdestoweniger ist das, was ich im Folgenden vorschlagen möchte, nichts anderes als eine Diskursanalyse, bezogen jedoch auch auf den konkreten Diskurs, in dem man selbst präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem ist die Dominanz des ideengeschichtlichen Paradigmas, das Wissensentwicklung als einen mental gesteuerten Prozess vorstellte, gebrochen. Im Kontext der Diskursanalyse sind neue Forschungsrichtungen, wie die Mediengeschichte des Wissens oder die Geschichte der Experimentalsysteme, entstanden, und haben ein Spektrum von Wissenstechniken offengelegt, die einander beeinflussen, ersetzen, verwenden.  Forschung, so wurde in diesem Zusammenhang immer wieder nachgewiesen, schreibt sich im Versuch der Darstellung fort, weniger also in der Figuration einer ideengesteuerten These, die dann verifiziert würde, sondern eher entlang der Frage: Wie lassen sich wissenschaftliche Erkenntnisse aufzeichnen, aufbewahren, aktualisieren? Wie lässt sich Evidenz produzieren?  &lt;br /&gt;
Forschung ist also immer auch Darstellung. Doch berechtigt uns das zu dem Umkehrschluss, Darstellung sei auch Forschung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Rhetorische und performative Wissenspoiesis''' &lt;br /&gt;
Ein Blick in die Geschichte des wissenschaftlichen Vortrags ist ermutigend: In der Tat steht der Gedanke, dass Darstellung immer auch Forschung sei, im Zentrum des Entstehungszusammenhang der modernen Forschungsuniversität. Man müsse, so formuliert Humboldt, davon ausgehen, dass das Vortragen vor einer Menge mitdenkender Köpfe auch den Vortragenden zu neuen Erkenntnissen beflügelt.  Ergo: Universität statt Akademie – Einheit statt Trennung von Forschung und Lehre (2). &lt;br /&gt;
Im Umfeld der humboldtschen Universitätsreform häufen sich die Theoreme, wie diese Erkenntnisproduktion im Sinne einer „allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden“ im einzelnen vonstatten geht. Dabei spielen Geistesblitze eine Rolle, Auf- und Entladungen – der Übergang zur Theorie von Elektrizität und Physiologie, wie sie sich im 19. Jahrhundert entwickelt, ist fließend (3).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich ruht die Debatte um die Wissenspoiesis des so genannten freien Vortrags auf rhetorischen Traditionen. Dabei steht der Begriff der Evidentia im Zentrum. Seit der Antike ist der Vortrag im Sinne der rhetorischen Actio mit der Figur der Evidentia verbunden. Evidentia ist dabei zunächst das Maß, in dem ein Vortrag zugleich eine Vergegenwärtigung dessen leistet, wovon er spricht. Ist dieses Maß voll, so kann das Publikum eines Vortrags eine zwingende Beziehung zwischen dem, was gesagt wird und dem, was sich dabei zeigt, bezeugen (4).  &lt;br /&gt;
Da auch moderne wissenschaftliche Beweisführungen zumindest zum Teil auf den Traditionen rhetorischen Wissens aufruhen, basiert auch wissenschaftliche Evidenz auf dieser seit der Antike bekannten Figur der Evidentia. Man könnte sie als eine Form der performativen Evidenz bezeichnen, die etablierte Figuren des Beweisens und vor Augen Führens in actu mit körperlichen und medialen, affektiven und interaktiven Momenten verbindet.  Im Szenario des Vortrags als Vergegenwärtigung von Wissen wird dies erfahrbar: Welche Beziehungen zwischen Sagen und Zeigen werden hier sichtbar? Wie bringen sie Wissen als Wissen zur Erscheinung? &lt;br /&gt;
Dabei zeigt sich die irreduzible Rhetorizität aller Wahrheitsfindung in neuem Gewande, dem eines performativen Settings, das nicht nur Wort und Wahrheitswert, sondern Körper und Zeichen, Medien und Öffentlichkeiten umschließt. Die Rhetorizität des Wissens zeigt sich als Performativität des Wissens, das zugleich nicht mehr als ursprünglich körperlos gedacht wird, sondern „in Formen der Darstellung und inszenierten Wahrnehmungssituationen, in medialen Praktiken und auf sozialen Handlungsfeldern sowie in der Verschränkung von Künsten und Wissenschaften erst entsteht.“ (5) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also: Darstellung gleich Forschung?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau betrachtet ist dieser Umkehrschluss damit noch nicht begründbar, denn gezeigt worden ist lediglich, dass im Prozess der Darstellung Wissen und Erkenntnis entsteht. Die Präsentation von Wissens ist poietisch. Und wer hätte das bezweifeln wollen? Ein wichtiger Schritt bleibt zu tun: Wie kommt man von der wissenspoietischen Situation zum Forschungssetup? &lt;br /&gt;
Diese Frage ist im Grunde nicht schwer zu beantworten: &lt;br /&gt;
Zunächst ist eine Form der Beschreibung, der Aufzeichnung, des Protokolls ist zu etablieren, möglicherweise ein Forschungslogbuch, wie es Ethnograph_innen im Feld verwenden, ein Register, in dem die Forschende das selbst erlebte Geschehen im Zuge von Wissenspräsentationen in möglichst gleichbleibender Form festhält. &lt;br /&gt;
Im nächsten Schritt wären dann einzelne Faktoren des Vortragsgeschehens zu isolieren und begründet zu variieren, um auf diese Weise Experimentalsituationen herzustellen. &lt;br /&gt;
Schließlich braucht es den Austausch und die Vernetzung von Forscher_innen, die mit entsprechenden Experimentalsituationen arbeiten. &lt;br /&gt;
Doch obwohl die nötigen Schritte leicht zu benennen sind, erweist es sich als nahezu unmöglich, sie innerhalb einer gegebenen wissenschaftlichen, also disziplinären Praxis tatsächlich zu gehen. Dies hängt nicht zuletzt mit dem genuin transdisziplinären Charakter zusammen, der die Wissenspoiesis in Präsentationszusammenhängen kennzeichnet. Die Wissenspoiesis der Präsentation speist sich aus einem Kontinuum von Evidenzerfahrungen, das die Grenzen disziplinärer Wissensproduktion notwendig überschreitet und umfasst. Die im Vortragsszenario gewonnen Erkenntnisse sind demnach etwas, das der disziplinären Vernunft notwendig zustößt. Sie haben Ereignischarakter. Nichtsdestoweniger kann man entsprechende Ereignisse hervorrufen, erwarten, auswerten. Nicht jedoch in den immer schon gegebenen Zurichtungen disziplinärer Evidenzproduktion. Habituelle Grenzen kommen hier ins Spiel, die dem Wissen selbst keineswegs äußerlich sind: Wissenschaftliche Vortragspraktiken sind konventionalisiert und stabilisiert, dazu eingerichtet, Aufmerksamkeit auf ganz bestimmte Prozesse der Wissensentstehung zu fokussieren, andere auszublenden. Das Präsentieren von Wissen als Experimentalsystem zu begreifen, erfordert daher eine transdisziplinäre Zusammenarbeit – eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst. Nahegelegt wird dies nicht zuletzt durch die Konjunktur, die Wissenspräsentationen und Lecture Performances im Kontext der szenischen Künste in den vergangenen fünfzehn Jahren erfahren haben (6).  &lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Szenische Forschung an der Präsentation''' &lt;br /&gt;
Während Forschung und Darstellung im Sinne der Präsentation in der wissenschaftlichen Praxis im allgemeinen als getrennte Register gelten – erst die Forschung dann die Präsentation – steht in der künstlerischen Praxis außer Frage, dass die Arbeit an der Darstellung ein Forschungsprozess, ja, mehr noch: wesentlicher Teil der künstlerischen Forschung ist. Zeitgenössische szenische beziehungsweise performative Kunst geht dabei von der umfassenden Signifikanz all dessen aus, was auf der Szene erscheint. Kein Aspekt szenischer Performanz bleibt von vornherein von Betrachtung und Gestaltung ausgeklammert. Begreift man Präsentationen als Performances von Sagen, Zeigen und ihrer Kombination, umfasst die szenische Aufmerksamkeit idealiter alle möglichen Kombinationen von Sagen und Zeigen im Sinne eines Variationsspektrum. In der transdisziplinären Zusammenarbeit von Kunst und Wissenschaft gilt es daher, den weiten Blick und die entsprechende Gestaltungspalette der szenischen Aufmerksamkeit auf die Voreinstellungen zu beziehen, die Wissenspräsentationen heute prägen. Mit anderen Worten: Um forschungsrelevant zu sein, sollte szenische Variation möglichst präzise und differenziert bei den performativen Faktoren ansetzen, die Wissenspräsentationen außerhalb des Kunstkontexts jeweils ausmachen. Im Folgenden soll dies exemplarisch anhand eines dieser Faktoren – dem der Ansprache ¬– dargestellt werden. &lt;br /&gt;
Wissenspräsentationen richten sich an eine Öffentlichkeit – selten jedoch an eine vermeintlich allgemeine, viel häufiger an ganz bestimmte Öffentlichkeiten, an Fachöffentlichkeiten, an beruflich orientierte Öffentlichkeiten, an Öffentlichkeiten, die sich in einem bestimmten gesellschaftlichen Bereich engagieren, an diverse Bildungsöffentlichkeiten etc. . „Sich Richten An“ ist dabei ein komplexer Vorgang, in dem sowohl das Wissen als auch die entsprechende Öffentlichkeit als solche neu formatiert und partiell erst konstitutiert wird. Wissen und Öffentlichkeit bedingen einander. Im Sich Richten an eine bestimmte Öffentlichkeit wird das Wissen selbst als ein Bestimmtes erst bestimmbar.  Zugleich ist das Adressieren des Wissens aber auch immer ein teilweise imaginärer Vorgang, der die zu adressierende Öffentlichkeit niemals einfach vorfindet, sondern immer auch vorstellt. Im Moment der Adressierung ist die „bestimmte Öffentlichkeit“ immer auch Fiktion.  Die Art der Adressierung prägt das Wissen dabei nicht nur im Sinne beispielsweise der Wortwahl oder der ausgewählten Illustrationen, also im Hinblick auf das, was gesagt wird, und das, was gezeigt wird. Viel grundlegender wirkt sie sich auf das Verhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Ungezeigten aus, denn mit der Vorstellung einer bestimmten Öffentlichkeit gehen immer auch Annahmen einher, was bekannt ist und was nicht, was Pointe, was Selbstverständlichkeit ist. In der Ansprache verbinden sich Wissen und Öffentlichkeit daher notwendig zu einer bestimmten Figuration von Evidenz. Auch die Geschichte des Wissens zeigt, das die Entstehung neuer Wissensformen immer mit der Entstehung neuer Öffentlichkeiten verbunden war. &lt;br /&gt;
Eine Präsentation als Ansprache zu beobachten und experimentell zu betreiben, heißt dieses Verhältnis zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Ungezeigtem als solches zur Erscheinung zu bringen und genau an dieser Grenze neues Wissen zu gewinnen, beispielsweise indem Selbstverständlichkeiten in Pointen verwandelt werden und umgekehrt. &lt;br /&gt;
In der Praxis geschieht dies immer schon, wenn Forscher_innen gezielt unterschiedliche disziplinäre Kontexte aufsuchen, um ihre Thesen einmal an diesen, einmal an jenen Diskurszusammenhang zu richten. Das Feedback der jeweiligen Fachöffentlichkeit besteht dabei vor allem im Ereignis der Differenz zwischen der imaginierten zu adressierenden und der dann tatsächlich adressierten Öffentlichkeit. Es erschüttert Wissensfigurationen durch Grenzkonflikte zwischen Gesagtem und Ungesagtem, Gezeigtem und Vorausgesetztem. Präsentation als Forschung ist dies, sobald es wie im Eingangsbeispiel beschrieben, reflektiert, protokolliert und als Verfahren ernst genommen wird. &lt;br /&gt;
Die Unterschiede gegenüber gängiger wissenschaftlicher Praxis werden größer, sobald man sich gezielt an andere Öffentlichkeiten wendet, an solche also, die bisher nicht Adressat oder Träger des jeweiligen Wissens waren. In so einer neuen Adressierung wird es möglich, auch gegebene Wissensfigurationen neu zu ordnen und zu wenden. Gezielt neue Öffentlichkeiten aufzusuchen, vergrößert auch den Spielraum des Imaginären im Prozess des Adressierens – zwischen Planung und Durchführung fällt das Ereignis der Differenz größer aus. Im Rahmen der szenischen Vortragsperformance kann man in dieser Richtung bis zur Adressierung unwahrscheinlicher, bislang nicht-existenter, also annähernd fiktiver Öffentlichkeiten voranschreiten. Hierzu bedarf es meist der Markierung eines besonderen Rahmens wie beispielsweise in den Clubversammlungen der Autonomen Astronauten oder beim Kongress der Schwarzfahrer.   Wissenspräsentationen etablieren dann eine Öffentlichkeit auf Probe und können so auch ihre epistemischen Figuren am Inter-esse dieser Öffentlichkeit testen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1 Foucault, Michel (1974): Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Collège de France – 2. Dezember 1970. München. &lt;br /&gt;
2 Humboldt, Wilhelm von (1810): „Über die Innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“, in: Ders. (1964): Werke in fünf Bänden, Bd. 4, Darmstadt, S. 255-266. &lt;br /&gt;
3 Vgl. Peters, Sibylle (2011): Der Vortrag als Performance. Bielefeld, S. 47 ff. und 83 ff.&lt;br /&gt;
4 Campe, Rüdiger (2000): „Affizieren und Selbstaffizieren. Rhetorisch-anthropologische Näherung ausgehend von Quintilian ‚Institutio oratoria’ VI 1-2“, in: Kopperschmidt, Josef (Hg.): Rhetorische Anthropologie. Studien zum Homo rhetoricus. München, S.135-153; und ders. (2002): „’Unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit’ Evidenz im 18. Jahrhundert“, in: Borgards, Roland /Lehmann, Johannes F. (Hgg.): Diskrete Gebote. Geschichte der Macht um 1800. Würzburg.&lt;br /&gt;
5 Vgl. Felfe, Robert: „Schauplätze des Wissens“, http://edoc.hu-berlin.de/kunsttexte/download/bwt/felfe-schauplatz.PDF (7.4.2013)&lt;br /&gt;
6 Vgl. Kölner Kunstverein / Museum of Contemporary Art Belgrade (Hgg.) (2000): Lecture Performance. Köln, und Peters (a.a.O.) S. 179 ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T11:16:14Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des klassischen Forschungsprozesses:&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaftler_innen sich versammeln, um sich – etwa im Rahmen eines Kolloquiums - über ein bestimmtes Thema auszutauschen, entsteht im Zuge des Austausches, der Kombination und Diskussion gegebener Wissensstände immer auch neues Wissen, und zwar nicht nur auf in faktischer, sondern auch in einer diskursiven Dimension, in der verhandelt wird, was wie gesagt werden kann, was wie gezeigt werden muss, was vorausgesetzt wird, ob und wie Aussagen einander ergänzen oder einander widersprechen etc. Dennoch werden solche Versammlungen im Zeichen des Wissens, solche epistemischen Versammlungen, meist nicht im engeren Sinne als Teil eines Forschungsverfahrens betrachtet, sondern als Momente der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen begriffen, die auf andere Weise und an anderer Stelle gewonnen werden. Dabei spielen Praktiken wie das Vermitteln oder das Präsentieren von Wissen eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Aus performativer Perspektive ist die Präsentation von Wissen ein Prozess der Vergegenwärtigung und der Verkörperung, der nicht ohne Transformation vonstatten geht. In der Dimension des Performativen verschwimmt daher die Grenze zwischen Lernen und Forschen, denn Wissen in neuer Weise zu verkörpern, hat immer das Potenzial, nicht nur gegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu generieren (vgl. Gergen/Gergen 2010). Dieser wissenspoietische Charakter der Präsentation lässt sich sowohl in experimenteller als auch in historischer Perspektive fokussieren (vgl. Peters 2011): &lt;br /&gt;
Lecture Performances, also Wissenspräsentationen, die gezielt mit ihrem performativen Charakter arbeiten, können ein Vortragsszenario gezielt als Forschungsszenario gestalten und auswerten. Dazu gehört auch die Versammlung eines bestimmten Publikums, die Praxis des Versammelns also - qua Einladung, Adressierung und Beteiligung. &lt;br /&gt;
Parallel dazu lässt sich in wissenshistorischer Dimension zeigen, dass die Entwicklung einer neuen Episteme, wie beispielsweise die Entwicklung des naturwissenschaftlich-experimentellen Wissens, immer auch mit der Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit und damit zugleich mit neuartigen Formen des Versammelns in Verbindung steht, etwa indem man die Zuschauer erstmals als Augenzeugen eines gezielt hervorgebrachten Geschehens adressiert und einbezieht (vgl. Shapin/Schaffer 1985).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des performativen Forschungsprozesses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während nach gängiger Auffasung die an einer epistemischen Versammlung Beteiligten ihre unterschiedlichen Wissensstände in die Versammlung mitbringen, um sie hier miteinander auszutauschen und zu verknüpfen, ist es aus performativer Perspektive eine wechselseitige Beziehung zwischen Sprechakt und verkörperter Versammlung, die ausmacht, was hier jeweils als gewusst erscheinen und damit erkannt werden kann. &lt;br /&gt;
Für die transdisziplinäre Forschung zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft, also für Forschungsprojekte an denen, je nach Forschungsfeld und -gegenstand, jeweils spezifische, so genannte Alltagsexperten beteiligt sind, ist ein solches Verständnis von Wissen in der Tat von zentraler Bedeutung. Hinsichtlich der im Theater der Gegenwart weit verbreiteten Arbeit mit so genannten Alltagsexperten wird selten wahrgenommen, dass der Begriff des Alltagsexperten zunächst eine Art Oxymoron ist: Der Alltag kennt keine oder aber ausschließlich Experten. Entscheidend für die Arbeit mit Alltagsexpertinnen ist daher, die entsprechenden Personen mit ihren Erfahrungen zunächst als Expertinnen für etwas Bestimmtes zu begreifen und sie in der Rolle der Expertin anzusprechen. Die so genannten Alltagsexperten sind keineswegs von vornherein Expertinnen für ein bestimmtes Feld, sie werden vielmehr unter dem Begriff „Alltagsexperten“ gefasst, weil ihre Expertise eben nicht bereits durch gegebene gesellschaftliche und diskursive Rahmungen als Expertise erscheint oder gar beglaubigt ist. Stattdessen ist es der Rahmen des Forschungsprojekts selbst, der sie als Expertinnen für eine spezifische Forschungsfrage adressiert und einsetzt. Versammlungen mit solchen Expertinnen werden im Rahmen von transdisziplinären Forschungsprojekten also nicht einfach einberufen, um von einer gegebenen Expertise zu profitieren, sie müssen diese Expertise in der Art des Versammelns ein Stück weit erst als solche figurieren, müssen Rollen und Protokolle vorgeben, die es den Versammelten erlauben, in jenen „Zustand unserer“ zu kommen, der weiß. &lt;br /&gt;
Dies umreißt in der Tat genau jene Praxis des Versammelns, die entsteht, wenn die performativen Künste sich mit epistemischen Versammlungen zu befassen beginnen. Ein prominentes Beispiel, an dem dies anschaulich werden kann, sind die Arbeiten Hannah Hurtzigs und der Mobilen Akademie, die mit ihrem Schwarzmarkt des Wissens ein Szenario erfunden und gestaltet hat, in dem bis zu hundert Personen aus Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft entlang eines gemeinsamen Themas zu Experten ernannt werden.  Die performative Geste, die in dieser Anordnung steckt, ist zunächst die der Gleichstellung sehr unterschiedlicher Expertisen. Dabei sitzen alle Expertinnen an jeweils einem kleinen Tisch und stehen hier für kurze Beratungsgespräche zur Verfügung. Auf diese Weise werden die versammelten, sehr heterogenen Expertisen im Protokoll der Beratung einheitlich formatiert. Dies ist gerade deshalb interessant, weil unter Umständen gerade die Experten, deren Expertise gesellschaftlich bereits eindeutig beglaubigt ist, nämlich die Wissenschaftlerinnen, dafür eine Übertragungsleistung erbringen müssen. Eignet sich ihr Wissen doch unter Umständen weniger zur persönlichen Beratung als das ihrer praktisch tätigen Mitexperten. &lt;br /&gt;
In den Forschungsprojekten des Kollegs Versammlung und Teilhabe finden sich vergleichbare Beispiele; etwa ein von Inga Reimers veranstaltetes Dinner, das Expertinnen und Gäste zum Thema der nicht-visuellen Wahrnehmung zusammenführt.  Blinde, Volkskundler, Reiki-Lehrerinnen geben dabei einander formal gleichgestellte Inputs – einheitlich formatiert im Genre der Tischrede. Versammeln als Forschen kann in diesem Kontext auch bedeuten, einen spezifischen Personenkreis in neuer Weise zu versammeln und damit zum Sprechen, Wissen, Urteilen zu autorisieren. So hat Elise von Bernstorff unter dem Titel „Das jüngste Gericht“ Jugendliche an der Schwelle zur Strafmündigkeit probeweise als eine Art Prüfungskommission im Amtsgericht versammelt, da die Schwellensituation der Jugendlichen im Verhältnis zum Recht sie in gewissem Sinne zu idealen Prüferinnen unseres Rechtswesens macht.  &lt;br /&gt;
Damit eine Versammlung ihren Teilnehmern aber so grundlegend andere, gesellschaftlich nicht vorformatierte Rollen und Protokolle eröffnen kann, mehr noch: damit die Teilnehmerinnen diese Rollen tatsächlich performen können, ist in performativer Dimension eine intensive Vorarbeit zu leisten. Zahlreiche Aspekte sind in dieser Praxis forschenden Versammelns zu bedenken, denn was am Ende als das Wissen der Versammlung zur Erscheinung kommt, hängt wesentlich davon ab, wer wie zum Wissen eingeladen, autorisiert und ermutigt wird, wie Wissen aufgerufen und bestätigt, missverstanden, verkörpert und reenacted wird und zwar im Gebrauch von Interfaces zu anderen Versammlungen, im Gebrauch medialer Anordnungen der Aktualisierung und der Aufzeichnung, in der Performanz mehr oder weniger geteilter Rollenverständnisse, mehr oder weniger konfliktiver Strukturen der Stellvertretung und der Fürsprache und ganz unterschiedlicher diskursiver und imaginärer Rahmungen.  Deshalb sind in Vorbereitung der Versammlung Adressierungen, Medieneinsätze, Raumordnungen, Zeitordnungen, Requisiten/Dinge/Werkzeuge, Kleiderordnungen, Choreographien und dramaturgische Protokolle mit Bedacht zu entwickeln und aufeinander zu beziehen (vgl. Peters 2013). &lt;br /&gt;
Hier lässt sich schließlich der Bogen zurück zur Actor-Network-Theorie spannen. Denn in der Tat umfasst die performative Aufmerksamkeit, die aufgebracht werden muss, um eine Versammlung in dieser Weise als Forschung zu betreiben, ungefähr jenes Spektrum von Akteuren, menschlichen und nicht-menschlichen, das auch in Actor-Networks verzeichnet wird. Zugleich gilt es in der performativen Praxis des Versammeln ebenso an bestehende Actor-Networks anzuschließen, sie aufzufinden, zu aktivieren und sichtbar zu machen, wie das daraus sich ergebende Potenzial zu einer neuen, noch nicht dagewesenen Art der Versammlung zu nutzen.  &lt;br /&gt;
Aber auch ein Unterschied zwischen dieser Praxis forschenden Versammelns und dem von Latour geschilderten Zusammenhang zwischen Netzwerk, Account und Versammlung lässt sich vor diesem Hintergrund fassen. Er findet sich auf der Ebene der prozessualen Anordnung, der zeitlichen Abfolge. Denn während es bei Latour der Account, der Bericht, die Aufzählung des Gesammelten und darin Versammelten ist, der das Netzwerk zur Versammlung macht, ist es im Falle performativer Forschung umgekehrt das Versammeln als solches, das den Account als vielstimmige Rede und jeweils neue epistemische Praxis erst hervorbringt. Forschung zeigt sich dabei als eine Arbeit an den Voreinstellungen, die bedingen, was im Zuge einer Versammlung als Wissen zur Erscheinung kommen kann. Sie bringt neues Wissen nicht in erster Linie im Zuge der Erweiterung gegebenen Wissens, der Ausweitung des Wissens also, hervor, sondern indem sie Wissen anders als bisher zur Erscheinung kommen lässt. Während der Account bei Latour – trotz aller Vernetzung – an ein klassisches Rollenverständnis des Forschenden anschließt und denjenigen als den eigentlichen Forscher auszeichnet, der den Bericht gibt, lässt sich das, was durch die Arbeit an den performativen Voreinstellungen als Wissen der Versammlung hervorgebracht wird, nicht mehr ohne weiteres dem Initiator der Versammlung als Autorin zurechnen. Zugleich liegt es gewissermaßen in der Versuchsanordnung begründet, dass sich die Versammlungen, die auf diese Weise hervorgebracht werden, deutlich von den gängigen epistemischen Versammlungen im Namen der Wissenschaft unterscheiden. &lt;br /&gt;
Interessanter Weise lässt sich Versammeln also gerade dann als Forschen evident machen, wenn es Szenarien hervorbringt, die nicht dem Diskurs akademischer Forschung entsprechen, und damit gesellschaftlich als Vermittlung, Popularisierung, Bildung, Selbsterfahrung, bürgerschaftliches Engagement oder Freizeitvergnügen gelten. Versammeln als Forschen zu betrachten, ist vor diesem Hintergrund ganz wesentlich mit der Frage nach der Beziehung von Forschung und Teilhabe verknüpft.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T11:13:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des klassischen Forschungsprozesses:&lt;br /&gt;
Wenn Wissenschaftler_innen sich versammeln, um sich – etwa im Rahmen eines Kolloquiums - über ein bestimmtes Thema auszutauschen, entsteht im Zuge des Austausches, der Kombination und Diskussion gegebener Wissensstände immer auch neues Wissen, und zwar nicht nur auf in faktischer, sondern auch in einer diskursiven Dimension, in der verhandelt wird, was wie gesagt werden kann, was wie gezeigt werden muss, was vorausgesetzt wird, ob und wie Aussagen einander ergänzen oder einander widersprechen etc. Dennoch werden solche Versammlungen im Zeichen des Wissens, solche epistemischen Versammlungen, meist nicht im engeren Sinne als Teil eines Forschungsverfahrens betrachtet, sondern als Momente der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen begriffen, die auf andere Weise und an anderer Stelle gewonnen werden. Dabei spielen Praktiken wie das Vermitteln oder das Präsentieren von Wissen eine wichtige Rolle. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Aus performativer Perspektive ist die Präsentation von Wissen ein Prozess der Vergegenwärtigung und der Verkörperung, der nicht ohne Transformation vonstatten geht. In der Dimension des Performativen verschwimmt daher die Grenze zwischen Lernen und Forschen, denn Wissen in neuer Weise zu verkörpern, hat immer das Potenzial, nicht nur gegebenes Wissen zu reproduzieren, sondern auch neues Wissen zu generieren (vgl. Gergen/Gergen 2010). Dieser wissenspoietische Charakter der Präsentation lässt sich sowohl in experimenteller als auch in historischer Perspektive fokussieren (vgl. Peters 2011): &lt;br /&gt;
Lecture Performances, also Wissenspräsentationen, die gezielt mit ihrem performativen Charakter arbeiten, können ein Vortragsszenario gezielt als Forschungsszenario gestalten und auswerten. Dazu gehört auch die Versammlung eines bestimmten Publikums, die Praxis des Versammelns also - qua Einladung, Adressierung und Beteiligung. &lt;br /&gt;
Parallel dazu lässt sich in wissenshistorischer Dimension zeigen, dass die Entwicklung einer neuen Episteme, wie beispielsweise die Entwicklung des naturwissenschaftlich-experimentellen Wissens, immer auch mit der Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit und damit zugleich mit neuartigen Formen des Versammelns in Verbindung steht, etwa indem man die Zuschauer erstmals als Augenzeugen eines gezielt hervorgebrachten Geschehens adressiert und einbezieht (vgl. Shapin/Schaffer 1985).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T10:52:40Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Versammeln als Forschen in der Actor-Network-Theory:''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Teil des Forschungsprozesses:&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T10:50:00Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
In der neueren Methodendiskussion der Sozial- und Kulturwissenschaften findet sich eine Engführung von Versammlung und Forschung, und zwar in Bruno Latours entsprechend betiteltem Buch Reassembling the Social. An Introduction to Actor-Network-Theory. In dem im folgenden zitierten Abschnitt geht es Latour um die Frage, was eine sozialwissenschaftliche Untersuchung leisten soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(...) through the report concluding the enquiry the number of actors might be increased; the range of agencies making the actors act might be expanded; the number of objects active in stabilizing groups and agencies might be multiplied; and the controversies about matters of concern might be mapped. (...) a good account will perform the social in the precise sense that some of the participants in the action – through the controversial agency of the author – will be assembled in such a way that they can be collected together. (Herv. B. Latour) (Latour 2005, 138)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung ist diesem Verständnis zufolge nicht in erster Linie darauf angelegt, auf einer gänzlich vom Gegenstand der Untersuchung unterschiedenen Ebene Erkenntnisse zu produzieren und festzuhalten. Es geht vielmehr darum, im Untersuchungsfeld, dem Sozialen selbst, mittels der Untersuchung zu wirken. Wer ein Actor-Network beschreibt, wird tendziell zu einem Teil des beschriebenen Netzwerks. Das kann das Netzwerk verändern, kann die Zahl der Akteure im Netzwerk erhöhen und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Latour schreibt, der Report, oder auch Account,  performe das Soziale, indem er die an der Aktion Beteiligten so versammelt, das sie gesammelt werden können. Um dies zu verstehen, gilt es den spezifischen Handlungsbegriff Latours mitzudenken, demzufolge nicht Menschen handeln, sondern Netzwerke oder Ensembles, in denen Menschen und Nicht-Menschen, also Maschinen, Dinge, Materialien, andere Lebewesen, miteinander in Verbindung stehen. Erst die Verbindung zwischen beiden Arten von Akteuren macht Handlung möglich. Und was für das Handeln im allgemeinen gilt, gilt auch für das Wissen: Nicht Menschen wissen, sondern Netzwerke von Menschen und Dingen, Medien, Institutionen, Materialien, Werkzeugen. Reassembling meint vor diesem Hintergrund auch, im Unterschied zur traditionellen Auszeichnung des Menschen als eigentlich handelndes und wissendes Subjekt, die Mitwirkung der Dinge in Erinnerung zu rufen und zu würdigen. Reassembling kann dies insofern genannt werden, als die Beschreibung eines Actor-Networks das Netzwerk als Versammlung zur Erscheinung bringt. Der gute Account ordnet das Netzwerk als Versammlung an und performt damit das Soziale, insofern das Netzwerk als Versammlung seine Mitglieder zählen, sich von sich selbst Rechenschaft ablegen und weitere Handlungen abstimmen kann. Oder im Hinblick auf das Wissen als Handeln, das Forschen, formuliert: Es ist das Netzwerk, das weiß, doch es ist das Netzwerk als Versammlung, das weiß, dass es weiß, und das vielleicht auch weiß, was es nicht weiß, aber herausfinden könnte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Versammeln</id>
		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T10:46:40Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raum- und Zeitparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als transdisziplinäre Praxis (Dokumentation der Diskussion im Kolloquium)&lt;br /&gt;
Dieser Artikel versucht, die Diskussion des Kolloquiums vom 22. Januar 2013 zum Thema &amp;quot;Versammeln&amp;quot; zu dokumentieren. Diese Diskussion hat die folgenden Themenkomplexe und Fragen aufgeworfen, welche u.a. im Rahmen des WiKis weiter bearbeitet werden können und sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als Voraussetzung&lt;br /&gt;
Das Versammeln von Menschen und/oder Gegenständen kann eine Voraussetzung für Forschung sein, wenn Wissen und Positionierungen zu diesem Wissen versammelt und ausgetauscht werden sollen. In der Arbeit mit Alltagsexpert_innen steht oft der Umgang mit verkörpertem Wissen im Vordergrund, weshalb die leibliche Präsenz in der Versammlung einen wichtigen Aspekt darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als Verfahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgende Thesen und Fragen wurden zum Versammeln als Verfahren diskutiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welchen Mehrwert hat die Versammlung vieler Personen z.B. im Vergleich zu einzelnen, aufeinanderfolgenden Treffen von Einzelnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*In einer Versammlung zirkuliert zwangsläufig Wissen, indem es von Person zu Person weitergegeben, transformiert oder verstärkt wird. Ist eine Versammlung deshalb immer ein Diskurs? Warum? Warum nicht? Welcher Diskusbegriff liegt dieser Vorstellung zugrunde? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt unter anderen Aspekten, ob und welches Wissen zur Zirkulation kommt. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie kommt man von der offensichtlichen Feststellung, dass Versammlung für die Arbeit in und die Realisierung von Projekten notwendig ist (gemeinsame Wissensproduktion, Zuschauer, Interaktion, Alltagsexperten) zum Versammeln als Verfahren. Was kann dieses Verfahren leisten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welche Rolle spielen Subjekt-Objekt-Beziehungen beim Versammeln: Wer handelt? Wer handelt bewusst so wie er handelt? Wie viele Subjekte gibt es? Wer hat welches Interesse? Gibt es Versammlungen in der Versammlung? Wie stellt sich eine Ordnung der Versammlung her bzw. wer stellt diese Ordnung her?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welche Wege des Wissens gibt es vor, während und nach der Versammlung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, wird bei einer Versammlung ist immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Was ist der Gegenstand/Trigger der Versammlung? Warum kommen die TeilnehmerInnen überhaupt zusammen? Was ist das Verbindende zwischen den Subjekten/den Akteuren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Was ist zwischen den Akteuren der Versammlung. Hier könnte eventuell der Atmosphären-Begriff weiterführen. So stellt zum Beispiel Gernot Böhme fest, dass man in Atmosphären hineingerät und sie somit nichts Individuelles, Subjektives sind. (Vgl. Böhme 2001: 47) Auf die Versammlung übertragen würde es bedeuten, das der Charakter der Veranstaltung maßgeblich durch die An- und auch Abwesenheit von Personen, Dinge, Materialien etc. bestimmt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Daraus folgt die Frage nach den Dynamiken des Versammelns: Was bestimmt die Handlung der Einzelnen und der Gruppe? Der Groove? Der Schwarm? Die Demokratie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
*Was passiert wenn die Sammlung zur Versammlung wird: Was bedeutet das „Ver-“ Oft steht die Vorsilbe &amp;quot;Ver-&amp;quot; dafür, dass sich etwas zerstreut, auseinandergeht und ist in vielen Wörtern auch negativ konnotiert, z.B. verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Versammeln als Tätigkeit immer reflexiv? Kann eine Person etwas versammeln ohne Teil der Versammlung zu sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
Böhme, Gernot (2001). Aisthetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrnehmungslehre. München, Wilhelm Fink.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<title>Versammeln</title>
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				<updated>2014-05-01T10:42:38Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Versammeln als transdisziplinäre Forschungsmethode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Versammlung ist eine Zusammenkunft, die jemandem/mehreren/vielen eine Stimme verleiht im Sinne einer Autorisierung und / oder Selbstautorisierung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‚Eine Stimme verleihen’ ist dabei immer auch als ein medialer  Vorgang zu verstehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist gebunden an die Adressierung bzw. Konstituierung einer Gruppe, die eine Zeugenschaft übernimmt. Dies ist häufig, aber nicht immer, eine bestimmte Form von Öffentlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raum und Zeit des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Räume, in denen man sich versammelt: z.B. Bundestag, Platz, Theater, Plenumsraum usw.&lt;br /&gt;
Anderseits kann auch durch das Versammeln ein Versammlungsraum entstehen. &lt;br /&gt;
Versammlungen können ihre Räume erschaffen. &lt;br /&gt;
Für das Wissen, das im Zuge des Versammeln entsteht, spielen Raum und Zeit eine wesentliche Rolle.&lt;br /&gt;
Versammeln beinhaltet, dass sich eine bestimmte Anzahl von Personen, sei es körperlich oder virtuell zu einer festgelegten, begrenzten Zeit versammeln.&lt;br /&gt;
Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit bzw. eine verwandte Form der differenzierten Synchronisierung. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, ist bei einer Versammlung immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert. Versammlungen sind demnach temporär. &lt;br /&gt;
Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt mit, ob und welches Wissen qua Versammlung zirkuliert. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht und umgekehrt. Durch die räumliche Anordnung werden Sichtbarkeit und Nichtsichtbarkeit der Beteiligten,  Rollen und Hierarchien mitdefiniert. &lt;br /&gt;
Räume die sich erst durch das Versammeln konstituieren, können dabei genauso ausschließend sein, wie baulich physische Räume (Schwarzer Block vs Bürgerversammlung) Solche Räume strukturieren sich oft über die Anordnung von Körpern. In unterschiedlichen Versammlungsräumen werden unterschiedliche Wissensformen angeregt. Räume mit Sprechermikrophonen und Tischen generieren anderes Wissen als Räume mit Schlafsofas oder Demonstrationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechtliche Rahmenbedingungen regeln, welche Räume unter welchen Umständen zu Versammlungsorten werden können (Stichwort: Privatisierung des öffentlichen Raums, Räumungen etc.). &lt;br /&gt;
In /durch  öffentliche Versammlungen (wie z. B. Demo) kann Wissen vermittelt werden. Wie wird Wissen dadurch produziert und in Frage gestellt (vgl. Präsentieren)? Wie wird das Versammeln dann mit anderen Methoden gekoppelt (Beispiel: Recht-auf-Stadt-Parade / Interviews). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Invited Spaces vs Invented spaces&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, kann sich damit verbinden, Raumparameter zu verändern und damit neues Wissen generieren.&lt;br /&gt;
Das Theater bietet sich dafür als ein Ort an, da es sich in viele andere Foren verwandeln kann. Dort können Versammlungsstrategien und Parameter übereinandergelegt, miteinander vermischt, neu befragt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Medien und Medialität des Versammelns ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Setzt man das klassische Kopräsenzkriterium für Versammlungen an, lässt sich der Medieneinsatz vor, während und nach der Versammlung unterscheiden. Dann wird sofort deutlich, dass unterschiedliche Medien zugleich die Verhältnisse zwischen dem Vor, dem Während und dem Nach der Versammlung verändern und zwar so grundlegend, dass dabei auch das Kriterium der Kopräsenz als solches in Frage gestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Legt man einen weiten Medienbegriff zugrunde, sind Versammlungen immer medial: So werden beispielsweise Sprecherinnen im Zuge ihrer Teilhabe an der Versammlung zu ‚Medien’. In diesem Zusammenhang wäre der Medienbegriff zu Figuren der Stellvertretung und der Repräsentation durch Personen ins Verhältnis zu setzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie steht die Medienentwicklung im Verhältnis zu Versammlungskonventionen? Ob die die Medienentwicklung zu horizontaleren, ‚flüssigeren’, basisdemokratischeren Strukturen führt, ist derzeit eine vieldiskutierte Frage, ein Begehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Planungszeiträume, die Dynamik von Versammlungen verändern sich durch Medien, z. B. Initiator_innen werden unklar, Schwarmlogik greift (jedeR hat das Gefühl, mit aufgerufen zu haben). Damit geht ein Widerstand gegenüber klassischen repräsentativen Strukturen, ein Anspruch auf Selbstrepräsentation einher, eine Vervielfältigung von Teilöffentlichkeiten (z.B. ‚Freunde’ in social media) ist die Folge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie entwickelt sich die Handlungsfähigkeit von Versammlungen im Verhältnis zum Aufbrechen repräsentativer Strukturen? Was geschieht, wenn die bindende Kraft klassischer repräsentativer Strukturen schwindet?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es zu dieser Entwicklung auch eine Gegenbewegung: Eine neue Wertschätzung der geschlossenen Versammlung, der Exklusivität, der Sakralität der Präsenz? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist medial aktualisierbar in einer Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie richten Medien die Aufmerksamkeiten der Versammlung ein?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konditionieren Medien die Aufzeichnung der Versammlung? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Publika des Versammelns === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede öffentliche Versammlung hat ein doppeltes Publikum (intern/ extern, anwesend/abwesend, o.ä.). Die Adressierung des externen oder abwesenden Publikums ist häufig medial vermittelt. Mittlerweile ist aber auch die interne Kommunikation immer stärker medial vermittelt. Dies kann damit einhergehen, dass die Grenzen zwischen internem und externem Publikum verwischen . Über Medien kann darüber hinaus eine Skalierung zwischen internem und externem Publikum stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeiten des Versammelns (Notizen) ===&lt;br /&gt;
Ablauf (Redezeiten, Pausenzeiten, Zeiten für Tagesordnungspunkte, quotierte Redeliste, Takeovers, Machtkonstruktion)&lt;br /&gt;
Dominiert werden die Versammlungen vom Verbalen, das Zeigen tritt kaum in den Vordergrund.&lt;br /&gt;
Die Dauer der Versammlung spielt bei der Art und Weise der Ergebnisproduktion eine wesentliche Rolle. (Papstwahl?)&lt;br /&gt;
Was für Vergangenheitsbezüge, welche Zukunftsbezüge werden in der Versammlung verhandelt? Wie werden diese Dinge in die Gegenwart übersetzt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen haben immer drei Zeitdimensionen: &lt;br /&gt;
Reflektierend: Dinge werden im Rückblick verhandeln&lt;br /&gt;
Seiend: Entscheidungen über das hier und jetzt&lt;br /&gt;
Orientierend: Man trifft sich in der Gegenwart, um für die Zukunft zu entscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen lassen sich differenzieren im Hinblick darauf, wie stark die jeweiligen Komponenten ausgebildet sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Versammlungen können danach differenziert werden, ob sie eher heterogene oder eher homogene Akteure versammeln. Versammeln als Forschungsverfahren zu begreifen, verbindet sich eher mit Versammlungen von Akteuren, die normalerweise nicht zusammenkommen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Begriff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorarbeit/Fragestellungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als transdisziplinäre Praxis (Dokumentation der Diskussion im Kolloquium)&lt;br /&gt;
Dieser Artikel versucht, die Diskussion des Kolloquiums vom 22. Januar 2013 zum Thema &amp;quot;Versammeln&amp;quot; zu dokumentieren. Diese Diskussion hat die folgenden Themenkomplexe und Fragen aufgeworfen, welche u.a. im Rahmen des WiKis weiter bearbeitet werden können und sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als Voraussetzung&lt;br /&gt;
Das Versammeln von Menschen und/oder Gegenständen kann eine Voraussetzung für Forschung sein, wenn Wissen und Positionierungen zu diesem Wissen versammelt und ausgetauscht werden sollen. In der Arbeit mit Alltagsexpert_innen steht oft der Umgang mit verkörpertem Wissen im Vordergrund, weshalb die leibliche Präsenz in der Versammlung einen wichtigen Aspekt darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Versammeln als Verfahren&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgende Thesen und Fragen wurden zum Versammeln als Verfahren diskutiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welchen Mehrwert hat die Versammlung vieler Personen z.B. im Vergleich zu einzelnen, aufeinanderfolgenden Treffen von Einzelnen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*In einer Versammlung zirkuliert zwangsläufig Wissen, indem es von Person zu Person weitergegeben, transformiert oder verstärkt wird. Ist eine Versammlung deshalb immer ein Diskurs? Warum? Warum nicht? Welcher Diskusbegriff liegt dieser Vorstellung zugrunde? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Der Raum/das Setting der Versammlung bestimmt unter anderen Aspekten, ob und welches Wissen zur Zirkulation kommt. In einem Hörsaal sind beispielsweise bestimmte Formen der Versammlung nicht möglich, die eine Kneipe ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wie kommt man von der offensichtlichen Feststellung, dass Versammlung für die Arbeit in und die Realisierung von Projekten notwendig ist (gemeinsame Wissensproduktion, Zuschauer, Interaktion, Alltagsexperten) zum Versammeln als Verfahren. Was kann dieses Verfahren leisten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welche Rolle spielen Subjekt-Objekt-Beziehungen beim Versammeln: Wer handelt? Wer handelt bewusst so wie er handelt? Wie viele Subjekte gibt es? Wer hat welches Interesse? Gibt es Versammlungen in der Versammlung? Wie stellt sich eine Ordnung der Versammlung her bzw. wer stellt diese Ordnung her?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Welche Wege des Wissens gibt es vor, während und nach der Versammlung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Ein wichtiges Kriterium des Versammelns ist die zeitliche Begrenztheit. Im Gegensatz zum Sammeln, welches meist auf Dauerhaftigkeit, auf das Bewahren angelegt ist, wird bei einer Versammlung ist immer das Zusammenkommen und wieder Auseinandergehen impliziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Was ist der Gegenstand/Trigger der Versammlung? Warum kommen die TeilnehmerInnen überhaupt zusammen? Was ist das Verbindende zwischen den Subjekten/den Akteuren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Was ist zwischen den Akteuren der Versammlung. Hier könnte eventuell der Atmosphären-Begriff weiterführen. So stellt zum Beispiel Gernot Böhme fest, dass man in Atmosphären hineingerät und sie somit nichts Individuelles, Subjektives sind. (Vgl. Böhme 2001: 47) Auf die Versammlung übertragen würde es bedeuten, das der Charakter der Veranstaltung maßgeblich durch die An- und auch Abwesenheit von Personen, Dinge, Materialien etc. bestimmt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Daraus folgt die Frage nach den Dynamiken des Versammelns: Was bestimmt die Handlung der Einzelnen und der Gruppe? Der Groove? Der Schwarm? Die Demokratie?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begriffsklärung==&lt;br /&gt;
*Was passiert wenn die Sammlung zur Versammlung wird: Was bedeutet das „Ver-“ Oft steht die Vorsilbe &amp;quot;Ver-&amp;quot; dafür, dass sich etwas zerstreut, auseinandergeht und ist in vielen Wörtern auch negativ konnotiert, z.B. verlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Versammeln als Tätigkeit immer reflexiv? Kann eine Person etwas versammeln ohne Teil der Versammlung zu sein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
Böhme, Gernot (2001). Aisthetik. Vorlesungen über Ästhetik als allgemeine Wahrnehmungslehre. München, Wilhelm Fink.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Messen</id>
		<title>Messen</title>
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				<updated>2014-05-01T10:33:34Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Messen ist eine grundlegende Operation des Untersuchens und des Forschens (1). Naturwissenschaftliche Wissensproduktion beruht wesentlich auf Messverfahren. Nur was – gegebenenfalls auch in innovativer Weise - gemessen werden kann, kann Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschungsprozesse sein. &lt;br /&gt;
Im naturkundlichen Unterricht werden Kinder von Schulbeginn an in die Praxis des Messens eingeführt (2). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Messen gehören:&lt;br /&gt;
1. Definition der Messaufgabe (Messproblem) und der Messgröße&lt;br /&gt;
2.Festlegung der Maßeinheit für das Ergebnis&lt;br /&gt;
3.Zusammenstellen der Randbedingungen&lt;br /&gt;
4.Wahl einer Messeinrichtung oder eines Messgerätes&lt;br /&gt;
5.Kalibrieren von Messeinrichtung/Messgerät&lt;br /&gt;
6.Festlegung des Messablaufs&lt;br /&gt;
7.Durchführen der Messung und Ermitteln des Messergebnisses&lt;br /&gt;
8.Berücksichtigung der Auswirkungen von Einflussgrößen&lt;br /&gt;
9.Ermitteln des vollständigen Messergebnisses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Messung#Schritte_zur_Messung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied dazu ist die Kunst und das Ästhetische seit dem 18. Jahrhundert als ein Bereich definiert, der sich mit dem Unmessbarem verbindet. Kant etwa definiert das Ästhetische als den Bereich, in dem keine objektiven Urteile gefällt werden können (3). Ästhetische Urteile sind notwendig subjektiv. Zugleich ist der Bereich des Ästhetischen aber auch durch das Fehlen persönlicher Interessen geprägt ( etwa im Unterschied zum Ökonomischen). Da die ästhetische Erfahrung also nicht durch ein unmittelbares persönliches Interesse bestimmt wird, hat das ästhetische Urteil die paradoxe Form einer subjektiven Allgemeingültigkeit. Etwas schön zu finden, heißt davon auszugehen, dass alle es schön finden müssten und doch zu wissen, dass dies eine subjektive Empfindung ist. Dies nennt Kant den ästhetischen Gemeinsinn. In diesem paradoxen Gemeinsinn ist in der bürgerlichen Tradition immer wieder die zivilisatorische Bedeutung von Kunst und Kultur gesehen worden: Da das Ästhetische einerseits außerhalb objektiver Messbarkeit und andererseits jenseits unmittelbarer Interessen steht, können Allgemeinheit und Subjektivität in der ästhetischen Erfahrung spielerisch, harmonisch und flexibel aufeinander bezogen werden. &lt;br /&gt;
In diesem historischen Kontext löst die Frage, ob etwas messbar ist oder nicht, und welche Form von Messung oder Evaluation als maßgeblich gelten soll, gerade im kulturellen Zusammenhang immer wieder kontroverse Debatten aus. Nichtsdestoweniger sind Kunst und Kultur in den vergangenen Jahren immer stärker mit Messungen und Evaluationen konfrontiert, die den Erfolg künstlerischer und kultureller Arbeit abbilden sollen. Vor diesem Hintergrund erscheint es als Desiderat, die Praxis des Messens als Gegenstand und als Verfahren künstlerischen und transdisziplinären Forschens näher zu erkunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man Messen als ein Verfahren transdisziplinären Forschens betrachten und gewinnen, so muss dies die klassische Differenz zwischen dem Messbaren im Sinne der naturkundlichen und empirischen Wissenschaften und dem Unmessbaren im Sinne der kulturellen Weltschöpfung und –erfahrung überschreiten oder unterlaufen. Dies kann beispielsweise durch einen Blick in die Geschichte des Wissens geschehen: Neue Formen des Messens zu (er)finden, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein kreativer Vorgang, der als solcher nicht wissenschaftlich kontrolliert werden kann. So bilden Messverfahren zwar die Basis der ‚hard sciences’, ihre Entstehung selbst ist jedoch nicht ‚messbar’, sondern Teil menschlicher Erfahrung und Weltschöpfung. Die Differenz zwischen dem Messbaren und dem Nicht-Messbaren läuft mitten durch die Kunst des Messens hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messen als Verfahren transdisziplinären Forschens zu verstehen, heißt also Messverfahren nicht mehr als gegeben betrachtet und lediglich anzuwenden, sondern das Messen als jeweils neu zu erfindendes performatives Protokoll und Setup zu betrachten. Und umgekehrt: Sobald es darum geht, ein neues Messverfahren zu erfinden, sei es für etwas, das bisher nicht gemessen wird, oder sei es, um den medialen und performativen Charakter eines gegebenen Messverfahrens zu verändern, ist dies ein transdisziplinärer Forschungsprozess. Produkt dieses transdisziplinären Forschungsprozesses ist jedoch nicht nur das Messverfahren selbst bzw. die gemessenen Daten. Produziert und in Frage gestellt werden in einem solchen Prozess auch Konzepte über die Welt und/bzw. Netzwerke von Akteuren. Sobald eines dieser Konzepte bzw. eines dieser Netzwerke dazu taugt, ein valides, also überzeugendes Messverfahren zu tragen, gilt es als gegeben, als evident. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Performance Kunst finden sich Bezüge zur Praxis des Messens zunächst vor allem in der FLUXUS Bewegung der 1960er Jahre (insbesondere FLUXUS Klinik) (4). Hier wird das Messen als performatives Geschehen sichtbar; der Bezug auf das Messen bleibt dabei zunächst kritisch bis satirisch. Im Kontext aktueller Kunstpraxen gibt es jedoch auch andere Beispiele:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roman Ondak – Measuring the Universe, New York 2009 &lt;br /&gt;
http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungstheater - Kinder testen Schule, Hamburg 2008. &lt;br /&gt;
http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/kinder-testen-schule/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zoe Laughlin/Material’s Library – Spoons, London 2009- (ongoing).&lt;br /&gt;
http://www.instituteofmaking.org.uk/research/sensoaesthetic-materials&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigt sich die Performativität des Messens: Messungen setzen kontrollierte Mess-Szenarien voraus, die mit bestimmten Rollen (Autorität) und Protokollen (Aktion) verbunden sind. In hybriden, künstlerisch-wissenschaftlichen Kontexten eingesetzt, produzieren solche Mess-Szenarien nicht nur Messergebnisse, also Daten, sondern werden zugleich als Erfahrungsräume gestaltet und wahrgenommen. Neben den Messergebnissen im engeren Sinne können Messungen daher auch die aisthetische Wahrnehmung bestimmter Zusammenhänge steigern (siehe Zoe Laughlin Spoons im Hinblick auf den Geschmack)(5). Darüber hinaus können innovative Mess-Szenarien als Interventionen in gegebene soziale Strukturen verstanden werden (siehe Forschungstheater [Kinder testen Schule][http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/kinder-testen-schule/]). Auch die Messergebnisse selbst können mehrdimensional erscheinen – beispielsweise als Spuren der Messaktion selbst (siehe Roman Ondak Measuring the Universe).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein möglicher Kontext für die künstlerisch-wissenschaftliche bzw. transdisziplinäre Forschung an und mit Praktiken des Messens ergibt sich aus der jüngsten Debatte um die Messung von Well Being: Im Zusammenhang mit der Finanzkrise fordern namhafte PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen seit 2007 die Entwicklung von neuen Messverfahren für die Ermittlung der Daten, die politisches Handeln leiten sollen. Zu diesem Zweck hat die französische Regierung beispielsweise eine aus Nobelpreisträgern bestehende Kommission, die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, eingerichtet. In ihrem Bericht spricht sich die Kommission gegen die bisher zentrale Rolle des Bruttoinlandprodukts zur Messung des gesellschaftlichen „Well Beings“ aus. In Empfehlung 6 heißt es:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die für die Lebensqualität relevanten Informationen reichen über die Selbsteinschätzung und Wahrnehmung der Betroffenen einschließlich der Handlungsmöglichkeiten und Freiheiten hinaus. Tatsächlich bedeutsam sind die Verwirklichungschancen der Menschen, das heißt der Umfang ihrer Möglichkeiten und die Freiheiten, innerhalb dieses Umfangs wählen zu können. Zur Erfassung der Dimensionen des Wohlbefindens bedarf es nicht nur objektiver, sondern auch subjektiver Messungen. Die bestehenden Lücken in den Informationen hierüber müssen erfasst und die statistische Basis muss erweitert und angepasst werden.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hier ansetzendes transdisziplinäres Forschungsprojekt findet gegenwärtig (Stand 2014) am Forschungstheater im FUNDUS THEATER unter dem Titel „Well Being – das gute Leben mit Kindern messen“ statt. Im Rahmen des Projekts beschäftig sich eine Gruppe aus Kindern, Künstler_innen, Studierenden und Wissenschaftler_innen mit der Erfindung neuer Messverfahren im Kontext von Well Being. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der kreativen Erfindung von Messpraktiken zur Anregung und Unterstützung kollektiver Steuerungsprozesse des täglichen Lebens in Schulen, Betrieben, Nachbarschaften etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmerkungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Hans-Dieter Hausteiner: ''Weltchronik des Messens. Eine Universalgeschichte von Maß und Zahl, Geld und Gewicht''. Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) In ihrem Buch ''Schule des Staunens'' (Heidelberg 2009) schildert beispielsweise Salman Ansari, wie Kinder auf der Schwelle zwischen naturkundlicher und kultureller Bildung erste Erfahrungen mit der Kunst des Messens machen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3) Vgl. Immanuel Kant, ''Kritik der Urteilskraft'' §20 bis 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Vgl. Ina Blom, &amp;quot;Boredom and Oblivion&amp;quot;, in: Ken Friedman (Hg.), ''The Fluxus Reader'', New York u.a. 1998, S. 63-90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(5) Zoe Laughlin, &amp;quot;Jenseits des Musters. Forschen in der Materials Library&amp;quot;, in: Sibylle Peters (Hg.), ''Das Forschen Aller, Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft'', Bielefeld 2013, S. 125-145.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Messen</id>
		<title>Messen</title>
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				<updated>2014-05-01T10:32:54Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Messen ist eine grundlegende Operation des Untersuchens und des Forschens (1). Naturwissenschaftliche Wissensproduktion beruht wesentlich auf Messverfahren. Nur was – gegebenenfalls auch in innovativer Weise - gemessen werden kann, kann Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschungsprozesse sein. &lt;br /&gt;
Im naturkundlichen Unterricht werden Kinder von Schulbeginn an in die Praxis des Messens eingeführt (2). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Messen gehören:&lt;br /&gt;
1. Definition der Messaufgabe (Messproblem) und der Messgröße&lt;br /&gt;
2.Festlegung der Maßeinheit für das Ergebnis&lt;br /&gt;
3.Zusammenstellen der Randbedingungen&lt;br /&gt;
4.Wahl einer Messeinrichtung oder eines Messgerätes&lt;br /&gt;
5.Kalibrieren von Messeinrichtung/Messgerät&lt;br /&gt;
6.Festlegung des Messablaufs&lt;br /&gt;
7.Durchführen der Messung und Ermitteln des Messergebnisses&lt;br /&gt;
8.Berücksichtigung der Auswirkungen von Einflussgrößen&lt;br /&gt;
9.Ermitteln des vollständigen Messergebnisses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Messung#Schritte_zur_Messung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied dazu ist die Kunst und das Ästhetische seit dem 18. Jahrhundert als ein Bereich definiert, der sich mit dem Unmessbarem verbindet. Kant etwa definiert das Ästhetische als den Bereich, in dem keine objektiven Urteile gefällt werden können (3). Ästhetische Urteile sind notwendig subjektiv. Zugleich ist der Bereich des Ästhetischen aber auch durch das Fehlen persönlicher Interessen geprägt ( etwa im Unterschied zum Ökonomischen). Da die ästhetische Erfahrung also nicht durch ein unmittelbares persönliches Interesse bestimmt wird, hat das ästhetische Urteil die paradoxe Form einer subjektiven Allgemeingültigkeit. Etwas schön zu finden, heißt davon auszugehen, dass alle es schön finden müssten und doch zu wissen, dass dies eine subjektive Empfindung ist. Dies nennt Kant den ästhetischen Gemeinsinn. In diesem paradoxen Gemeinsinn ist in der bürgerlichen Tradition immer wieder die zivilisatorische Bedeutung von Kunst und Kultur gesehen worden: Da das Ästhetische einerseits außerhalb objektiver Messbarkeit und andererseits jenseits unmittelbarer Interessen steht, können Allgemeinheit und Subjektivität in der ästhetischen Erfahrung spielerisch, harmonisch und flexibel aufeinander bezogen werden. &lt;br /&gt;
In diesem historischen Kontext löst die Frage, ob etwas messbar ist oder nicht, und welche Form von Messung oder Evaluation als maßgeblich gelten soll, gerade im kulturellen Zusammenhang immer wieder kontroverse Debatten aus. Nichtsdestoweniger sind Kunst und Kultur in den vergangenen Jahren immer stärker mit Messungen und Evaluationen konfrontiert, die den Erfolg künstlerischer und kultureller Arbeit abbilden sollen. Vor diesem Hintergrund erscheint es als Desiderat, die Praxis des Messens als Gegenstand und als Verfahren künstlerischen und transdisziplinären Forschens näher zu erkunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man Messen als ein Verfahren transdisziplinären Forschens betrachten und gewinnen, so muss dies die klassische Differenz zwischen dem Messbaren im Sinne der naturkundlichen und empirischen Wissenschaften und dem Unmessbaren im Sinne der kulturellen Weltschöpfung und –erfahrung überschreiten oder unterlaufen. Dies kann beispielsweise durch einen Blick in die Geschichte des Wissens geschehen: Neue Formen des Messens zu (er)finden, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein kreativer Vorgang, der als solcher nicht wissenschaftlich kontrolliert werden kann. So bilden Messverfahren zwar die Basis der ‚hard sciences’, ihre Entstehung selbst ist jedoch nicht ‚messbar’, sondern Teil menschlicher Erfahrung und Weltschöpfung. Die Differenz zwischen dem Messbaren und dem Nicht-Messbaren läuft mitten durch die Kunst des Messens hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messen als Verfahren transdisziplinären Forschens zu verstehen, heißt also Messverfahren nicht mehr als gegeben betrachtet und lediglich anzuwenden, sondern das Messen als jeweils neu zu erfindendes performatives Protokoll und Setup zu betrachten. Und umgekehrt: Sobald es darum geht, ein neues Messverfahren zu erfinden, sei es für etwas, das bisher nicht gemessen wird, oder sei es, um den medialen und performativen Charakter eines gegebenen Messverfahrens zu verändern, ist dies ein transdisziplinärer Forschungsprozess. Produkt dieses transdisziplinären Forschungsprozesses ist jedoch nicht nur das Messverfahren selbst bzw. die gemessenen Daten. Produziert und in Frage gestellt werden in einem solchen Prozess auch Konzepte über die Welt und/bzw. Netzwerke von Akteuren. Sobald eines dieser Konzepte bzw. eines dieser Netzwerke dazu taugt, ein valides, also überzeugendes Messverfahren zu tragen, gilt es als gegeben, als evident. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Performance Kunst finden sich Bezüge zur Praxis des Messens zunächst vor allem in der FLUXUS Bewegung der 1960er Jahre (insbesondere FLUXUS Klinik) (4). Hier wird das Messen als performatives Geschehen sichtbar; der Bezug auf das Messen bleibt dabei zunächst kritisch bis satirisch. Im Kontext aktueller Kunstpraxen gibt es jedoch auch andere Beispiele:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roman Ondak – Measuring the Universe, New York 2009 &lt;br /&gt;
http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungstheater - Kinder testen Schule, Hamburg 2008. &lt;br /&gt;
http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/kinder-testen-schule/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zoe Laughlin/Material’s Library – Spoons, London 2009- (ongoing).&lt;br /&gt;
http://www.instituteofmaking.org.uk/research/sensoaesthetic-materials&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigt sich die Performativität des Messens: Messungen setzen kontrollierte Mess-Szenarien voraus, die mit bestimmten Rollen (Autorität) und Protokollen (Aktion) verbunden sind. In hybriden, künstlerisch-wissenschaftlichen Kontexten eingesetzt, produzieren solche Mess-Szenarien nicht nur Messergebnisse, also Daten, sondern werden zugleich als Erfahrungsräume gestaltet und wahrgenommen. Neben den Messergebnissen im engeren Sinne können Messungen daher auch die aisthetische Wahrnehmung bestimmter Zusammenhänge steigern (siehe Zoe Laughlin Spoons im Hinblick auf den Geschmack)(5). Darüber hinaus können innovative Mess-Szenarien als Interventionen in gegebene soziale Strukturen verstanden werden (siehe Forschungstheater [Kinder testen Schule][http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/kinder-testen-schule/]). Auch die Messergebnisse selbst können mehrdimensional erscheinen – beispielsweise als Spuren der Messaktion selbst (siehe Roman Ondak Measuring the Universe).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein möglicher Kontext für die künstlerisch-wissenschaftliche bzw. transdisziplinäre Forschung an und mit Praktiken des Messens ergibt sich aus der jüngsten Debatte um die Messung von Well Being: Im Zusammenhang mit der Finanzkrise fordern namhafte PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen seit 2007 die Entwicklung von neuen Messverfahren für die Ermittlung der Daten, die politisches Handeln leiten sollen. Zu diesem Zweck hat die französische Regierung beispielsweise eine aus Nobelpreisträgern bestehende Kommission, die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, eingerichtet. In ihrem Bericht spricht sich die Kommission gegen die bisher zentrale Rolle des Bruttoinlandprodukts zur Messung des gesellschaftlichen „Well Beings“ aus. In Empfehlung 6 heißt es:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die für die Lebensqualität relevanten Informationen reichen über die Selbsteinschätzung und Wahrnehmung der Betroffenen einschließlich der Handlungsmöglichkeiten und Freiheiten hinaus. Tatsächlich bedeutsam sind die Verwirklichungschancen der Menschen, das heißt der Umfang ihrer Möglichkeiten und die Freiheiten, innerhalb dieses Umfangs wählen zu können. Zur Erfassung der Dimensionen des Wohlbefindens bedarf es nicht nur objektiver, sondern auch subjektiver Messungen. Die bestehenden Lücken in den Informationen hierüber müssen erfasst und die statistische Basis muss erweitert und angepasst werden.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hier ansetzendes transdisziplinäres Forschungsprojekt findet gegenwärtig (Stand 2014) am Forschungstheater im FUNDUS THEATER unter dem Titel „Well Being – das gute Leben mit Kindern messen“ statt. Im Rahmen des Projekts beschäftig sich eine Gruppe aus Kindern, Künstler_innen, Studierenden und Wissenschaftler_innen mit der Erfindung neuer Messverfahren im Kontext von Well Being. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der kreativen Erfindung von Messpraktiken zur Anregung und Unterstützung kollektiver Steuerungsprozesse des täglichen Lebens in Schulen, Betrieben, Nachbarschaften etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anmerkungen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1) Hans-Dieter Hausteiner: ''Weltchronik des Messens. Eine Universalgeschichte von Maß und Zahl, Geld und Gewicht''. Berlin 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Buch ''Schule des Staunens'' (Heidelberg 2009) schildert beispielsweise Salman Ansari, wie Kinder auf der Schwelle zwischen naturkundlicher und kultureller Bildung erste Erfahrungen mit der Kunst des Messens machen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. Immanuel Kant, ''Kritik der Urteilskraft'' §20 bis 22.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. Ina Blom, &amp;quot;Boredom and Oblivion&amp;quot;, in: Ken Friedman (Hg.), ''The Fluxus Reader'', New York u.a. 1998, S. 63-90&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zoe Laughlin, &amp;quot;Jenseits des Musters. Forschen in der Materials Library&amp;quot;, in: Sibylle Peters (Hg.), ''Das Forschen Aller, Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft'', Bielefeld 2013, S. 125-145.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Messen</id>
		<title>Messen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Messen"/>
				<updated>2014-05-01T10:14:05Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Sibyllepeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Messen ist eine grundlegende Operation des Untersuchens und des Forschens. Naturwissenschaftliche Wissensproduktion beruht wesentlich auf Messverfahren. Nur was – gegebenenfalls auch in innovativer Weise - gemessen werden kann, kann Gegenstand naturwissenschaftlicher Forschungsprozesse sein. &lt;br /&gt;
Im naturkundlichen Unterricht werden Kinder von Schulbeginn an in die Praxis des Messens eingeführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Messen gehören:&lt;br /&gt;
1. Definition der Messaufgabe (Messproblem) und der Messgröße&lt;br /&gt;
2.Festlegung der Maßeinheit für das Ergebnis&lt;br /&gt;
3.Zusammenstellen der Randbedingungen&lt;br /&gt;
4.Wahl einer Messeinrichtung oder eines Messgerätes&lt;br /&gt;
5.Kalibrieren von Messeinrichtung/Messgerät&lt;br /&gt;
6.Festlegung des Messablaufs&lt;br /&gt;
7.Durchführen der Messung und Ermitteln des Messergebnisses&lt;br /&gt;
8.Berücksichtigung der Auswirkungen von Einflussgrößen&lt;br /&gt;
9.Ermitteln des vollständigen Messergebnisses&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Messung#Schritte_zur_Messung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Unterschied dazu ist die Kunst und das Ästhetische seit dem 18. Jahrhundert als ein Bereich definiert, der sich mit dem Unmessbarem verbindet. Kant etwa definiert das Ästhetische als den Bereich, in dem keine objektiven Urteile gefällt werden können. Ästhetische Urteile sind notwendig subjektiv. Zugleich ist der Bereich des Ästhetischen aber auch durch das Fehlen persönlicher Interessen geprägt ( etwa im Unterschied zum Ökonomischen). Da die ästhetische Erfahrung also nicht durch ein unmittelbares persönliches Interesse bestimmt wird, hat das ästhetische Urteil die paradoxe Form einer subjektiven Allgemeingültigkeit. Etwas schön zu finden, heißt davon auszugehen, dass alle es schön finden müssten und doch zu wissen, dass dies eine subjektive Empfindung ist. Dies nennt Kant den ästhetischen Gemeinsinn. In diesem paradoxen Gemeinsinn ist in der bürgerlichen Tradition immer wieder die zivilisatorische Bedeutung von Kunst und Kultur gesehen worden: Da das Ästhetische einerseits außerhalb objektiver Messbarkeit und andererseits jenseits unmittelbarer Interessen steht, können Allgemeinheit und Subjektivität in der ästhetischen Erfahrung spielerisch, harmonisch und flexibel aufeinander bezogen werden. &lt;br /&gt;
In diesem historischen Kontext löst die Frage, ob etwas messbar ist oder nicht, und welche Form von Messung oder Evaluation als maßgeblich gelten soll, gerade im kulturellen Zusammenhang immer wieder kontroverse Debatten aus. Nichtsdestoweniger sind Kunst und Kultur in den vergangenen Jahren immer stärker mit Messungen und Evaluationen konfrontiert, die den Erfolg künstlerischer und kultureller Arbeit abbilden sollen. Vor diesem Hintergrund erscheint es als Desiderat, die Praxis des Messens als Gegenstand und als Verfahren künstlerischen und transdisziplinären Forschens näher zu erkunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man Messen als ein Verfahren transdisziplinären Forschens betrachten und gewinnen, so muss dies die klassische Differenz zwischen dem Messbaren im Sinne der naturkundlichen und empirischen Wissenschaften und dem Unmessbaren im Sinne der kulturellen Weltschöpfung und –erfahrung überschreiten oder unterlaufen. Dies kann beispielsweise durch einen Blick in die Geschichte des Wissens geschehen: Neue Formen des Messens zu (er)finden, erweist sich bei näherer Betrachtung als ein kreativer Vorgang, der als solcher nicht wissenschaftlich kontrolliert werden kann. So bilden Messverfahren zwar die Basis der ‚hard sciences’, ihre Entstehung selbst ist jedoch nicht ‚messbar’, sondern Teil menschlicher Erfahrung und Weltschöpfung. Die Differenz zwischen dem Messbaren und dem Nicht-Messbaren läuft mitten durch die Kunst des Messens hindurch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messen als Verfahren transdisziplinären Forschens zu verstehen, heißt also Messverfahren nicht mehr als gegeben betrachtet und lediglich anzuwenden, sondern das Messen als jeweils neu zu erfindendes performatives Protokoll und Setup zu betrachten. Und umgekehrt: Sobald es darum geht, ein neues Messverfahren zu erfinden, sei es für etwas, das bisher nicht gemessen wird, oder sei es, um den medialen und performativen Charakter eines gegebenen Messverfahrens zu verändern, ist dies ein transdisziplinärer Forschungsprozess. Produkt dieses transdisziplinären Forschungsprozesses ist jedoch nicht nur das Messverfahren selbst bzw. die gemessenen Daten. Produziert und in Frage gestellt werden in einem solchen Prozess auch Konzepte über die Welt und/bzw. Netzwerke von Akteuren. Sobald eines dieser Konzepte bzw. eines dieser Netzwerke dazu taugt, ein valides, also überzeugendes Messverfahren zu tragen, gilt es als gegeben, als evident. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Performance Kunst finden sich Bezüge zur Praxis des Messens zunächst vor allem in der FLUXUS Bewegung der 1960er Jahre (insbesondere FLUXUS Klinik). Hier wird das Messen als performatives Geschehen sichtbar; der Bezug auf das Messen bleibt dabei zunächst kritisch bis satirisch. Im Kontext aktueller Kunstpraxen gibt es jedoch auch andere Beispiele:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roman Ondak – Measuring the Universe, New York 2009 &lt;br /&gt;
http://www.moma.org/visit/calendar/exhibitions/980&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungstheater - Kinder testen Schule, Hamburg 2008. &lt;br /&gt;
http://www.fundus-theater.de/forschungstheater/projekte/kinder-testen-schule/&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zoe Laughlin/Material’s Library – Spoons, London 2009- (ongoing).&lt;br /&gt;
http://www.instituteofmaking.org.uk/research/sensoaesthetic-materials&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigt sich die Performativität des Messens: Messungen setzen kontrollierte Mess-Szenarien voraus, die mit bestimmten Rollen (Autorität) und Protokollen (Aktion) verbunden sind. In hybriden, künstlerisch-wissenschaftlichen Kontexten eingesetzt, produzieren solche Mess-Szenarien nicht nur Messergebnisse, also Daten, sondern werden zugleich als Erfahrungsräume gestaltet und wahrgenommen. Neben den Messergebnissen im engeren Sinne können Messungen daher auch die aisthetische Wahrnehmung bestimmter Zusammenhänge steigern (siehe Zoe Laughlin Spoons im Hinblick auf den Geschmack). Darüber hinaus können innovative Mess-Szenarien als Interventionen in gegebene soziale Strukturen verstanden werden (siehe Forschungstheater Kinder testen Schule). Auch die Messergebnisse selbst können mehrdimensional erscheinen – beispielsweise als Spuren der Messaktion selbst (siehe Roman Ondak Measuring the Universe).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein möglicher Kontext für die künstlerisch-wissenschaftliche bzw. transdisziplinäre Forschung an und mit Praktiken des Messens ergibt sich aus der jüngsten Debatte um die Messung von Well Being: Im Zusammenhang mit der Finanzkrise fordern namhafte PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen seit 2007 die Entwicklung von neuen Messverfahren für die Ermittlung der Daten, die politisches Handeln leiten sollen. Zu diesem Zweck hat die französische Regierung beispielsweise eine aus Nobelpreisträgern bestehende Kommission, die Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, eingerichtet. In ihrem Bericht spricht sich die Kommission gegen die bisher zentrale Rolle des Bruttoinlandprodukts zur Messung des gesellschaftlichen „Well Beings“ aus. In Empfehlung 6 heißt es:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die für die Lebensqualität relevanten Informationen reichen über die Selbsteinschätzung und Wahrnehmung der Betroffenen einschließlich der Handlungsmöglichkeiten und Freiheiten hinaus. Tatsächlich bedeutsam sind die Verwirklichungschancen der Menschen, das heißt der Umfang ihrer Möglichkeiten und die Freiheiten, innerhalb dieses Umfangs wählen zu können. Zur Erfassung der Dimensionen des Wohlbefindens bedarf es nicht nur objektiver, sondern auch subjektiver Messungen. Die bestehenden Lücken in den Informationen hierüber müssen erfasst und die statistische Basis muss erweitert und angepasst werden.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein hier ansetzendes transdisziplinäres Forschungsprojekt findet gegenwärtig (Stand 2014) am Forschungstheater im FUNDUS THEATER unter dem Titel „Well Being – das gute Leben mit Kindern messen“ statt. Im Rahmen des Projekts beschäftig sich eine Gruppe aus Kindern, Künstler_innen, Studierenden und Wissenschaftler_innen mit der Erfindung neuer Messverfahren im Kontext von Well Being. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der kreativen Erfindung von Messpraktiken zur Anregung und Unterstützung kollektiver Steuerungsprozesse des täglichen Lebens in Schulen, Betrieben, Nachbarschaften etc.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Sibyllepeters</name></author>	</entry>

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