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		<title>A-Z der transziplinären Forschung - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T14:32:33Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: /* WEBLINKS */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: ''Bewegen'' eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater (z.B.: Primavesi 2008: 87). Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste zudem große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe. Mit Blick auf ''bewegen'' als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie ''Wallen'' (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''bewegend teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also im doppelten Sinn zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe [[http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php?title=Teilhaben]] sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird so ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Be&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Weg&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
*Wortschatz Uni Leipzig: [http://wortschatz.uni-leipzig.de]&lt;br /&gt;
*''Entropisches Institut'': [http://deufert-und-plischke.tumblr.com/tagged/Entropic-Institute]&lt;br /&gt;
*''PingPong'': [http://www.begumerciyas.com/work/ping-pong-2009/]&lt;br /&gt;
*''Wallen'': [http://www.sebastianmatthias.com/wallen]&lt;br /&gt;
*''Cargo Sofia - X'': [http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

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		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T14:31:18Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: /* WEBLINKS */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: ''Bewegen'' eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater (z.B.: Primavesi 2008: 87). Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste zudem große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe. Mit Blick auf ''bewegen'' als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie ''Wallen'' (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''bewegend teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also im doppelten Sinn zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe [[http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php?title=Teilhaben]] sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird so ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Be&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Weg&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
*Wortschatz Uni Leipzig: [http://wortschatz.uni-leipzig.de]&lt;br /&gt;
*''Entropisches Institut'': [http://deufert-und-plischke.tumblr.com/tagged/Entropic-Institute]&lt;br /&gt;
*''PingPong'': [http://www.begumerciyas.com/work/ping-pong-2009/]&lt;br /&gt;
*''Wallen'': [http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
*''Cargo Sofia - X'': [http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T14:29:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: ''Bewegen'' eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater (z.B.: Primavesi 2008: 87). Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste zudem große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe. Mit Blick auf ''bewegen'' als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie ''Wallen'' (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''bewegend teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also im doppelten Sinn zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe [[http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php?title=Teilhaben]] sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird so ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache: [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Be&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
*duden.de &amp;quot;Weg&amp;quot;: [http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
*Wortschatz Uni Leipzig: [http://wortschatz.uni-leipzig.de]&lt;br /&gt;
*''Entropisches Institut'': [http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
*''PingPong'': [http://www.begumerciyas.com/work/ping-pong-2009/]&lt;br /&gt;
*''Wallen'': [http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
*''Cargo Sofia - X'': [http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:57:41Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: ''Bewegen'' eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater (z.B.: Primavesi 2008: 87). Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste zudem große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe. Mit Blick auf ''bewegen'' als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie ''Wallen'' (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''bewegend teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also im doppelten Sinn zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe [[http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php?title=Teilhaben]] sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird so ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:54:41Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: ''Bewegen'' eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater (z.B.: Primavesi 2008: 87). Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste zudem große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe. Mit Blick auf ''bewegen'' als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie ''Wallen'' (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also im doppelten Sinn zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird so ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:51:22Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:51:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T13:50:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
*Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
*Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
*Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
*Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
*Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
*Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
*Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
*Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Anerkennen</id>
		<title>Anerkennen</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: /* Bibliographie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''&lt;br /&gt;
== Anerkennen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Anerkennen des anderen, der anderen, ist unmittelbar einsichtig als Voraussetzung für die Wahrnehmung einer Situation. Es steht also im Zusammenhang mit Erkennen und Wissen, im Zusammenhang mit der Konstitution von Subjekt und Objekt - sowie mit all den Konsequenzen, die das für die &amp;quot;Aufteilung des Sinnlichen&amp;quot; hat. Was anerkennbar ist, ist eine Angelegenheit von Verhandlung und Teilhabe. Die Vorgängigkeit der Anerkennung vor jeder Szene, Begegnung, Äußerung oder Aufführung, das Anerkanntsein als ein Subjekt, das sprechen und handeln kann, ist allerdings eine umstrittene und komplizierte Angelegenheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Anerkennung, der Andere, ein Theater.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Anerkennen'' ist der Name eines philosophischen Konzepts, das sich mit bestimmten Autornamen verbindet. In letzter Zeit hat insbesondere Thomas Bedorf systematisch deren verschiedene Konzeptionen von Andersheit, Anerkennung, Alterität durch die Philosophiegeschichte durchgearbeitet (Bedorf: 2011) &amp;lt;ref&amp;gt;Genauer: Er liest zwei bis drei Dutzend weißer westlicher Philosophen, die sich für den gegenderten oder rassifizierten Anderen ebensowenig interessiert haben wie er selbst. Zur Frage des Geschlechts in der Philosophie der Anerkennung vgl. Sabine Gürtler 2001, Susanne Dungs 2006 (bes. Kap, 2: der Andere in der Ethik asymmetrischen Anerkennens) - vgl. weiter: Thomas Bedorf 2003; Thomas Bedorf, Andreas Cremonini 2005. &amp;lt;/ref&amp;gt; . Sein Buchtitel &amp;quot;Verkennende Anerkennung&amp;quot; verweist auf die Paradoxie, dass eine völlige Anerkennung nie stattfinden kann - jedes Anerkennen verfehlt notwendigerweise den anderen, weil sie nur unter der Maßgabe des Bekannten erfolgt (Bedorf 2010: 145 et passim).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von Althussers &amp;quot;Ideologischen Staatsapparaten&amp;quot;, die nicht mehr durch staatliche Organe wie die Polizei herrschen, sondern durch die Ideologie (Bedorf 2010: 79, Althusser 1977),  die sich in Praktiken und Ritualen zeigt und sich hierin performativ durchsetzt, kommt Bedorf mit Blick aufs französische Original auf die Anerkennung als deren grundlegendes Element. Die berühmte Szene, in der der Polizist &amp;quot;He, Sie da&amp;quot; ruft und sich der/die Angerufene umdreht, sich in dieser Unterwerfung unter den Ruf allererst als Subjekt konstituiert, bezeichnet Althusser als &amp;quot;''rituel de la reconnaissance''&amp;quot;, im Doppelsinn des französischen Wortes: der Wiedererkennung (''re-connaître'') und der Anerkennung (wie im Respekt), - eine Szene wie ein &amp;quot;''little theoretical theatre''&amp;quot; (Bedorf 2010: 79f., Pêcheux 1997: 148). Das ist zeitlich paradox: Ich muss etwas wieder-erkennen, um es allererst anzuerkennen. Die szenischen Formen sind der Anerkennung immanent, die Bühne (der Anrufung) ist der Anerkennung nicht äußerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Ricoeur hat der Frage der Reconnaissance und dem Anerkennen, der Mehrdeutigkeit des Verbs ''reconnaître'' ein ganzes Buch gewidmet. (Ricoeur 2006) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin ist eine teleologische Abfolge angelegt. a) Drei Kapitel: Reconnaissance als Identifizieren, als sich selbst Erkennen, schließlich als wechselseitige Anerkennung, b) verfolgt der Autor die  aktivischen und passivischen Dynamiken des Worts (die philosophischen Verwendungsweisen gingen vom aktivischen zum passivischen Gebrauch; er versteht das &amp;quot;nicht als Teleologie, sondern als &amp;quot;Spannweite&amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Sartre ließe sich zunächst noch sagen, &amp;quot;dass das Ich vom Anderen zum Objekt gemacht wird, insofern es wie ein Gegenstand wahrgenommen wird. (...) Man erfährt sich als Gegenstand der Sichtweisen Anderer und empfindet die eigene Objektheit.&amp;quot; (zit. aus Bedorf 2011: 153) (Dabei gilt: Man begegnet dem anderen, man konstituiert ihn nicht.) (Eßlinger et al. 2010) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin: Albrecht Koschorke, Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, 9-33; Claudia Breger, Gender Studies, 49-64; Thomas Bedorf, Der Dritte als Scharnierfigur. Die Funktion des Dritten in sozialphilosophischer und ethischer Perspektive, 125-136. Siehe auch Thomas Bedorf 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Emmanuel Lévinas entwarf zudem den &amp;quot;absoluten Anderen&amp;quot;, der nicht nur in Bezug auf den Sprecher, sondern in seiner Inkommensurabilität entworfen werden sollte (Bedorf 2011: 159): Wer den Anderen wahrnehme, könne sich nicht auf vertraute Rahmen beziehen, um den Anderen einzuordnen, sonst wäre er nicht mehr wirklich anders. Und: Ein Ich erfährt sich erst als von Anderen angerufenes. Diese Beziehung geht dem Ich, dem Du, dem Mich, dem Appell, der Anerkennung des anderen selbst voraus (Bedorf 2011: 163).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral ist bei Levinas nicht der Appell, ''He Sie da!'', der Modus des Akustischen, sondern der Begriff des Antlitzes. &amp;quot;Im Angesicht des Anderen treten wir in eine Beziehung ein, ... die wir nicht wie einen Gegenstand zu begreifen oder beherrschen vermögen&amp;quot; (Bedorf 2011: 167). Das ist keine freiwillige Entscheidung, auch die Form der Beziehung ist nicht einfach wählbar. &amp;lt;ref&amp;gt;Weiterführend (über das &amp;quot;Antlitz&amp;quot; bei Levinas und Bilder von Al-Quaida) und zur Un/Freiwilligkeit des Angesprochenwerdens siehe Judith Butler 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wäre weiterzudenken, welche Rolle der Blick und das Gesicht für diese Konzeption haben, was letztlich die Rolle der Visualität in der Epistemologie und auch der Ethik betrifft, die 'Objektivität' eines Anblicks, das Erkennen von etwas oder jemand, die Reziprozität im Sehen/Gesehenwerden: Sind diese Figuren wesentlich optisch verfasst? &lt;br /&gt;
Derrida wandte sich nicht der Visualität zu, sondern dem sprachlichen Medium, und er kritisierte an Lévinas, die eigene Verstrickung in die Sprache nicht mitbedacht zu haben - wenn man nicht ÜBER den Anderen sprechen will, und wenn es kaum möglich ist, ohne dass der Andere immer nur der Andere des Selben ist, so muss der Andere neu gedacht werden nicht als undenkbares Absolutum. &amp;lt;ref&amp;gt;Der Andere ist / nicht total anders, vergleichbar der Fassung von Universalität als fortwährende &amp;quot;Arbeit der Universalisierung&amp;quot;. Zum Problem der Universalität von Menschenrechten vgl. Butler: &amp;quot;Wenn wir die Universalität von Rechten nicht im Sinne einer Praxis verstehen wollen, in der die westliche Kultur ihre Partikulare Perspektive allen anderen aufzwingt, dann müssen wir einsehen, dass das, was 'universal' ist, unablässig produziert wird. Unter Bedingungen kultureller Übersetzung, an der verschiedene Regierungen ebenso beteiligt sind wie Nichtregierungsorganisationen, wird es unablässig artikuliert und reaktikuliert...&amp;quot;(Butler 2009: 96).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob man im Anschluss von einer &amp;quot;fortwährenden Arbeit mit der Veranderung&amp;quot;, einem immer offenen Prozess von Anerkennen und Unmöglichkeit des Anerkennens sprechen muss, wäre auszudiskutieren. Die Offenheit darin bedeutet Möglichkeitsraum und Freiheit ebenso wie Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Der Rahmen, ein strukturelles Risiko''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ''Frames of war'' von Judith Butler wurde übersetzt als ''Raster des Krieges''. Es fragt: Durch welche Rahmen/Raster passiert das Anerkennen? Wie ist das Verhältnis von Erkennen und Anerkennen? (Anerkennbarkeit ist nicht eine Eigenschaft oder ein Potential von einzelnen Menschen). Das Wahrnehmen ist eine Form der Erkenntnis; auch das bloße Registrieren, die sinnliche Wahrnehmung ohne konzeptuelles Wissen gehörten dazu. Raster/Rahmen &amp;quot;strukturieren nicht nur unsere visuelle Erfahrung, sondern bringen auch spezifische Ontologien des Subjekts hervor.&amp;quot; (Butler 2010: 11). &amp;quot;Wie Normen der Anerkennbarkeit den Weg zur Anerkennung ebnen, so bedingen und erzeugen Schemata der Intelligibilität erst diese Normen der Anerkennbarkeit&amp;quot; (Butler 2010: 14). &amp;lt;ref&amp;gt; Hier wendet sich Butler (ungewöhnlicherweise) konkreten Medien, konkreten Bildern zu und fragt mit Blick auf Kriegsfotografie oder die Folterbilder aus Abu Ghraib, welche Rolle deren Rahmungen spielen - für die Reflexionsfähigkeit auf die Kontexte der Fotografie, für die Konstitution von Bedeutung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rahmen legt zwar den Ausschnitt des Zu-Sehen-Gegebenen fest, aber gleichzeitig wird immer etwas außerhalb des Rahmens Liegendes erkennbar (Vgl. Butler 2010: 16). Gerade die technische Reproduzierbarkeit und die Zirkulationsfähigkeit des Bildes verändern die Bedeutung des ''Framing''/Rahmens prinzipiell. Die Zirkulationsfähigkeit wird Teil des Bilds, wenn der Rahmen unausweichlich dazu da ist, etwas Zirkulierendes immer wieder in neuen Kontexte zu setzen, er sich permanent von seinem Kontext löst (Butler 2010: 17). Die Zirkulierbarkeit ist nie abgeschlossen, auch diese prinzipielle Offenheit für zukünftige Kontexte destabilisiert eine feste Bedeutungsgebung des Rahmens (Butler 2010: 79ff). Er kann nur dank seiner Reproduzierbarkeit zirkulieren, &amp;quot;und eben diese Reproduzierbarkeit bringt ein strukturelles Risiko für die Identität des Rahmens selbst mit sich.  [... Er funktioniert] normativ, kann jedoch, je nach der spezifischen Art seiner Zirkulation, bestimmte Bereiche der Normativität infrage stellen. Solche Rahmen strukturieren Anerkennung, ... jedoch sind ihre Grenzen und Bedingtheiten ihrerseits kritisch exponierbar und der Intervention zugänglich&amp;quot; (Butler 2010: 30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Anerkennbarkeit immer an visuelle Erscheinungsformen gebunden? Ist Sichtbarkeit immer erstrebenswert? Johanna Schaffer hat die Ambivalenzen des Sichtbarwerdens problematisiert und &amp;quot;Einwände gegen erhöhte Sichtbarkeits-Euphoriken&amp;quot; erhoben - wenn sich Hegemonie in ästhetischen Formen konfiguriert, können Repräsentationen etwa von Minoritäten Differenzen verwischen oder Minorisierungen wiederholen; die Taktik müsse lauten: &amp;quot;Das visuelle Vokabular der Anerkennung reformulieren&amp;quot; (Schaffer 2008: 51 und 111).&lt;br /&gt;
Was heißt das für das Anerkennen, das notwendigerweise solcher Schauplätze und Formen und Rahmen bedarf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch eine Notwendigkeit, Aufklärung und Kritik unangemessener Rahmungen zu betreiben (Butler 2010: 97). Butler denkt Rahmungen nicht rein dekonstruktiv (als Derridasche Invaginationen), sondern auch als Gefäße für Inhalte, die instrumentalisierbar sind, Gefühle hervorrufen sollen, Ausschlüsse betreiben, Anerkennbarkeit herstellen (sie folgt also streckenweise durchaus einer Logik von 'vorher und nachher', 'innen und außen', wenn es um die Medialität geht). Raster der Anerkennung, die bestimmte Menschen und Situationen aus der Wahrnehmung ausschließen, sind zu kritisieren. Weitergehend fragt Butler mit Bezug auf Levinas' 'Antlitz' danach, wie Mitteilbarkeit von Rahmen (und Normen) entsteht. Bereits in den Adorno-Vorlesungen 2002 kommt sie vom Rahmen des Blicks/Gesichts zur Anerkennung (Butler 2007: 42).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wenn mein Antlitz überhaupt lesbar ist, dann nur, weil es in einen visuellen Rahmen eintritt, der die Voraussetzung seiner Lesbarkeit ist.  (...) Wenn man, was Lévinas für unausweichlich hält, ethisch auf das Antlitz des Anderen reagiert, dann scheint es, als müsse man jenes erst einmal in die Reihe der menschlichen Antlitze aufnehmen. Zunächst muss es ein Raster für das Menschliche geben, eines, das beliebig viele Variationen als fertige Beispiele umfassen kann. Doch gemessen daran, wie umstritten die visuelle Repräsentation des 'Menschlichen' ist, scheint unsere Fähigkeit, auf ein Antlitz als menschliches zu reagieren, von der Vermittlung durch Bezugsrahmen abhängig, die in einem Fall vermenschlichen und im anderen entmenschlichen. Die Möglichkeit einer ethischen Reaktion auf das Antlitz erfordert folglich eine Normativität des visuellen Felds: Es liegt nicht nur bereits ein epistemologischer Rahmen vor, innerhalb dessen das Antlitz erscheint, sondern wir haben es auch hier schon mit einem Machteffekt zu tun...&amp;quot; (Butler 2007: 43).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wäre weiterzufragen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Welche konkreten Praktiken mit Rancière als (neue) ''Aufteilungen des Sinnlichen'' auszudenken wären. Die &amp;quot;Aufteilungen des Sinnlichen&amp;quot; legen fest, was wir wahrnehmen, tun und sagen können und wofür wir blind oder taub sind. &lt;br /&gt;
Nach innen hin regeln diese Formen, wie die wahrnehmbaren und sagbaren Gegenstände einer sinnlich aufgeteilten Welt voneinander unterschieden und wie Handlungen voneinander abgegrenzt und bewertet werden. Ranciere nennt solche Aufteilungen des Wahrnehmbaren auch erste oder ursprüngliche Ästhetik. Sie bestimmt, 'was der sinnlichen Erfahrung überhaupt gegeben ist. Die Unterteilung der Zeiten und Räume, des Sichtbaren und Unsichtbaren, der Rede und des Lärms geben zugleich den Ort und den Gegenstand der Politik als Form der Erfahrung vor.' So entsteht ein 'Rahmen der Sichtbarkeit und Intelligibilität, der Dinge oder Praktiken'; ein Rahmen, der aus den gleichermaßen produzierten wie ihrerseits produzierenden Agent/innen dieses Rahmens eine 'Gemeinschaft des Sinnlichen' macht&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382) &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. André Eiermann 2009 u.a. zu: An- und Abwesenheit, Repräsentation und Anerkennung, Rahmungen, Sprechakte.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Welche Konzepte von Rahmungen und ihrer Zirkulation sind nötig, damit sich das Sicht-, Fühl- oder Hörbare zwischen Kontexten bewegen kann, auf die Straße gehen kann, im Klassenzimmer besprechbar wird, auf Bühnen transportierbar sei (und zwar nicht in dieser oder einer anderen Reihenfolge, vom Original zur künstlerischen Reproduktion oder wissenschaftlichen Reflexion, sondern zum besseren Verstehen dessen, dass alle drei wie auch die Kollegarbeit selbst den entsprechenden Abgründen der Anerkennung ausgesetzt sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Drittens könnte es darum gehen, etwas bisher Unsagbares zu sagen, Neues herzustellen, etwa &amp;quot;Handlungen, Ereignisse und Subjekte, die eine Aufteilung des Sinnlichen herausfordern, indem sie etwas geltend machen, was in der adressierten Aufteilung des Sinnlichen nicht gesagt, getan oder wahrgenommen werden kann&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 383). Mit einer anderen Vokabel, nochmals von Rancière: Das &amp;quot;Unvernehmen&amp;quot; zu praktizieren. Demonstrationen einer &amp;quot;dissensuellen Politik&amp;quot; vorzunehmen. Diese&lt;br /&gt;
&amp;quot;behaupten - oder vielmehr: demonstrieren - ein Unvernehmen (''mésentene''); also etwas, das in der bestehenden politischen Einteilung nicht wahrgenommen, gedacht und mit den vorhandenen argumentativen Mitteln auch nicht eingefordert werden kann. Situationen des Unvernehmens bezeichnen keine Meinungsverschiedenheiten und auch keine Missverständnisse, bei denen man das Gegenüber darauf aufmerksam machen kann, dass man falsch verstanden wurde&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schluss steht der Abgrund der Anerkennung: Muss man schon Teil des Systems sein, das die Währung der Anerkennung vergibt, um anzuerkennen, oder um ein anerkanntes Subjekt zu werden? Wie aber würde man sich in dieses System hinein-arbeiten, wenn man nicht Teil dessen ist?&lt;br /&gt;
Das Recht, Rechte zu haben, hat Hannah Arendt als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens gefordert; wie man etwa Menschenrechte einfordert, wenn man nicht juristisch anerkannt ist, hat Christoph Menke mit &amp;quot;alegal, illegal, translegal&amp;quot; beschrieben. Das notwendig Grenzüberschreitende und Illegale dieses Aktes schafft Realitäten: &amp;quot;Wer ein Recht fordert, hat damit immer schon, vorweg, sein Recht zu fordern gefordert&amp;quot; (Menke 2012: 328). &amp;quot;Weil ein politisches Subjekt zu sein aber (unter anderem) eben darin besteht, ein Recht zu fordern, macht sich der menschenrechtlich Fordernde selbst zu dem, was er fordert&amp;quot; (Menke 2012: 362). Der gordische Knoten der Vor- und Nachgängigkeit wird durch einen Akt, eine Setzung zerschlagen. Was Arendt den &amp;quot;Erscheinungsraum&amp;quot; genannt hat, den öffentlichen Raum, der erst im Akt des öffentlichen Auftretens hergestellt wird. Wenn das Erscheinen für andere wahrnehmbar, anerkennbar wird, entsteht dieser Raum; hier verbindet sich Performativität mit gemeinsamer Praxis auf der unmöglichen aber immer herstellbaren Basis und mit dem Produkt der Anerkennung. (Menke 2012: 328) &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Die Demonstranten müssen in gewisser Hinsicht so tun, als ob bereits der Raum existiere, in dem ihr Sprechen und Handeln zählt, sie müssen so tun, als ob sie zumindest so weit an der Macht des Miteinanders partizipierten, dass ihr Sprechen und Handeln als intelligibel und allgemein nachvollziehbar, kurz: als öffentlich relevantes Sprechen und Handeln wahrgenommen wird. Nun wäre das demonstrierende Handeln und Sprechen als Vollzug im Modus des 'Als ob' aber zugleich auch irreführend beschrieben, wenn man es auf diesen Aspekt reduzierte und womöglich noch mit einer irgendwie unwirklichen Angelegenheit verwechselte. Denn der Vorgriff auf einen bereits veränderten Erscheinungsraum, den die Demonstration vornimmt, geschieht dadurch, dass hier Akteure auf eine immer auch sehr materiale, körperliche Weise insistieren, die nicht zuletzt aufgrund ihrer spezfischen Körperlichkeit aus der Sphäre der Öffentlichkeit herausgehalten werden sollen.&amp;quot; (Rebentisch 2012: 369f.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Wechsel zwischen Als Ob und Materialität: das ist die Aufgabe der Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Althusser, Louis (1977): Ideologie und ideologische Staatsapparate. In: Ders., Ideologie und Ideologische Staatsapparate, Aufsätze zur marxistischen Theorie, Hamburg, Berlin, S. 108-153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf ,Thomas (2003): Dimensionen des Dritten. Sozialphilosophische Modelle zwischen Ethischem und Politischem, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf , Thomas (2010): Verkennende Anerkennung. Über Identität und Politik, Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf, Thomas (2011): Andere. Eine Einführung in die Sozialphilosophie, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf, Thomas, Cremonini, Andreas (Hg.) (2005): Verfehlte Begegnung. Levinas und Sartre als philosophische Zeitgenossen, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2007): Kritik der ethischen Gewalt, Adorno-Vorlesungen 2002 (Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main - zuvor gehalten als Spinoza-Vorlesungen der Universität Amsterdam 2002), Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2005): Gefährdetes Leben. In: Dies., Gefährdetes Leben. Politische Essays, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2009):Krieg und Affekt, Berlin, Zürich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2010): Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Dungs, Susanne (2006):  Anerkennen des Anderen im Zeitalter der Mediatisierung. Sozialphilosophische und sozialarbeitswissenschaftliche Studien im Ausgang von Hegel, Lévinas, Butler, Zizek, Hamburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Eiermann, André (2009): Postspektakuläres Theater. Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Eßlinger, Eva et al. (Hg.) (2010): Die Figur des Dritten. Ein kulturwissenschaftliches Paradigma, Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Gürtler, Sabine (2001): Elementare Ethik. Alterität, Generativität und Geschlechterverhältnis bei Emmanuel Lévinas, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Levinas, Emmanuel (1992): Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht, Freiburg, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Menke, Christoph (2012): Die Tat der Menschenrechte: alegal, illegal, translegal. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Pécheux, Michel (1997): The Mechanism of Ideological (Mis)recognition. In: Zizek, Slavoj  (Hg.): Mapping Ideology. London, New York, S. 141-151. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Rebentisch, Juliane (2012): Erscheinen. Bruchstücke einer politischen Phänomenologie. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Ricoeur, Paul (2006). Wege der Anerkennung. Erkennen, Wiedererkennen, Anerkanntsein, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schaffer, Johanna (2008): Ambivalenzen der Sichtbarkeit. Über die visuellen Strukturen der Anerkennung, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Sonderegger, Ruth (2012): Drei Formen der Demonstration. Überlegungen mit Jacques Rancière. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T13:47:56Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1]&lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2] &lt;br /&gt;
[http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg] &lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/]&lt;br /&gt;
[http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/] &lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T13:43:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: &amp;quot;Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes'&amp;quot; (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1&lt;br /&gt;
http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2 (Zugriff am 27.01.2013). und http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg &lt;br /&gt;
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (Zugriff am 13.1.2013) und http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Material&lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:42:23Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: ''Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes’'' (Wortelkamp 2010: 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp 2005: 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1&lt;br /&gt;
http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2 (Zugriff am 27.01.2013). und http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg &lt;br /&gt;
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (Zugriff am 13.1.2013) und http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Material&lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T13:40:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um ''bewegen'' als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: ''Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes’'' (Wortelkamp, 2010, 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp, 2005, 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1&lt;br /&gt;
http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2 (Zugriff am 27.01.2013). und http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg &lt;br /&gt;
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (Zugriff am 13.1.2013) und http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Material&lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen</id>
		<title>Bewegen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Bewegen"/>
				<updated>2014-04-17T13:39:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um bewegen als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Ping Pong''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: ''Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes’'' (Wortelkamp, 2010, 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Cargo Sofia–X''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp, 2005, 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegen''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegtes Publikum''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Bewegungsmaterial''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''''Entropisches Institut''''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Teilhaben''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''BIBLIOGRAPHIE''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''WEBLINKS''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1&lt;br /&gt;
http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2 (Zugriff am 27.01.2013). und http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg &lt;br /&gt;
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (Zugriff am 13.1.2013) und http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Material&lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Bewegen</title>
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				<updated>2014-04-17T13:38:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: Die Seite wurde neu angelegt: „Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinäre…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um bewegen als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Ping Pong'''''&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: ''Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes’'' (Wortelkamp, 2010, 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Cargo Sofia–X'''''&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp, 2005, 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegen'''&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegtes Publikum'''&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegungsmaterial'''&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Entropisches Institut'''''&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilhaben'''&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''BIBLIOGRAPHIE'''&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Wortelkamp, Isa (2010): „Für eine Theorie der Bewegung“. In: Haitzinger, Nicole / Fenböck, Karin (Hg.): Denkfiguren. Performatives zwischen Bewegen, Schreiben und Erfinden. München, S. 270-276.&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''WEBLINKS'''&lt;br /&gt;
http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1&lt;br /&gt;
http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2 (Zugriff am 27.01.2013). und http://www.duden.de/rechtschreibung/Weg &lt;br /&gt;
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ (Zugriff am 13.1.2013) und http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/ &lt;br /&gt;
http://de.wikipedia.org/wiki/Material&lt;br /&gt;
[http://www.entropischesinstitut.net/index.php/the-entropic-institute]&lt;br /&gt;
[http://k3-hamburg.de/de/archiv/residenzen.php?kat=&amp;amp;oid=139]&lt;br /&gt;
[http://www.sebastianmatthias.com/wallen.html]&lt;br /&gt;
[http://www.rimini-protokoll.de/website/de/project_108.html]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Hilfe:Inhaltsverzeichnis</id>
		<title>Hilfe:Inhaltsverzeichnis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Hilfe:Inhaltsverzeichnis"/>
				<updated>2014-04-17T13:37:43Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Hilfe:Inhaltsverzeichnis</id>
		<title>Hilfe:Inhaltsverzeichnis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Hilfe:Inhaltsverzeichnis"/>
				<updated>2014-04-17T13:37:00Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Kerstinevert: Die Seite wurde neu angelegt: „Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinäre…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ausgehend von Beispielen künstlerischer Projekte, in denen ''bewegen'' als Methode zentral ist, erfolgt eine Annäherung an ''bewegen'' als transdisziplinärem Verfahren künstlerischer Forschung. Es geht somit um bewegen als Handlung sowie als Modus des bewegt Werdens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Ping Pong'''''&lt;br /&gt;
Leere Bühne, von bühnen-links tritt auf: ein weißer Tischtennis-Ball, der mit mittlerer Geschwindigkeit über die Bühne rollt. Einige Sekunden später wiederholt sich der Vorgang, doch kommt der Ball dieses Mal von bühnen-rechts, rollt in langsamem Tempo aus und bleibt bühnenmittig stehen. In schneller Folge rasen nun einzelne Bälle von bühnen-rechts nach bühnen-links. Einige Bälle haben eine größere Distanz zum ruhenden Tischtennisball, andere wiederum rollen dicht vor und hinter ihm vorbei. Schließlich trifft ein Ball den ruhenden Ball, versetzt ihn mit dem Aufprall wieder in Bewegung und lenkt ihn diagonal nach bühnen-links-hinten ab, wo er wieder zum Stillstand kommt. Die ist der Beginn der Choreographie ''Ping Pong'' (2009) von Begüm Erciyas, einer Versuchsanordnung, die die physischen Bewegungseigenschaften und das kinetische und dynamische Bewegungsverhalten von Tischtennisbällen untersucht. Die Tischtennisbälle benötigen einen Auslöser, der sie in Bewegung setzt. In Ping Pong übernehmen dies die beiden Tänzer sowie die seitlich, für das Publikum nicht sichtbar aufgestellten Ventilatoren, die die Bälle mit dem von ihnen durch Strom erzeugten Wind immer wieder von der Bühne treiben. Für bewegen als Tätigkeitsbezeichnung bedeutet dies: Einen Gegenstand/Körper bzw. sich selbst zu bewegen also eine Ortsveränderung zu bewirken, verlangt immer den Einsatz von Energie. Bewegt sich ein Körper durch den Raum, kann es zu Begegnungen mit anderen – statischen oder sich in Bewegung befindenden – Körpern kommen. Das Aufeinandertreffen in einer Kollision (hier der Tischtennisbälle) überträgt Energie und bremst Körper aus, verändert ihre Position bzw. Richtung und Dynamik und kann auch zur Verformung des Materials führen. Bewegen besitzt ein andere Körper affizierendes Potential, das in der Lage ist, auch unfreiwillige (Re-)Aktionen hervorzurufen und Körper aus der Ruhe – physikalisch eine Bewegung mit der Geschwindigkeit Null – zu bringen. Bewegen beinhaltet damit Unkontrollierbarkeit bzw. Risiko und damit einen möglichen Kontrollverlust. Gleichzeitig bewirkt es als motorischer bzw. physikalischer Vorgang eine Positionsveränderung in Raum und Zeit. Damit verbunden ist die Veränderung des Blickwinkels als ein durch die veränderte Position im Raum bedingter Perspektivwechsel. ''Ping Pong'' verdeutlicht, wie bewegen als szenische und künstlerische Forschungsmethode nicht nur die Materialeigenschaften und das Bewegungsverhalten eines Körpers (hier der Tischtennisbälle) untersucht und daraus eine Choreographie entwickelt. Die Choreographie selbst macht Energieeinsatz und -übertragung, Perspektiv- und Positionswechsel und damit Veränderung als grundlegende Aspekte von bewegen sichtbar: ''Bewegung ist, wie Aristoteles sie in der Metaphysik bestimmt, Veränderung: ‚Veränderung aus etwas in etwas anderes’'' (Wortelkamp, 2010, 271).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Cargo Sofia–X'''''&lt;br /&gt;
Eine Gruppe aus ca. 45 Personen besteigt den Ladebereich eines zum Zuschauerraum umgebauten LKWs, in dem sie anschließend in Begleitung zweier bulgarischer Performer, von Beruf LKW-Fahrer, zwei Stunden durch Basel fährt. Die Zuschauenden sitzen auf einer kleinen Tribüne im inneren des LKWs in einem 90-Grad-Winkel zur Fahrtrichtung. Die Längsseite der LKW-Ladefläche auf Beifahrerseite ist sowohl Fenster in die Stadt als auch Projektionsfläche für eingespielte Videos. Die Route führt an Orten entlang, die mit Transport, Ladung, Logistik, Warenumschlag assoziiert sind. &lt;br /&gt;
Das Road Movie als Filmgenre verbindet in metaphorischer Weise die Verschränkung von zurückgelegter räumlicher Strecke und Narration/Inhalt als innerem, metaphorischem Weg der Protagonisten. Die Suche nach Freiheit oder/und die Flucht vor Verfolgung sind wesentliche Motive der meist allein bzw. in einer kleinen Gruppe fahrenden Protagonisten. Die äußere Reise durch ein häufig karge Landschaft mit metaphorischen wie tatsächlichen Kreuzungs- und Knotenpunkten wird dabei zum Sinnbild der inneren Reise der Fahrenden/Flüchtenden, die unterwegs eine wichtige Entscheidung treffen, einen inneren Konflikt und damit verbunden eine persönliche Veränderung durchlaufen oder eine neue Sichtweise bzw. eine neue Erkenntnis gewinnen. Die Verknüpfung von bewegt werden durch bzw. in einem Verkehrsmittel und Erkenntnisgewinn bzw. Perspektiveränderung ist übertragbar auf ''Cargo Sofia–X'', das gleichsam als eine Art theatrales Road Movie betrachtet werden kann: Dem inneren-äußeren Prozess des Bewegens im Road Movie ähnlich, ''er-fährt'' der Zuschauende eine räumliche Distanz und erhält zugleich Einblick in die Touren der zwei LKW-Fahrer quer durch Europa. Im besten Fall wird der Zuschauer also nicht nur als Körper im LKW durch den Stadtraum transportiert, sondern auch innerlich bewegt – berührt, zum Nachdenken angeregt – und damit einer doppelten Positionsveränderung ausgesetzt, die mit und auf dem Weg durch die Stadt neue Perspektiven – auf den Beruf des LKW-Fahrers, den Verkehr und Warentransport in Europa und die eigenen Stadt – eröffnen kann.&lt;br /&gt;
''Cargo Sofia–X'' verbindet über ''bewegen'' als Verfahren die räumliche Positionsveränderung eines Körpers in Raum und Zeit mit der inneren Bewegung als einer Erfahrung bzw. eines inneren Mitgehens mit dem Erlebten: „In der Theatergeschichte wird Bewegung meist über eine Mittlerfunktion zwischen inneren und äußeren Vorgängen bestimmt“ (van Eickels/Matzke/Wortelkamp, 2005, 33). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegen'''&lt;br /&gt;
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache [http://www.dwds.de/?qu=bewegen&amp;amp;view=1] erläutert die Wortherkunft des Verbs bewegen in einer Verbindung der physikalischen Bedeutungsebenen von bewegen als räumlicher Positionsveränderung und  Gewichtsbestimmung mit der inneren, emotionalen bzw. mentalen Willens-, Meinungs- oder Perspektivveränderung, die mit dem Verlust von Ruhe – emotional wie physikalisch – verknüpft ist. Als Wortbestandteil verweist die Vorsilbe &amp;quot;be&amp;quot; darauf, „dass eine Person oder Sache mit etwas versehen wird, ist“ [http://www.duden.de/rechtschreibung/be_#Bedeutung2], d.h., dieser Körper ist einem externen Einfluss ausgesetzt. Das Substantiv &amp;quot;Weg&amp;quot; wiederum bezeichnet einen Streifen zum Begehen oder Befahren bzw. eine Richtung, die Strecke, den Gang sowie die Art und Weise des Vorgehens. Die Annäherung an die Wortbedeutung von bewegen unterstützt somit die aus den zwei beschriebenen Stücken abgeleitete Begriffsbestimmung: Durch Einwirkung von außen bzw. Aufwendung von Energie verursacht bewegen als gekoppelt äußerer-innerer Vorgang eine Veränderung der Position, die nicht ohne Verlust von (physikalischer bzw. emotionaler) Ruhe erfolgen kann. Diese Veränderung als messbarer und zugleich symbolischer Weg steht in Beziehung zur zurückgelegten Distanz und der dabei vergangenen Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegtes Publikum'''&lt;br /&gt;
Der Blick auf Wortbedeutungen und Konnotationen macht deutlich, warum bewegen als künstlerisches Arbeits- und Forschungsverfahren doppelt interessant ist und Anknüpfungspunkte für transdisziplinäre Prozesse bietet, die Teilnehmende mit verschiedenen Erfahrungen und Kenntnissen in einen gemeinsamen Erkenntnisweg einzubinden vermag: Bewegen eröffnet die Möglichkeit, im gemeinsamen Zurücklegen eines (metaphorischen oder tatsächlichen) Weges unter Einfluss externer Faktoren und unter Aufwendung von Energie bzw. Einsatz aller Beteiligten durch eine räumliche bzw. innere Positionsveränderung eine neue Perspektive bzw. Erfahrung zu eröffnen. Dies wiederum ist schon immer ein zentrales Anliegen von Theater: Bedingt durch ihre kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste große Erfahrung in der Herstellung von Situationen der Teilhabe (Primavesi 2008: 87). Mit Blick auf bewegen als künstlerischem Verfahren kann die Teilhabe an einer Aufführungssituation als gemeinsamer performativer Weg aller in der Situation Anwesenden verstanden werden, der sich als Wechselverhältnis von bewegen und bewegt werden darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewegungsmaterial'''&lt;br /&gt;
Die Choreographie Wallen (Sebastian Matthias, 2012) geht von emotionalen Regungen als Grundlage tänzerischen, also bewegten Handelns, das mit und durch die Bewegung andere Körper affiziert. Die Zuschauenden sitzen auf Drehstühlen, die in inselartigen Gruppierungen über den Aufführungsraum verteilt sind. Die Drehstühle ermöglichen es, die eigene Perspektive permanent zu verändern und den Tänzern nicht nur mit den Blicken, sondern auch mit dem sich sitzend-drehenden eigenen Körper zu folgen. Damit sind die Zuschauenden in das Bewegungsgeflecht der Aufführung eingebunden. Ähnlich dem LKW in ''Cargo Sofia–X'' ist der Drehstuhl eine Art Transportmittel des Zuschauers. Das Bewegungsmaterial also, das durch seine spezifische Form und Nutzung die (Fort-)Bewegung ermöglicht, aber diese auch in der Art ihrer Bewegungsqualität formt und bedingt. Es ist gleichzeitig Auslöser und Verstärker der inneren sowie physischen Beteiligung der Zuschauenden. Das Bewegungsmaterial kann sowohl Objekt/Körper als auch Text, Thema oder Idee und damit Ausgangspunkt und Anlass von bewegen sein. Die Wahl und Definition des Bewegungsmaterials für den künstlerischen Prozess von bewegen eröffnet dabei eine Zugangsmöglichkeit, die motorische oder tanztechnische Erfahrung nicht als grundlegend für die Beteiligung setzt, sondern vielmehr durch einen niedrigschwelligen Ansatz als transdisziplinäres Verfahren Personen mit unterschiedlichen Erfahrungs- und Wissenshintergründen bereits in den künstlerischen Arbeitsprozess einzubeziehen vermag. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''''Entropisches Institut'''''&lt;br /&gt;
Ausgestattet mit je einem Set beschriebener Karteikarten betritt eine Personengruppe einen Raum, der mit einer rechteckigen, grünen Teppichfläche ausgelegt ist. Jede Karte beinhaltet einen Handlungsvorschlag, den die Teilnehmenden im Laufe des nun folgenden ''Choreographischen Konzerts'' als Teil des &amp;quot;Entropischen Instituts&amp;quot; (deufert&amp;amp;plischke, Berlin 2012) ausführen können. Auch das Tauschen der Karten mit anderen Teilnehmenden ist möglich. In dem Moment, in dem die Gruppe den Raum betritt, werden sie zu Teilnehmenden, zu den Tänzern des Konzerts, das ohne sie nicht stattfinden kann und in dem sie frei sind, den Bewegungsaufforderungen zu folgen. Zuschauen als ausschließliche Funktion ist nicht vorgesehen, vielmehr erfordert das eigene Handeln als Umsetzung der Bewegungsvorschläge auf den Karten das genaue Zusehen und Beobachten der anderen Teilnehmenden im Raum. In den folgenden ca. 20 Minuten entwickelt sich aus den Bewegungsoptionen, die die Karten als Bewegungsmaterial eröffnen, ein komplexes Geflecht choreographischer Bezüge zwischen allen Teilnehmenden. Aus den Bewegungsvorschlägen der Karten – umgesetzt, interpretiert, aktiviert, variiert von den Teilnehmenden – entsteht eine gemeinsame choreographische Komposition, in der es erforderlich ist, auf die Aktionen der anderen Teilnehmenden zu achten. Erst so wird es möglich Handlungsvorschläge umzusetzen, die sich direkt auf Bewegungen anderer Teilnehmer beziehen. Aus (Re-)Aktionen entsteht so eine komplexe, mal dynamischere, mal langsamere Choreographie, die Ensemble-Situationen, Solos, Trios, partnerbezogene Handlungen und Duos herstellt und Bewegungskorrespondenzen und Rhythmen im Raum erzeugt.&lt;br /&gt;
Im Rahmen des gemeinsam von allen im Raum Anwesenden hervorgebrachten choreographischen Konzerts als körperliche und kommunikative Verflechtung der Teilnehmenden erzeugt ''bewegen'' einen gemeinsamen Raum. ''Bewegen'' als künstlerisches Verfahren verbindet so alle Anwesenden als aufmerksam Beobachtende und (Re-)Agierende, und somit als Performende und Zuschauende in einem Re-Aktionsgeflecht, das durch die Handlungsvorschläge der Karteikarten als Bewegungsmaterial initiiert ist und notwendig Zusehen als aktive Haltung und Handlung setzt, die motorischer Aktivität vorausgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilhaben'''&lt;br /&gt;
''Bewegen'' als transdisziplinäres künstlerisches Forschungsverfahren besitzt das Potenzial, Menschen durch die niedrigschwellige Wahl des Bewegungsmaterials mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen, Expertisen und Kenntnissen in künstlerische Arbeits- und Forschungsprozesse einzubeziehen, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu gewinnen, also zu bewegen. Bedingt durch die kopräsente Aufführungssituation haben die performativen Künste Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe sowie Kommunikation innerhalb einer Aufführungssituation, so dass ''bewegen'' ein aus der künstlerischen Praxis heraus anwendbares Verfahren darstellt. In Tanz, Choreographie und Performance wird ''bewegen'' zunehmend zu einem zentralen Verfahren künstlerischer Arbeit und Forschung. Bewegen, sich bewegen, bewegt werden: Als künstlerisches Forschungsverfahren bezieht ''bewegen'' die Beteiligten aktiv, physisch und inhaltlich in den gemeinsamen Prozess ein. Der Körper fungiert dabei als Mittler, als Verbindender zwischen innerer und äußerer Bewegung, welcher die Veränderung der Position in Zeit und Raum und damit die Verschiebung von Perspektiven und eine Erweiterung von Erfahrungen erlebbar werden lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''BIBLIOGRAPHIE'''&lt;br /&gt;
Adorno, Theodor W. (1997): Ästhetische Theorie. Gesammelte Schriften Band 7. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Burrows, Jonathan (2010): A Choreographers’s Handbook. Oxon.&lt;br /&gt;
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.) (2007): Experten des Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin/Köln.&lt;br /&gt;
Van Eickels, Kai/Matzke, Annemarie M./Wortelkamp, Isa (2005): „Bewegen“. In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 33-42.&lt;br /&gt;
Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.) (2005): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart.&lt;br /&gt;
Klein, Gabriele (Hg.) (2004): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. Bielefeld.&lt;br /&gt;
Hans-Thies Lehmann (1999): Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
Primavesi, Patrick (2008): Zuschauer in Bewegung - Rundgänge theatraler Praxis. In: Deck, Jan/Sieburg, Angelika (Hg): Paradoxien des Zuschauens. Die Rolle des Pubikums im zeitgenössischen Theater. Bielefeld, S. 85-106.&lt;br /&gt;
Rancière, Jacques (2009): Der emanzipierte Zuschauer. Wien 2009.&lt;br /&gt;
Roselt, Jens: „Einfühlung“ (2005). In: Fischer-Lichte, Erika/Kolesch, Doris/Warstat, Matthias (Hg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart, S. 83-85.&lt;br /&gt;
Thurner, Christina (2009): Beredete Körper - bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld.&lt;br /&gt;
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		<author><name>Kerstinevert</name></author>	</entry>

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