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		<title>A-Z der transziplinären Forschung - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen</id>
		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T22:17:24Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1.Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
„GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration“: Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2.Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten problematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3.Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon 2004), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4.Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Länder: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5.Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (z.B. Paul Virilio, Michel de Certeau, Michael Hardt und Antonio Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von ''race'', ''class'' oder ''gender'' ausblende (siehe beispielsweise Kaplan 1996).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6.Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgestellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''8.Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Holert/Terkessidis 2005: 102). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck, Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T21:57:55Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1.Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
„GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration“: Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2.Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3.Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4.Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5.Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6.Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''8.Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck, Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen</id>
		<title>Reisen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen"/>
				<updated>2014-05-09T02:21:15Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
 ''GET AWAY! - Ein Crashkurs in Theorie und Praxis der Migration'': Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T02:19:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
 Get Away! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration. Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
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		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T02:19:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
 GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration. Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen</id>
		<title>Reisen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen"/>
				<updated>2014-05-09T02:18:53Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
 GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration: Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen</id>
		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T02:16:47Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
 ''GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration'': Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-09T02:15:05Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.'''Reisen und Wissen'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 ''GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration'': Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2.'''Mobilität und Forschungsreisen'''&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. '''Reisemetaphern'''&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bibliographie'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark (2005): &amp;quot;Was bedeutet Mobilität?&amp;quot;. In: Kölnischer Kunstverein/DOMiT/Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Frankfurt a.M./Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst HGK Zürich (Hg.): ''Projekt Migration'', Köln, S. 98-107. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona (2011): ''Von der Metaphorisierung der Mobilität zum ›Mobility Turn‹''. Working Paper. International Platform for Transdisciplinary Studies on Mobilities. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward (1983): ''The World, the Text and the Critic'', Cambridge (MA). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Reisen</id>
		<title>Reisen</title>
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				<updated>2014-05-08T23:38:56Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==1. '''Reisen und Wissen'''== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 „GET AWAY! – Ein Crash-Kurs in Theorie und Praxis der Migration“: Im Winter 2010 eröffnete die geheimagentur gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine „Auswanderungsberatungsstelle“ in Deutschlands ärmster Stadt, Oberhausen, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Theater. Während vor Ort ein Crash-Kurs in die Kunst der Migration einführte, gab es online ein „E-Learning“-Angebot, in dem Künstler_innen, Wissenschaftler_innen und Migrant_innen in Videos Theorien und Strategien „auf dem Weg zu einer migrantischen Virtuosität“ vorstellten (www.getawayinfo.de). Zudem war die Beratungsstelle, die sich in einem leeren Ladenlokal in der Innenstadt befand, mit Expert_innen in verschiedenen Ländern der Welt vernetzt, mit denen Besucher_innen via Skype kommunizieren konnten. Zum Schluss der Aktion wurden unter allen Teilnehmenden an dem Crash-Kurs drei One-Way-Tickets verlost – als praktische Starthilfe in ein neues Leben anderswo (oder auch nur für einen Urlaub). &lt;br /&gt;
Ausgangspunkt des Projektes war der Zusammenhang von Migration und Wissen: während Wissen bzw. Bildung der Migrant_innen oft als Kategorien verwendet werden, anhand derer manche Migration als sinnvoll, andere als unerwünscht charakterisiert werden kann, und damit auch als ein Ausschlusskriterium, ging es bei „GET AWAY!“ darum, zu zeigen, dass Mobilität und Migration selbst Wissen produzieren – von Alltagspraktiken über politische Strategien zu theoretischen Reflektionen. Dieses Wissen verschiedener Akteure sollte in dem Projekt vor Ort in Oberhausen und über den Einsatz verschiedener Medien auch darüber hinaus gebündelt und weitergegeben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==2. '''Mobilität und Forschungsreisen'''==&lt;br /&gt;
Verschiedene Formen von Mobilität und Reisen – Tourismus, Migration, Business- und Entdeckungsreisen, Pilgerfahrten, Künstlerreisen etc. – werden heute in den verschiedensten Disziplinen erforscht: Anthropologie, Ethnologie, Geographie, Politologie, Soziologie, Philosophie, Kunst- und Kulturwissenschaften wenden sich den verschiedenen Formen der Fortbewegung verstärkt zu, seit die Welt zur „world on the move“ erklärt worden ist und die Sozialwissenschaften den „mobilities turn“ oder das „new mobilities paradigm“ ausgerufen haben. Um die Zusammenhänge der verschiedenen Dimensionen des Reisens zu untersuchen, wird hierbei in letzter Zeit zudem verstärkt ein inter- und transdisziplinärer Forschungsansatz gefordert (siehe Karentzos et al. 2010).  Während diese Erforschung der mobilen Welt auch nach einer mobilen Sichtweise verlangt und „mobile“ Formen der Theoriebildung thematisiert werden, so werden dennoch in der aktuellen Mobilitätsdebatte die eigenen Reisen der Forscher_innen selten thematisiert – Forschungsreisen erscheinen in den oftmals langen Listen verschiedener Formen des Reisens erstaunlicherweise nicht! Und das, obwohl in der Mobilitätsdebatte stets für einen inklusiven Ansatz plädiert wird, der die verschiedenen Formen von Fortbewegung als miteinander verschränkt betrachten soll.  &lt;br /&gt;
Und das, obwohl Wissenschaftler_innen verschiedenster Disziplinen oft auf Forschungsreisen gehen und Reisen ein fester Bestandteil von Forschungspraxis ist – gereist wird zum Wissensgewinn (Forschungsreisen, Expeditionen, Feldforschung) und zur Wissensvermittlung und -dissemination (Vorträge, Konferenzen, Gastlehre). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reisen ist in Förderprogrammen der Forschung fest verankert. Allerdings lässt sich feststellen, dass das Reisen selbst hier selten als Forschungsverfahren Bedeutung erhält, sondern vielmehr Mittel zum Zweck ist: Es gilt, an Ort B – also „dort“ - etwas herauszufinden, was an Ort A – also „hier“ – so nicht herauszufinden ist. Das Reisen dient ausschließlich dazu, eine Anwesenheit an diesem anderen Ort der Forschung zu ermöglichen. Die Reise in das Unbekannte kann hierbei als Metapher für Erkenntnis gelesen werden.&lt;br /&gt;
Während bei Forschungsreisen das Reisen, das Unterwegssein (auch in seiner kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedeutung) also meist ausgeklammert wird, soll der Fokus hier darauf liegen, wie das Reisen selbst zum Forschungsverfahren werden kann – ohne die Bedeutung, die Start und Ziel bei einer Reise haben, aus den Augen zu verlieren. Oder, in anderen Worten: Für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren sind die Reise sowie die bereisten Orte von Bedeutung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==3. '''Kunst, Forschung und Reisen'''==&lt;br /&gt;
Von der Grand Tour bis zu heutigen „artist residencies“ waren und sind Künstlerreisen etablierter Bestandteil von Kunstausbildung und Kunstpraxis. Bei der historischen wie der zeitgenössischen Künstlerreise steht oftmals die Erfahrung (gegenüber der Erforschung) eines anderen Ortes im Vordergrund: „Die Reise gilt als bewährtes und keineswegs aus der Mode gekommenes Instrument der Künstlerwerdung. Grundprinzip ist die Idee der Welt¬erfahrung, eine metaphorisch überhöhte Verortung in der Welt.“ (Schneemann 2010: 83). In Künstlerreisen wird damit eine etablierte Vorstellung des Reisens aufgegriffen: „Reisen erscheint in der Forschung als die paradigmatische Form der ,Erfahrung‘.“ (Bauerkämper et al 2004: 14). &lt;br /&gt;
Ob Erforschung oder Erfahrung – Christian Kravagna beschreibt, wie im 19. und 20. Jahrhundert die künstlerische Reisetätigkeit der ethnographsichen hinsichtlich des Blickes auf das Fremde entspricht: „Wichtig scheint, dass die andere Kultur ihren festen Ort hat, an dem sie als Modell von Differenz bewahrt werden kann. In diesem Sinn ent-spricht die künstlerische Perspektive jener der zeitgenössischen Ethnografie mit ihrer Verweigerung von Gleichzeitigkeit.“ (Kravagna 2010: 68). Dazu kommt, dass diese Reisen bzw. Vorstellungen vom Fremden parallel zu den kolonialistischen Eroberungen der westlichen Großmächte verlaufen – Kravagna spricht hierbei von einer „wechselseitigen Speisung von Imagination und Praxis“ (Kravagna 2010: 63).&lt;br /&gt;
Interessanterweise wird die Parallele zwischen Kunst und Ethnographie vor allem in den letzten Jahrzehnten wichtig für die Kunstheorie, als Hal Foster 1996 berühmterweise ein Konzept von Künstler_innen als Ethnograph_innen entwickelt. Künstlerische Praxis wird hierbei mit der Praxis der Feldforschung verglichen. &lt;br /&gt;
Was jedoch speziell das Reisen angeht, so sieht Kravagna eine „Neuformulierung des ‘artist-as-traveller‘“ vor allem in der „postkolonialen Darstellung der Vervielfältigung von freiwilligen und unfreiwilligen Formen des Unterwegsseins“ (Kravagna 2010: 70). Verschiedene Formen des Unterwegsseins ersetzen hierbei die eine Reise, die laut Kravagna in ihrer Rahmung durch „Abreise und Rückkehr“ stets mit einer westlichen Perspektive verbunden bleibt: „Denn in dieser rekursiven Bewegung wäre das soziale Imaginäre des Westens unterwegs immer präsent.“ (Kravagna 2010: 71). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der  „world on the move“ geht es nicht nur um die eine Reise, die die Künstler_innen unternehmen, sondern um eine vielschichtige Mobilität, an der die Künstler_innen nicht nur aktiv teilhaben, sondern dies in ihren Reisen und Arbeiten darstellen. &lt;br /&gt;
Miwon Kwon entwirft den Begriff des „itinerant artist“ (Kwon), um die Mobilität zeitgenössischer Künstler_innen zu beschreiben. Interessanterweise entwickelt Kwon diesen Begriff vor dem Hintergrund der Site-specific Art: Künstler_innen reisen deshalb soviel, weil die Orte, an denen Kunstprojekte stattfinden, für deren Produktion und Rezeption seit der Minimal Art in den 60er Jahren immer wichtiger werden. [Auch James Meyer beschreibt in diesem Kontext, dass Reisen ein konstitutives Element in der Arbeit  vieler zeitgenössischer Künstlerinnen geworden ist (Meyer 2000).]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==4. '''Itinerant Artists – Francis Alÿs, Christian-Philipp Müller, Heath Bunting... um nur einige zu nennen'''==&lt;br /&gt;
Im Jahr 1997 macht der belgische Künstler Francis Alÿs, der in Mexiko lebt, einen größtmöglichen Umweg, um von Tijuana in Mexiko nach San Diego in die Staaten zu kommen: Einen direkten Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA vermeidend, reist er über Australien, Asien und Kanada in die USA ein – einmal um den Globus. Dokumentiert ist die Reise mit einer Postkarte, die ein Bild des Meeres zeigt (kein Land in Sicht) und auf der Rückseite ein Diagramm seiner Route mit einer kurzen Erklärung: „The project remained free and clear of all critical implications beyond the physical displacement of the artist.“ (Alÿs 1997). Reisen wird zu einer exzessiven, sich verausgabenden Geste – maximaler Aufwand, minimales Resultat -, die in der Demonstration der Reisefreiheit des Künstlers (einmal um den Globus) auch die Restriktionen aufzeigt, denen das Reisen sonst oft unterliegt: die Grenze zwischen Mexiko und den USA stellt für viele ein unüberwindbares Hindernis dar. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1993 überquert Christian Philipp Müller für Green Border, seinen Beitrag für den österreichischen Pavillon in Venedig, die Grenzen von Österreich in die acht benachbarten Ländern: Fotos zeigen ihn in Wanderausrüstung durch eine Waldlichtung spazieren oder über kleinen Bach springen, die Bildunterschrift beschreibt den entsprechenden Grenzübertritt, z.B. „Illegal Bordercrossing between Austria and Czechoslovakia“ (der Grenzübertritt, bei dem Müller und sein Assistent übrigens festgenommen wurden). Hier wird nicht nur die Kontrollfunktion der Grenze deutlich, sondern auch die Kontingenz dieser Kontrolle – als EU-Innengrenze ist die Grenze zwischen Österreich und Tschechien (auch der Staat Tschechoslowakei existiert nicht mehr) heute legal passierbar (vorausgesetzt, man geniesst Reisefreiheit im Schengenraum). Grenzen sind polysemisch – sie haben unterschiedlich Bedeutungen für denjenigen, der sie überquert, und ihre Bedeutung ist ständig veränderbar (siehe Balibar 2000). In ihren Reisen (die, und dies sei am Rande erwähnt, beide nicht zielorientiert sind) erforschen Alÿs als auch Müller die physischen und politischen Realitäten von Grenzen (im Gegensatz zur metaphorischen Grenzüberschreitung – ein Bild, das auch oft in der Kunst verwendet wird).&lt;br /&gt;
Der britische Künstler und Medienaktivist Heath Bunting widmet sich in seinem BorderXing Projekt ganz konkret der Erforschung der europäischen Grenzen: er dokumentiert seine Grenzübertritte (die ebenso wie Müllers in der Landschaft, nicht an vorgesehenen Grenzübergängen stattfinden) in Form von Tipps, Strategien und praktischen Hinweisen für illegale Grenzübertritte, die er im Netz zur Verfügung stellt. &lt;br /&gt;
In ihren Reiseprojekten setzen Alÿs, Müller und Bunting verschiedene Formen des Reisens, die unterschiedlichen Motivationen und Zwängen folgen, in Beziehung zueinander: die Künstlerreise (alle sind für Kunstprojekte unterwegs), die touristische Reise (Müller erinnert auf seinen Fotos z.B. stark an einen Urlauber), Migration und Flucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==5. '''Reisemetaphern'''==&lt;br /&gt;
Ramona Lenz beschreibt, dass im Zuge des Mobility Turn Mobilitäten nicht nur zum Forschungsgegenstand wurden, sondern dass zudem „über Disziplinengrenzen hinweg gezielt mobiltätsbezogene Metaphern“ (Lenz 2011: 2) eingeführt wurden. Durch Metaphorisierung wird Mobilität zu einem Werkzeug, die Welt zu sehen, und zu einem Denkmodell. Edward Said, beispielsweise, entwirft das Modell der „travelling theory“: laut Said bilden und entwickeln sich Theorien weiter, indem sie sich von Person zu Person, von Ort zu Ort bewegen – kurz, indem sie reisen. Reise ist hier als ein Grundmoment für Theoriebildung beschrieben. Ein Moment, den auch James Clifford hervorhebt: &amp;quot;Theory&amp;quot; is a product of displacement, comparison, a certain distance. To theorize, one leaves home.“ (Clifford 1989) Doch Clifford problematisiert in der Metapher der Reise auch die Herstellung von Theorien, insbesondere im postkolonialen Kontext: „But how is theory appropriated and resisted, located and displaced? How do theories travel among the unequal spaces of postcolonial confusion and contestation? What are their predicaments? How does theory travel and how do theorists travel? Complex, unresolved questions.“ (Clifford 1989). Bei der Vorstellung von Theoriebildung als reisen geht es jedoch nicht um eine Loslösung der Theorien von ihren spezifischen Kontexten: „Theory is always written from some &amp;quot;where&amp;quot;, and that &amp;quot;where&amp;quot; is less a place than itineraries: different, concrete histories of dwelling, immigration, exile, migration.“ (Clifford 1989).  Auch hier zeigt sich: Reisen ver- und entortet immer gleichzeitig. &lt;br /&gt;
Dabei gehen Metaphern der Mobilität (und auch der Sesshafitgkeit) oftmals mit Wertungen einher: Gilles Deleuze und Félix Guattari führen berühmterweise das Modell des Nomadischen ein, um fixierte Kategorien und Strukturen infragezustellen und zu überwinden – Bewegungen werden zur primären Raumordnung (und nicht mehr die Orte). Dieses Modell wird von vielen Denker_innen aufgenommen (Braidotti, Hardt/Negri), um sich damit  in ihren Theorien gegen festgelegte Identitäten zu wehren oder eine Welt „im Fluss“ zu beschreiben. Gleichzeitig problematisieren Kritiker_innen die Figur des Nomadischen, da sie materielle und körperliche Gegebenheiten des Reisens ignoriere und damit Machtverhältnisse und Fragen von race, class oder gender ausblende (Kaplan, Tsing).  &lt;br /&gt;
Doch – wie Lenz ausführt – lassen sich Metaphern und Realitäten des Reisens nicht einfach voneinander trennen: „[Metaphern] sind [...] grundlegend für das Handeln in der Welt und können eine materiell wirksame Macht entfalten, indem über die definiert wird, was wahr ist und was nicht. [...]Die Erforschung und Theoretisierung von Mobilität kommt ohne die Anerkennung von Körperlichkeit und Materialität nicht aus. Um der Vielfalt der Mobilitätspraxen und –konzepte gerecht zu werden, müssen ForscherInnen und erkenntnisleitende Metaphern aber gleichzeitig in Bewegung bleiben. Der mobility turn und seine Metaphern müssen immer wieder auf Potenziale, Grenzen und Gefahren beim Verstehen, Erklären und Beeinflussen der Welt überprüft werden.“(Lenz 2011: 23/24). Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren zu verstehen heißt auch, die Beziehung zwischen der Reise als Denkfigur und der physischen Reise in den Blick zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==6. '''Lone Twin – „Wenn einer eine Reise tut...“'''==&lt;br /&gt;
2007 feiert das britische Performanceduo Lone Twin (Gregg Whelan und Gary Winters) sein neunjähriges Bestehen mit der Performance Nine Years. Die Performance – ein Rückblick auf die verschiedenen Projekte und Arbeiten – ist ein Reisebericht: die gemeinsame Arbeit wird als neunjährige Reise dargestellt, und gleichzeitig sind die vorgsetellten vergangenen Arbeiten Reiseprojekte. Für Lone Twin bedeutet Reisen vor allem, Geschichten zu sammeln und andere Leute zu treffen, denn die Geschichten handeln in erster Linie nicht von Gregg und Gary selbst, sondern von den Leuten, denen sie auf ihren Reisen begegnen. Durch die Regeln und Parameter, die ihren Reisen zugrunde liegen – entlang einer geraden Linie einen Telegraphenmast durch eine Ortschaft tragen, 24 Stunden auf einer Brücke auf und ab gehen, 72 Stunden lang alle Straßen von Nottingham abgehen – öffnen sich Lone Twin radikal der Begegnung mit anderen: Sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und setzen sich Anstrengungen und Belastungen aus, die Passantinnen oftmals motivieren, ihnen zu helfen oder Gesellschaft zu leisten. In der Erfahrung des Reisens findet damit eine Perspektivenverschiebung statt: es geht nicht mehr um die Erfahrungen der Reisenden und um deren Blicke auf die anderen, sonders es geht um die anderen, die ebenfalls unterwegs sind und somit zu Mitreisenden werden. Doch diese Perspektiven überlagern sich: Lone Twin erzählen von ihren Reisen durch die anderen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=='''7. Reisen und Dokumentation – „so kann er was erzählen“'''==&lt;br /&gt;
Reisen und Dokumentation gehen miteinander einher: wer reist, fotografiert, filmt, führt Tagebuch, schreibt Postkarten und kauft Souvenirs. Die Reiseerfahrung soll nicht nur festgehalten werden, sondern mit anderen geteilt werden. Für Susan Sontag ist Tourismus der Zwillingsbruder der Fotografie [reference]. Während in der Tourismusforschung oftmals eher das visuelle Element betont wird (siehe beispielsweise John Urry’s ''The Tourist Gaze''), steht in der Ethnologie das Schreiben im Vordergrund. Clifford Geertz prägt in diesem Zusammenhang die Idee der „thick description“ und beschreibt ethnologische Reiseberichte folgendermaßen: „Die übergreifende Form […] ist die Geschichte einer Suche: der Abschied von ver¬trauten, langweiligen, merkwürdig bedrohlichen Gestaden; die mit Abenteuern verbundene Reise in eine andere, dunklere Welt voller vielfältiger Phantasiegebilde und seltsamer Offenbarungen; das krönende Mysterium, das absolute Andere […]; die Rückkehr in die Heimat, um, ein wenig wehmütig, den Verständnislosen, die ereignislos zurückgeblieben sind, Geschichten zu erzählen.“ (Geertz 1993:48) &lt;br /&gt;
Reisen produziert nicht nur Geschichten, sondern die Reise selbst wird zum Narrativ – hier das Narrativ einer Erkenntnis. &lt;br /&gt;
Im Hinblick auf Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren ergeben sich daraus zwei Punkte:&lt;br /&gt;
Erstens: die Tätigkeit des Dokumentierens ist den verschiedenen Formen des Reisens immanent und verbindet somit das Reisen als Alltagspraxis, als künstlerische Praxis und als Forschungspraxis. &lt;br /&gt;
Zweitens: beim Reisen geht es somit auch immer um Formen des Dokumentierens und Repräsentierens, und zwar nicht erst im Nachhinein, sondern als dessen integraler Bestandteil – was auch bedeutet, dass schon während der Reise die Adressierung einer künftigen Öffentlichkeit zumindest mitgedacht werden muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==8.'''Mobilität als An- und Abwesenheit'''==&lt;br /&gt;
„Mobilität ist ein Zustand, in dem Individuen an einem Ort anwesend sind und gleichzeitig auch abwesend bzw. sich zugleich an einem anderen Ort aufhalten [...]. Mobilität wäre also weder Beweglichkeit noch Bewegung, ihre Besonderheit läge vielmehr darin, ein Zustand der anwesenden Abwesenheit.“ (Terkessidis / Holert). So lautet Mark Terkessidis’ und Tom Holerts Definition von der „world on the move“. Ob man ihrem Verständnis von Mobilität als „Zustand“ jetzt folgen mag oder nicht , ihr Konzept der „anwesenden Abwesenheit“ fügt der Mobilitätsdebatte, die  sich meist zwischen Begriffen wie Verortung und Bewegung positioniert, einen interessanten Aspekt hinzu. &lt;br /&gt;
Auch für das Reisen als transdisziplinäres Forschungsverfahren eröffnen sich hier Fragestellungen – wie bin ich anwesend abwesend – und Arbeitsweisen – wie forsche ich mit An- und Abwesenden. &lt;br /&gt;
Reisen wird dann nicht nur das Mittel um von A nach B zu kommen, und an B zu forschen, sondern Reisen ermöglicht es, gleichzeitig an A, B und dazwischen zu forschen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=='''Bibliographie'''==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Balibar, Étienne (2000): ''Politics and the Other Scene''. London/New York. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bauerkämper, Arnd/Bödeker, Hans Erich/Struck; Bernhard (Hg.) (2004): ''Die Welt erfahren. Reisen als kulturelle Begegnung von 1780 bis heute'', Frankfurt/Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Clifford, James (1989): &amp;quot;Notes on Theory and Travel&amp;quot;. In: Clifford, James/Dhareshwar, Vivek (Hg.): ''Travelling Theories, Travelling Theorists'', Inscriptions 5. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Deleuze, Gilles/Guattari, Félix (1992). ''Tausend Plateaus'', Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Geertz, Clifford (1993): ''Die künstlichen Wilden. Der Anthropologe als Schriftsteller'', Frankfurt/Main. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Holert, Tom/Terkessidis, Mark&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kaplan, Caren (1996): ''Questions of Travel: Postmodern Discourses of Displacement'', Durham/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kravagna, Christian (2010): &amp;quot;The Artist as Traveller. Aus den Reisealben der (Post-)moderne&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 60-79.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Kwon, Miwon (2004): ''One Place after Another: Site-Specific Art and Locational Identity'', Cambridge (MA)/London. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Lenz, Ramona&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Meyer, James (2000): &amp;quot;Nomads: Figures of Travel in Contemporary Art&amp;quot;. In: Coles, Alex (Hg.): ''Site-Specficity: The Ethnographic Turn'', de-, dis,-, ex-, Volume 4, London, S.10-26. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Said, Edward&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schneemann, Peter (2010): &amp;quot;'Miles and More': Welterfahrung und Weltentwurf des reisenden Künstlers in der Gegenwart&amp;quot;. In: Karentzos, Alexandra/Kittner, Alma-Elisa/Reuter, Julia (Hgg.) (2010): ''Topologien des Reisens. Tourismus-Imagination-Migration'', Trier, S. 80-89.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Sonntag, Susan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Urry, John (1990): ''The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies'', London.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Beschreiben</id>
		<title>Beschreiben</title>
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				<updated>2012-09-10T10:59:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''' &lt;br /&gt;
== BESCHREIBEN ==&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Beschreibens kann in vieler Hinsicht als ein produktives Verfahren im Bereich transdisziplinärer Forschung angesehen werden. In seiner konjugierbaren Veränderbarkeit stellt das Verb beschreiben gleich mehrere Vorgänge und Zustände dar: sowohl schriftliche als auch mündliche, sowohl persönliche als auch kollektive, sowohl intentionale als auch materielle. Allerdings geht es in den folgenden Ausführungen weniger um theoretische Konzepte und wissenschaftliche Methoden, als um verschiedene konkrete Ansätze, die insbesondere in der Praxis der performativen Künste angewendet werden. Im Zentrum steht dabei sowohl die Darstellung exemplarischer Einzelfälle als auch die Ethik die jeweils dem Akt des Beschreibens zugrunde liegt. Ähnlich wie bei der von Clifford Geertz für die ethnologische Feldforschung begründete ’Dichte Beschreibung’ (thick description) ist keiner der praktischen Ansätzen darauf aus, universalistische Aussagen zu treffen, vielmehr soll mit Hilfe qualitativer Beobachtung und Analyse kultureller Systeme gerade das ’lokale Wissen’ anerkannt und beschrieben werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Vergl. Geertz, Clifford (1973): Thick Description, Toward an Interpretive Theory of Culture. In: Ders., The Interpretation of Culture, Selected essays, New York, S. 3-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gehandelt wird nach einem offenen Kulturbegriff, bei dem soziale und kulturelle Phänomene ständig neuen Interpretationen unterliegen und ihre Deutung (oder vielmehr ihre zeichenhafte Bedeutung) jeweils untrennbar mit einem spezifischen Kontext und einer bestimmten Perspektive verbunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1	Bezugspunkt, Sprache, Existenz'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Tisch beim Felix Meritis Theater unterm Dach, mit Aussicht auf Amsterdam. Eine Art Klausur. Vielleicht sogar eine Zäsur. Es gibt nur diese Vermutung dass etwas Neues passiert, dass sich das Theater sich auf neuartige Weise offenbart, neue Dramaturgien erforscht. So fremd, so anders, dass noch kaum darüber gesprochen werden kann. Dass auf jeden Fall die bisher nützlichen Worte unzureichend erscheinen und aufgehört haben zu funktionieren. In Amsterdam, in Berlin, in Frankfurt, in Wien und vor allem auch in Brüssel, überall da wo seit geraumer Zeit Europäisch koproduziert wurde und wo das einschlägige Fachblatt Theaterschrift gewirkt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Theaterschrift ist eine viersprachige Publikation, die von 1993-1998 unter redaktioneller Leitung von Marianne van Kerkhoven von mehreren europäischen Koproduzenten herausgegeben wurde: Kaaitheater/Brüssel, Hebbel Theater/Berlin, Theater am Turm/Frankfurt am Main, Felix Meritis/Amsterdam, Wiener Festwochen/Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Beteiligt sind die Vertreter einer neuen Generation: Marianne van Kerkhoven, Knut Ove Arntzen, Dragan Klaiç, Josette Féral, Jean-Marc Adolphe, Ritsaert ten Cate, Erwin Jans... und auch Hans-Thies Lehmann, der 1993 noch wie alle mit den Begriffen ringt und sich noch nicht auf diesen einen festgelegt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es herrscht viel Schweigen, Ansätze werden ausprobiert. Man hat Zeit, und eigentlich kein Ziel, nur den Wunsch nach einer Form. Die Idee war schließlich einfach. Man wird sich auf die Suche machen nach einem neuen Vokabular, neuen Stichwörtern und Denkbildern. Spielerisch, subjektiv, aufgereiht, eingesammelt, unredigiert. Es gilt ein offenes Wörterbuch zu erstellen, in dem alle Betrachtungen nebeneinander bestehen dürfen und alles gezeigt werden kann. Die einzige Prämisse ist: es muss beschrieben werden WAS IST und nicht – ex negativo - was NICHT ist. Kein Anti-Theater. Sondern selbstbewusste Behauptungen. Anschließend gab es Vieles. Erfindungen und Neuinterpretationen. Versuche und Definitionen. Absence zum Beispiel. „With it maybe the following words might be added: respect, sensuality, homework, subtlety, tenderness, calmth, dignity, patience. Warmly recommended.“ (Ten Cate 1994: 37)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entstanden ist letztendlich die enzyklopädische Publikation ’Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie’ und der entschiedene Wunsch, dem neuen Theater eine Sprache zu geben. Der belgische Dramaturg Erwin Jans hat damals notiert: „Erhält man eine Sprache, so erhält man eine Existenz, einen Bezugspunkt, eine Möglichkeit zum Dialog und zur Entwicklung.“ (Jans 1994: 52)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2	Von Landschaft zu Interaktion'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine Landschaft zwischen Steppe und Savanne, der Himmel preußisch blau, zwei riesige Wolken schwimmen darin, wie von Drahtskeletten zusammengehalten, jedenfalls von unbekannter Bauart, die linke größere könnte ein Gummitier aus einem Vergnügungspark sein, das sich von seiner Leine losgerissen hat, oder ein Stück Antarktis auf dem Heimflug, am Horizont ein flaches Gebirge, rechts in der Landschaft ein Baum, bei genauerem Hinsehen sind es drei verschieden hohe Bäume, pilzförmig, Stamm neben Stamm, vielleicht aus einer Wurzel, das Haus im Vordergrund mehr Industrieprodukt als Handwerk, wahrscheinlich Beton...“ (Müller 1985: 7) Heiner Müller, nennt seinen Theatertext Bildbeschreibung eine Übermalung. Fern von dem statischen Realismus klassischer Landschaftsmalerei findet er in der Beschreibung einer Zeichnung Freiräume für eine prozesshafte Entwicklung. Ein Bild stellt das andere in Frage, die Optiken wechseln, bis der Betrachter selbst in Frage gestellt wird: „Das kann jeder machen, mehr oder weniger gut und jeder anders. Die avancierteste Kunst ist die demokratischste, jeder Mensch kann ein Bild beschreiben, die Beschreibung produziert neue Bilder, es ist ein Spielmodell.“ (Müller 1992: 343)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor Müller mag einsam an seinem Schreibtisch gesessen haben. Und auch die Theaterschrift Enzyklopädie hat vom Ereignis losgelöste Textdokumente hinterlassen. Erweitern lässt sich das Verfahren des Beschreibens vor allem als Teil einer sozialen Interaktion. Als regelrechte Vermittlungsarbeit bei ungewöhnlichen Kooperationen. Da, wo eine unerprobte Gruppe aufeinandertrifft, die ein bestimmtes Interesse miteinander teilt. Wo Zusammenarbeit allerdings auch immer mit Unverständnis und Klärungsbedarf einher geht. &lt;br /&gt;
Beschreiben ist dabei ein unerlässliches Gesprächsangebot. Ein kurzfristiges Benennen. Eine Einladung zur Darstellung. Definitionen werden herausgezögert. Noch muss niemand überzeugt werden. Es braucht keinen Konsens. Eher Neugierde, Widerspruch, Gegensätze, die die Auseinandersetzung herausfordern. Warum soll man sich das nicht ganz praktisch vor Augen führen? Bruno Latour stellt sich in Science in Action eine Reihe von Situationen vor, in denen er sich den Umständen widmet unter denen Wissenschaftler gehandelt haben und wissenschaftliche Ergebnisse zustande gekommen sind. Nicht das Resultat steht im Mittelpunkt seiner Umschreibungen sondern die sozialen Momente „before the box closes and becomes black“. (Latour 1987: 21)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine hybride Gruppe von Künstler und Theoretikern begegnen einander in unregelmäßigen Abständen zur gemeinsamen Arbeit im Studio. Mal in Amsterdam, London, Madrid, Graz, oder in PAF. Paz Rojo, Manuela Zechner und Anja Kanngieser veranstalten seit 2008 sogenannte Vocabulaboratories: kollektive Zusammenkünfte in denen Begrifflichkeiten aus der Praxis heraus entwickelt werden. Täglich werden als Teil der Performancearbeit ’Entries’ und ’Access Points’ notiert, Zeichnungen angefertigt, Skizzen gemacht, subjektive Erfahrungen und Erkenntnisse aufgezeichnet und direkt in einem gemeinsamen Wiki füreinander bereitgestellt: a vocabulary of doing. Wechselwirkung und Gegenseitigkeit sind hier der zentrale Motor, um mit Hilfe von Worten und Bildern aus sich heraus zu treten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dynamik bringt eine Bewegung zustande, in der Beschreibungen wie Gespräche funktionieren. Zwischen der eigenen Person und einem anderen. Zwischen dem Gegenüber und dem Selbst. Beschreibungen sind hier kein losgelöstes Ziel, sondern Mittel - nicht Endprodukt, sondern Prozess. Die Amsterdamer Teilnehmerin Sher Doruff erinnert sich: „I was struck by the qualities of attention given the dynamic relations between emerging terminologies and performative actions, between forms of content and forms of expression, between the visible and the articulable, between light and language.” (Doruff 2008: 158)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3	Antiautoritär und basisdemokratisch'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch einmal soll in Anlehnung an die topografische Lagebeschreibung (wie etwa von Müller vorgeführt) die Frage nach der Position des Betrachters gestellt werden. Der englische Theatermacher und Performance Studies Professor Mike Pearson unterscheidet in seinem Buch „In Comes I“: Performance, Memory and Landscape zwischen dem distanzierten Beobachter und dem engagierten Insider, der ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu seinem Objekt entwickelt hat, sei es ein Ort, eine Erinnerung, oder eine Situation.&amp;lt;ref&amp;gt;Vergl. Pearson, Mike (2007): „In Comes I“: Performance, Memory and Landscape&amp;quot;, Exeter.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits in seiner Studie Theatre/Archeology hebt Pearson die Bedeutung der persönlichen Erzählung von Zeitzeugen hervor und zweifelt an der Darstellbarkeit eines großen Ganzen: „Could documentation be more a collage of these deep but fragmented observations, rather than ‘the big picture’?” (Pearson/Shanks 2001: 63) Selbst hat er zusammen mit dem Archäologen Michael Shanks ein Verfahren zur performativen Ortsbestimmung entwickelt, das sogenannte „Deep Mapping“, das als Lecture Performance verschiedene Genres und Medien miteinander kombiniert. „Theatre/Archaeology becomes part of an integrated, social and political practice active in the creation of personal, communal, local and national identities, a practice unafraid to be sensual, interpretive, romantic.” (Pearson/Shanks 2001: 162)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen ist also eine Frage der Perspektive. Und jeder sieht einzeln. Vor kurzem hat der amerikanische Kunsthistoriker Terry Barrett den angehenden Kunstpädagogen an der Amsterdamer Kunsthochschule eine provozierende Methode vorgeschlagen. Sie sollten doch endlich als allwissende Autorität zurücktreten und stattdessen Kinder, Schüler oder Museumsbesucher ermutigen, sich von ihnen zu emanzipieren und bei der Betrachtung von Kunstwerken ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. An die Stelle des herkömmlichen Unterrichts soll seiner Ansicht nach ab sofort eine sokratisches Gespräch treten, bei dem jegliche Bewertung der Beobachtung außen vor bleibt und Barrett unermüdlich fragt: „What do you see? What does it mean? How do you know?“ (Barrett 2010: 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Susan Sontag hätte ihre Freude. In ihrem Klassiker, Against Interpretation, fordert sie bereits die Arroganz der Deutungshoheit heraus: „What is important now is to recover our senses. We must learn to see more, to hear more, to feel more… What is needed is a vocabulary - a descriptive, rather than prescriptive, vocabulary - for forms.” (Sontag 2008: 158)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht gibt es eine Reihenfolge, und ist das Beschreiben als transdisziplinäres Verfahren nichts anderes als ein erster, basisdemokratischer Akt. Ein ursprüngliches Instrument um Sachverhalte und Begrifflichkeiten unmittelbar auszutauschen und zu veröffentlichen. Vielleicht ist es sogar eine unkomplizierte Form der Anhörung, bevor neue Verbindungen entstehen können. „What do you see? What does it mean? How do you know?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4	Spielerische Materialisierung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass (vor allem verbale) Beschreibungen nicht immer unberührt und unangetastet bleiben müssen zeigt eine Art Umkehrschluss, der Versuch einer spielerischen Materialisierung intellektueller Beiträge. Eine weitere Konferenz, wieder Künstler, Dramaturgen und Wissenschaftler an einem Tisch. Diesmal wird gefragt: was kommt nach dem postdramatischen Theater, After Theatre? Und dabei wird so ganz nebenbei die Bedeutung der Wörter enthierarchisiert. Vorträge, Statements, Diskussionen zerfallen als Live-Blog willentlich in 2421 Stichwörter, und bilden als visualisierte Database wieder neue Inhalte ab. Das neuartige &amp;lt;Anarchive/&amp;gt; entzieht sich der ursprünglichen Intention der Konferenz und erschließt bisher ungestellte Fragen: Wer kam am meisten zu Wort? In welchen Städten waren die Sprecher zuhause? Welche Wörter wurden am meisten wiederholt? Welche Sprache war vorherrschend? Und schließlich, in welcher Zeitform haben sich die Teilnehmer ausgedrückt? Habe sie sich vor allem in der Gegenwart aufgehalten, der Vergangenheit, oder der Zukunft? &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;Anarchive/&amp;gt;’ war Teil der Konferenz ‘Na(ar) het theater, After Theatre?’ und wurde anschliessend als Publikation veröffentlicht: Hoogenboom, Marijke und Karschnia, Alexander (Hg.) (2007): Na(ar) het theater, After Theatre?, Supplements to the international conference on postdramatic theatre, Amsterdam. www.ahk.nl/lectoraten/kunstpraktijk/coproducties-en-projecten/after-theatre/&lt;br /&gt;
www.nielsschrader.de/anarchivcont.html&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zusammenfassung einer Konferenz als automatisierte Übermalung, macht das Sinn? Zumindest bietet eine solche Anschreibung, Unterschreibung, Verschreibung, Umschreibung, Abschreibung, Beschreibung eine offene, anschauliche Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliographie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barrett, Terry (Hg.) (2010): Art works, People respond to contemporary art, Deventer/Amsterdam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doruff, Sher (2008): A Vocabulary of Doing. In: Vocabulaboratories, Hg. Anja Kanngieser, Paz Rojo, Manuela Zechner, Amsterdam, S. 156-170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jans, Erwin (1994): Reden über Stille. In: Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie, Hg. Marianne van Kerkhoven, Brussel, S. 44-57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latour, Bruno (1987): Science in Action, Massachusetts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müller, Heiner (1985): Shakespeare Factory 1, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müller, Heiner (1992): Krieg ohne Schlacht, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pearson, Mike and Shanks, Michael (2001): Theatre/Archeology, London/New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sontag, Susan (2001): Against Interpretation. In: Ders., Against Interpretation and Other Essays, New York, S. 3-14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ten Cate, Ritsaert (1994): Absence. In: Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie, Hg. Marianne van Kerkhoven, Brussel, S. 37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Beschreiben</id>
		<title>Beschreiben</title>
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				<updated>2012-09-10T10:49:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''==BESCHREIBEN=='''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tätigkeit des Beschreibens kann in vieler Hinsicht als ein produktives Verfahren im Bereich transdisziplinärer Forschung angesehen werden. In seiner konjugierbaren Veränderbarkeit stellt das Verb beschreiben gleich mehrere Vorgänge und Zustände dar: sowohl schriftliche als auch mündliche, sowohl persönliche als auch kollektive, sowohl intentionale als auch materielle. Allerdings geht es in den folgenden Ausführungen weniger um theoretische Konzepte und wissenschaftliche Methoden, als um verschiedene konkrete Ansätze, die insbesondere in der Praxis der performativen Künste angewendet werden. Im Zentrum steht dabei sowohl die Darstellung exemplarischer Einzelfälle als auch die Ethik die jeweils dem Akt des Beschreibens zugrunde liegt. Ähnlich wie bei der von Clifford Geertz für die ethnologische Feldforschung begründete ’Dichte Beschreibung’ (thick description) ist keiner der praktischen Ansätzen darauf aus, universalistische Aussagen zu treffen, vielmehr soll mit Hilfe qualitativer Beobachtung und Analyse kultureller Systeme gerade das ’lokale Wissen’ anerkannt und beschrieben werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Vergl. Geertz, Clifford (1973): Thick Description, Toward an Interpretive Theory of Culture. In: Ders., The Interpretation of Culture, Selected essays, New York, S. 3-30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gehandelt wird nach einem offenen Kulturbegriff, bei dem soziale und kulturelle Phänomene ständig neuen Interpretationen unterliegen und ihre Deutung (oder vielmehr ihre zeichenhafte Bedeutung) jeweils untrennbar mit einem spezifischen Kontext und einer bestimmten Perspektive verbunden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1	Bezugspunkt, Sprache, Existenz'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Tisch beim Felix Meritis Theater unterm Dach, mit Aussicht auf Amsterdam. Eine Art Klausur. Vielleicht sogar eine Zäsur. Es gibt nur diese Vermutung dass etwas Neues passiert, dass sich das Theater sich auf neuartige Weise offenbart, neue Dramaturgien erforscht. So fremd, so anders, dass noch kaum darüber gesprochen werden kann. Dass auf jeden Fall die bisher nützlichen Worte unzureichend erscheinen und aufgehört haben zu funktionieren. In Amsterdam, in Berlin, in Frankfurt, in Wien und vor allem auch in Brüssel, überall da wo seit geraumer Zeit Europäisch koproduziert wurde und wo das einschlägige Fachblatt Theaterschrift gewirkt hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Theaterschrift ist eine viersprachige Publikation, die von 1993-1998 unter redaktioneller Leitung von Marianne van Kerkhoven von mehreren europäischen Koproduzenten herausgegeben wurde: Kaaitheater/Brüssel, Hebbel Theater/Berlin, Theater am Turm/Frankfurt am Main, Felix Meritis/Amsterdam, Wiener Festwochen/Wien.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Beteiligt sind die Vertreter einer neuen Generation: Marianne van Kerkhoven, Knut Ove Arntzen, Dragan Klaiç, Josette Féral, Jean-Marc Adolphe, Ritsaert ten Cate, Erwin Jans... und auch Hans-Thies Lehmann, der 1993 noch wie alle mit den Begriffen ringt und sich noch nicht auf diesen einen festgelegt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es herrscht viel Schweigen, Ansätze werden ausprobiert. Man hat Zeit, und eigentlich kein Ziel, nur den Wunsch nach einer Form. Die Idee war schließlich einfach. Man wird sich auf die Suche machen nach einem neuen Vokabular, neuen Stichwörtern und Denkbildern. Spielerisch, subjektiv, aufgereiht, eingesammelt, unredigiert. Es gilt ein offenes Wörterbuch zu erstellen, in dem alle Betrachtungen nebeneinander bestehen dürfen und alles gezeigt werden kann. Die einzige Prämisse ist: es muss beschrieben werden WAS IST und nicht – ex negativo - was NICHT ist. Kein Anti-Theater. Sondern selbstbewusste Behauptungen. Anschließend gab es Vieles. Erfindungen und Neuinterpretationen. Versuche und Definitionen. Absence zum Beispiel. „With it maybe the following words might be added: respect, sensuality, homework, subtlety, tenderness, calmth, dignity, patience. Warmly recommended.“ (Ten Cate 1994: 37)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entstanden ist letztendlich die enzyklopädische Publikation ’Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie’ und der entschiedene Wunsch, dem neuen Theater eine Sprache zu geben. Der belgische Dramaturg Erwin Jans hat damals notiert: „Erhält man eine Sprache, so erhält man eine Existenz, einen Bezugspunkt, eine Möglichkeit zum Dialog und zur Entwicklung.“ (Jans 1994: 52)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2	Von Landschaft zu Interaktion'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Eine Landschaft zwischen Steppe und Savanne, der Himmel preußisch blau, zwei riesige Wolken schwimmen darin, wie von Drahtskeletten zusammengehalten, jedenfalls von unbekannter Bauart, die linke größere könnte ein Gummitier aus einem Vergnügungspark sein, das sich von seiner Leine losgerissen hat, oder ein Stück Antarktis auf dem Heimflug, am Horizont ein flaches Gebirge, rechts in der Landschaft ein Baum, bei genauerem Hinsehen sind es drei verschieden hohe Bäume, pilzförmig, Stamm neben Stamm, vielleicht aus einer Wurzel, das Haus im Vordergrund mehr Industrieprodukt als Handwerk, wahrscheinlich Beton...“ (Müller 1985: 7) Heiner Müller, nennt seinen Theatertext Bildbeschreibung eine Übermalung. Fern von dem statischen Realismus klassischer Landschaftsmalerei findet er in der Beschreibung einer Zeichnung Freiräume für eine prozesshafte Entwicklung. Ein Bild stellt das andere in Frage, die Optiken wechseln, bis der Betrachter selbst in Frage gestellt wird: „Das kann jeder machen, mehr oder weniger gut und jeder anders. Die avancierteste Kunst ist die demokratischste, jeder Mensch kann ein Bild beschreiben, die Beschreibung produziert neue Bilder, es ist ein Spielmodell.“ (Müller 1992: 343)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor Müller mag einsam an seinem Schreibtisch gesessen haben. Und auch die Theaterschrift Enzyklopädie hat vom Ereignis losgelöste Textdokumente hinterlassen. Erweitern lässt sich das Verfahren des Beschreibens vor allem als Teil einer sozialen Interaktion. Als regelrechte Vermittlungsarbeit bei ungewöhnlichen Kooperationen. Da, wo eine unerprobte Gruppe aufeinandertrifft, die ein bestimmtes Interesse miteinander teilt. Wo Zusammenarbeit allerdings auch immer mit Unverständnis und Klärungsbedarf einher geht. &lt;br /&gt;
Beschreiben ist dabei ein unerlässliches Gesprächsangebot. Ein kurzfristiges Benennen. Eine Einladung zur Darstellung. Definitionen werden herausgezögert. Noch muss niemand überzeugt werden. Es braucht keinen Konsens. Eher Neugierde, Widerspruch, Gegensätze, die die Auseinandersetzung herausfordern. Warum soll man sich das nicht ganz praktisch vor Augen führen? Bruno Latour stellt sich in Science in Action eine Reihe von Situationen vor, in denen er sich den Umständen widmet unter denen Wissenschaftler gehandelt haben und wissenschaftliche Ergebnisse zustande gekommen sind. Nicht das Resultat steht im Mittelpunkt seiner Umschreibungen sondern die sozialen Momente „before the box closes and becomes black“. (Latour 1987: 21)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine hybride Gruppe von Künstler und Theoretikern begegnen einander in unregelmäßigen Abständen zur gemeinsamen Arbeit im Studio. Mal in Amsterdam, London, Madrid, Graz, oder in PAF. Paz Rojo, Manuela Zechner und Anja Kanngieser veranstalten seit 2008 sogenannte Vocabulaboratories: kollektive Zusammenkünfte in denen Begrifflichkeiten aus der Praxis heraus entwickelt werden. Täglich werden als Teil der Performancearbeit ’Entries’ und ’Access Points’ notiert, Zeichnungen angefertigt, Skizzen gemacht, subjektive Erfahrungen und Erkenntnisse aufgezeichnet und direkt in einem gemeinsamen Wiki füreinander bereitgestellt: a vocabulary of doing. Wechselwirkung und Gegenseitigkeit sind hier der zentrale Motor, um mit Hilfe von Worten und Bildern aus sich heraus zu treten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Dynamik bringt eine Bewegung zustande, in der Beschreibungen wie Gespräche funktionieren. Zwischen der eigenen Person und einem anderen. Zwischen dem Gegenüber und dem Selbst. Beschreibungen sind hier kein losgelöstes Ziel, sondern Mittel - nicht Endprodukt, sondern Prozess. Die Amsterdamer Teilnehmerin Sher Doruff erinnert sich: „I was struck by the qualities of attention given the dynamic relations between emerging terminologies and performative actions, between forms of content and forms of expression, between the visible and the articulable, between light and language.” (Doruff 2008: 158)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3	Antiautoritär und basisdemokratisch'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch einmal soll in Anlehnung an die topografische Lagebeschreibung (wie etwa von Müller vorgeführt) die Frage nach der Position des Betrachters gestellt werden. Der englische Theatermacher und Performance Studies Professor Mike Pearson unterscheidet in seinem Buch „In Comes I“: Performance, Memory and Landscape zwischen dem distanzierten Beobachter und dem engagierten Insider, der ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu seinem Objekt entwickelt hat, sei es ein Ort, eine Erinnerung, oder eine Situation.&amp;lt;ref&amp;gt;Vergl. Pearson, Mike (2007): „In Comes I“: Performance, Memory and Landscape&amp;quot;, Exeter.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bereits in seiner Studie Theatre/Archeology hebt Pearson die Bedeutung der persönlichen Erzählung von Zeitzeugen hervor und zweifelt an der Darstellbarkeit eines großen Ganzen: „Could documentation be more a collage of these deep but fragmented observations, rather than ‘the big picture’?” (Pearson/Shanks 2001: 63) Selbst hat er zusammen mit dem Archäologen Michael Shanks ein Verfahren zur performativen Ortsbestimmung entwickelt, das sogenannte „Deep Mapping“, das als Lecture Performance verschiedene Genres und Medien miteinander kombiniert. „Theatre/Archaeology becomes part of an integrated, social and political practice active in the creation of personal, communal, local and national identities, a practice unafraid to be sensual, interpretive, romantic.” (Pearson/Shanks 2001: 162)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehen ist also eine Frage der Perspektive. Und jeder sieht einzeln. Vor kurzem hat der amerikanische Kunsthistoriker Terry Barrett den angehenden Kunstpädagogen an der Amsterdamer Kunsthochschule eine provozierende Methode vorgeschlagen. Sie sollten doch endlich als allwissende Autorität zurücktreten und stattdessen Kinder, Schüler oder Museumsbesucher ermutigen, sich von ihnen zu emanzipieren und bei der Betrachtung von Kunstwerken ihrer eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. An die Stelle des herkömmlichen Unterrichts soll seiner Ansicht nach ab sofort eine sokratisches Gespräch treten, bei dem jegliche Bewertung der Beobachtung außen vor bleibt und Barrett unermüdlich fragt: „What do you see? What does it mean? How do you know?“ (Barrett 2010: 142)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Susan Sontag hätte ihre Freude. In ihrem Klassiker, Against Interpretation, fordert sie bereits die Arroganz der Deutungshoheit heraus: „What is important now is to recover our senses. We must learn to see more, to hear more, to feel more… What is needed is a vocabulary - a descriptive, rather than prescriptive, vocabulary - for forms.” (Sontag 2008: 158)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht gibt es eine Reihenfolge, und ist das Beschreiben als transdisziplinäres Verfahren nichts anderes als ein erster, basisdemokratischer Akt. Ein ursprüngliches Instrument um Sachverhalte und Begrifflichkeiten unmittelbar auszutauschen und zu veröffentlichen. Vielleicht ist es sogar eine unkomplizierte Form der Anhörung, bevor neue Verbindungen entstehen können. „What do you see? What does it mean? How do you know?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4	Spielerische Materialisierung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass (vor allem verbale) Beschreibungen nicht immer unberührt und unangetastet bleiben müssen zeigt eine Art Umkehrschluss, der Versuch einer spielerischen Materialisierung intellektueller Beiträge. Eine weitere Konferenz, wieder Künstler, Dramaturgen und Wissenschaftler an einem Tisch. Diesmal wird gefragt: was kommt nach dem postdramatischen Theater, After Theatre? Und dabei wird so ganz nebenbei die Bedeutung der Wörter enthierarchisiert. Vorträge, Statements, Diskussionen zerfallen als Live-Blog willentlich in 2421 Stichwörter, und bilden als visualisierte Database wieder neue Inhalte ab. Das neuartige &amp;lt;Anarchive/&amp;gt; entzieht sich der ursprünglichen Intention der Konferenz und erschließt bisher ungestellte Fragen: Wer kam am meisten zu Wort? In welchen Städten waren die Sprecher zuhause? Welche Wörter wurden am meisten wiederholt? Welche Sprache war vorherrschend? Und schließlich, in welcher Zeitform haben sich die Teilnehmer ausgedrückt? Habe sie sich vor allem in der Gegenwart aufgehalten, der Vergangenheit, oder der Zukunft? &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;Anarchive/&amp;gt;’ war Teil der Konferenz ‘Na(ar) het theater, After Theatre?’ und wurde anschliessend als Publikation veröffentlicht: Hoogenboom, Marijke und Karschnia, Alexander (Hg.) (2007): Na(ar) het theater, After Theatre?, Supplements to the international conference on postdramatic theatre, Amsterdam. www.ahk.nl/lectoraten/kunstpraktijk/coproducties-en-projecten/after-theatre/&lt;br /&gt;
www.nielsschrader.de/anarchivcont.html&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zusammenfassung einer Konferenz als automatisierte Übermalung, macht das Sinn? Zumindest bietet eine solche Anschreibung, Unterschreibung, Verschreibung, Umschreibung, Abschreibung, Beschreibung eine offene, anschauliche Alternative.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''==Bibliographie=='''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barrett, Terry (Hg.) (2010): Art works, People respond to contemporary art, Deventer/Amsterdam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doruff, Sher (2008): A Vocabulary of Doing. In: Vocabulaboratories, Hg. Anja Kanngieser, Paz Rojo, Manuela Zechner, Amsterdam, S. 156-170.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jans, Erwin (1994): Reden über Stille. In: Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie, Hg. Marianne van Kerkhoven, Brussel, S. 44-57.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Latour, Bruno (1987): Science in Action, Massachusetts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müller, Heiner (1985): Shakespeare Factory 1, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Müller, Heiner (1992): Krieg ohne Schlacht, Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pearson, Mike and Shanks, Michael (2001): Theatre/Archeology, London/New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sontag, Susan (2001): Against Interpretation. In: Ders., Against Interpretation and Other Essays, New York, S. 3-14.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ten Cate, Ritsaert (1994): Absence. In: Theaterschrift 5-6, Über Dramaturgie, Hg. Marianne van Kerkhoven, Brussel, S. 37.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''==Anmerkungen=='''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Artikel</id>
		<title>Artikel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Artikel"/>
				<updated>2012-07-09T23:08:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Für die Mitarbeit an einem Wiki ist es wichtig ein paar Grundzüge im Umgang mit Texten und der Formatierung zu kennen. Diese werden im Folgenden näher erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Umgang ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die erste Version gibt es einen hauptverantwortlichen Autor. Maximale Wortanzahl: 2000. Nach der Vorstellung im Kolloquium werden Vorschläge aus der Diskussion von der Autorin aufgenommen und der Artikel online gestellt. Ab dann können alle BenutzerInnen den Artikel verändern (ohne vorherige Diskussion). Zusätzlich kann es Diskussionen auf der Diskussionsseite geben. Bilder und Links können in den Artikel eingearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neuen Artikel erstellen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um einen neuen Artikel zu erstellen, eignet es sich, auf der '''Hauptseite''' in den '''Bearbeitungsmodus''' zu gehen und unter dem Kapitel '''Begriffe''' einen neuen Artikel in der alphabetischen Reihehnfolge hinzuzufügen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;[[Begriff]]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend wird die '''Seite gespeichert'''. Nun sollte der Begriff als rot markierter Link auf der Hauptseite erscheinen. Dieser kann angeklickt und anschließend, wie in den folgenden Abschnitten erklärt, bearbeitet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufbau eines Artikels ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Artikel sollten einheitlich aufgebaut werden. Dazu wird im Folgenden erklärt welche Überschriften und Gliederungspunkte wo in jedem Artikel auftauchen und was sie enthalten sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Ein kurzer Einleitungstext über der Begriffsüberschrift dient als eine Art Klappentext&lt;br /&gt;
# Inhaltliche Ausführung des Begriffs mit Kapiteln und Unterkapiteln&lt;br /&gt;
# Bibliographie&lt;br /&gt;
# Anmerkungen aus den Fußnoten&lt;br /&gt;
# Weiterführende Links, um auf interessante Veröffentlichungen oder Onlineartikel zu verweisen, die sich an das Thema anlehnen, aber nicht im Artikel verwendet wurden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Formatierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um einen Artikel in das Wiki einzufügen muss der Text, damit er für den Leser verständlich wird, wie nachfolgend erklärt, formatiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kategorien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Letze zuerst. Am Ende jedes Artikels sollte die Kategorie stehen, derer der Artikel zugeordnet wird. Dafür fügt man am Ende des Artikels folgendes ein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;[[Kategorie:xyz]]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird die Seite dann gespeichert, erscheint am Ende des Artikels ein Kasten mit dem Kategoriebegriff, dem Artikel dann zugeordnet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kapitel und Unterkapitel ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um einen Artikel zu gliedern, müssen Kapitel und Unterkapitel eingefügt werden. Dies sieht wie folgt aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;== Kapitel ==&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;=== Unterkapitel ===&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dementsprechend erstellt das Wiki am Anfang des Artikels ein durchnummeriertes Inhaltsverzeichnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wörtliche Zitate ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um wörtliche Zitate in den Text einzufügen muss der entsprechende Teil in Anführungszeichen gesetzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;Verschiedene Autorinnen und Autoren haben bereits vor einigen Jahren darauf hingewiesen, dass Regeln „Handlungsspielraum (...) klar begrenzen und fokussieren.&amp;quot; (Ziemer 2007 : 46)&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Textgestaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um im Text Wörter hervorzuheben können sie ''kursiv'' dargestellt werden. Auch Titel und fremdsprachige Ausdrücke werden ''kursiv'' geschrieben. Die Formatierung dafür sieht wie folgt aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;''kursiv''&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überschriften werden in '''fett''' gesetzt. Das sieht so aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;'''fett'''&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fremde Abbildungen einfügen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben uns erstmal, solange grundlegenden Urheberrechtsfragen nicht geklärt sind, dazu verständigt, keine fremden Abbildungen in diesem Wiki zu zeigen. Falls aber doch einer der Autoren auf ein Bild im Internet verweisen möchte, so wird auf dieses lediglich über einen Link verwiesen. Das Bild selber wird mit dieser Methode nicht zu sehen sein, so müssen wir uns vorübergehend nicht mit Urheberrechtsfragen herumschlagen. Falls also auf eine fremdes Bild verwiesen werden soll, so geschieht dies folgendermaßen. Zuerst muss die URL der entsprechenden Abbildung kopiert werden und anschließend, wie hier beschrieben, in den Text integriert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;[http://www.tagfinearts.com/jonathan-parsons/terminator-maquette.html Terminator Maquette]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinweis: Nach der URL muss ein Leerzeichen eingefügt werden und dann wird der Titel des Bildes angegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Eigene Abbildungen hochladen und einfügen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eigene Abbildungen können ohne Probleme zum Artikel hingefügt werden, da sie das Urheberrecht nicht verletzen. Dafür muss die Abbildung zuerst im Wiki hochgeladen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Klicke dazu in der Toolbox (Werkzeuge) in der seitlichen Navigation auf [[Special:Upload|Hochladen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Seite zum Hochladen der Dateien gibt es verschiedene Eingabefelder.&lt;br /&gt;
* Klicke auf ''Durchsuchen'' um die Datei auszuwählen.&lt;br /&gt;
* Als Dateiname wird automatisch der aktuelle Dateiname verwendet. Es ist jedoch möglich diesen zu ändern.&lt;br /&gt;
* In dem Feld der Beschreibung und Quellenangabe können Angaben zu der Datei gemacht werden.&lt;br /&gt;
* Unter Lizenz lässt sich die entsprechende Lizenz der Datei auswählen.&lt;br /&gt;
* Durch drücken auf Datei hochladen wird der Vorgang gestartet und man kommt nach erfolgreichem Abschluss auf die Dateiseite.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als nächstes muss diese Datei bzw. das Bild in den Text eingebaut werden. Dafür dient folgender Code:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;[[Datei:Name der Datei.png|Ausrichtung|thumb|Größe|Bezeichnung der Abbildung]]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Code bedarf Angaben, die hier im Einzelnen erklärt werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Name der Datei: den genauen Dateinamen angeben unter dem das Bild hochgeladen wurde, plus die Dateiendung, wie .jpg oder .png&lt;br /&gt;
* Ausrichtung: die Abbildung kann entweder links, rechts oder mittig am Text ausgerichtet werden. Dafür dienen die Befehle ''right, left, center''.&lt;br /&gt;
* thumb: gibt einfach nur an, dass dies eine Vorschau ist&lt;br /&gt;
* Größe: um die Größe der Vorschau festzulegen, wird ein Wert in Pixel ''px'' angegeben. Ein Wert zwischen ''100px'' und ''200px'' müsste immer reichen.&lt;br /&gt;
* Bezeichnung der Abbildung: hier wird einfach die Bezeichnung der Abbildung eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fertig sähe der Code dann bspw. folgender Maßen aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:'''&amp;lt;nowiki&amp;gt;[[Datei:Bild1.png|right|thumb|150px|Erstes Bild]]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser wird an der entsprechenden Stelle im Text eingefügt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Externe &amp;amp; Interne Links ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um einen Link in den Artikel einzufügen, der sich auf eine '''externe Seite''' oder ein Bild bezieht, muss folgende Formatierung vorgenommen werden. Nach der URL wird ein Leerzeichen eingefügt und danach der Title des Artikels, der Webseite oder des Bildes angegeben, so wie er dann im Text steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;[http://www.versammlung-und-teilhabe.de Versammlung und Teilhabe]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz dazu wird beispielsweise auf einen Begriff, der bereits '''intern''' im Wiki behandelt wird, wie folgt verwiesen. Dieser sollte so auch in den Fließtext eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;[[Begriff]]&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufzählung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Aufzählungen zu machen, gibt es die Möglichkeit, diese mit Spiegelstrichen oder durchnummeriert einzufügen. Dafür muss die Formatierung wie folgt aussehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;*Spiegelstrich 1&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;*Spiegelstrich 2&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;#Aufzählung 1&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;#Aufzählung 2&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fußnoten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Fußnoten in den Haupttext einzufügen müssen folgende Einstellungen vorgenommen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ersten, die Fußnote in den Text an die entsprechende Stelle einfügen. Der Text, der in der Fußnote stehen soll, wird auch gleich mit platziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Hier kommt der Text hin, der in der Fußnote enthalten sein soll.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Text sieht das folgender Maßen aus.&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Hier kommt der Text hin, der in der Fußnote enthalten sein soll.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt; Und dann geht der Text weiter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich muss dann noch das Kapitel '''Anmerkungen''' hinzugefügt werden, mit einem Befehl, damit die Inhalte der Fußnoten auch auftauchen. Die Fußnoten werden hier automatisch durchnummeriert dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;== Anmerkungen ==&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;&amp;lt;references /&amp;gt;&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bibliographie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende jedes Artikels vor der Eingabe der Kategorie befindet sich immer der Unterpunkt '''Bibliographie'''. Dieser wird als alleiniges Kapitel wie zuvor beschrieben eingefügt und die Nachweise darunter mit Aufzählungszeichen aufgeführt. Das sieht bei der Erstellung des Artikels wie folgt aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;== Bibliographie ==&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;* Einzelnachweis 1&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;lt;nowiki&amp;gt;* Einzelnachweis 2&amp;lt;/nowiki&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hilfe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Anerkennen</id>
		<title>Anerkennen</title>
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				<updated>2012-06-25T11:15:19Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''&lt;br /&gt;
== Anerkennen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Anerkennen des anderen, der anderen, ist unmittelbar einsichtig als Voraussetzung für die Wahrnehmung einer Situation. Es steht also im Zusammenhang mit Erkennen und Wissen, im Zusammenhang mit der Konstitution von Subjekt und Objekt - sowie mit all den Konsequenzen, die das für die &amp;quot;Aufteilung des Sinnlichen&amp;quot; hat. Was anerkennbar ist, ist eine Angelegenheit von Verhandlung und Teilhabe. Die Vorgängigkeit der Anerkennung vor jeder Szene, Begegnung, Äußerung oder Aufführung, das Anerkanntsein als ein Subjekt, das sprechen und handeln kann, ist allerdings eine umstrittene und komplizierte Angelegenheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Anerkennung, der Andere, ein Theater.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Anerkennen'' ist der Name eines philosophischen Konzepts, das sich mit bestimmten Autornamen verbindet. In letzter Zeit hat insbesondere Thomas Bedorf systematisch deren verschiedene Konzeptionen von Andersheit, Anerkennung, Alterität durch die Philosophiegeschichte durchgearbeitet. (Bedorf: 2011) &amp;lt;ref&amp;gt;Genauer: Er liest zwei bis drei Dutzend weißer westlicher Philosophen, die sich für den gegenderten oder rassifizierten Anderen ebensowenig interessiert haben wie er selbst. Zur Frage des Geschlechts in der Philosophie der Anerkennung vgl. Sabine Gürtler 2001, Susanne Dungs 2006 (bes. Kap, 2: der Andere in der Ethik asymmetrischen Anerkennens) - vgl. weiter: Thomas Bedorf 2003; Thomas Bedorf, Andreas Cremonini 2005. &amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Buchtitel &amp;quot;Verkennende Anerkennung&amp;quot; verweist auf die Paradoxie, dass eine völlige Anerkennung nie stattfinden kann - jedes Anerkennen verfehlt notwendigerweise den anderen, weil sie nur unter der Maßgabe des Bekannten erfolgt. (Bedorf 2010: 145 et passim)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von Althussers &amp;quot;Ideologischen Staatsapparaten&amp;quot;, die nicht mehr durch staatliche Organe wie die Polizei herrschen, sondern durch die Ideologie (Bedorf 2010: 79, Althusser 1977),  die sich in Praktiken und Ritualen zeigt und sich hierin performativ durchsetzt, kommt Bedorf mit Blick aufs französische Original auf die Anerkennung als deren grundlegendes Element. Die berühmte Szene, in der der Polizist &amp;quot;He, Sie da&amp;quot; ruft und sich der/die Angerufene umdreht, sich in dieser Unterwerfung unter den Ruf allererst als Subjekt konstituiert, bezeichnet Althusser als &amp;quot;''rituel de la reconnaissance''&amp;quot;, im Doppelsinn des französischen Wortes: der Wiedererkennung (''re-connaître'') und der Anerkennung (wie im Respekt), - eine Szene wie ein &amp;quot;''little theoretical theatre''&amp;quot; (Michel Pécheux). (Bedorf 2010: 79f., Pécheux 1997: 148) Das ist zeitlich paradox: Ich muss etwas wieder-erkennen, um es allererst anzuerkennen. Die szenischen Formen sind der Anerkennung immanent, die Bühne (der Anrufung) ist der Anerkennung nicht äußerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Ricoeur hat der Frage der Reconnaissance und dem Anerkennen, der Mehrdeutigkeit des Verbs ''reconnaître'' ein ganzes Buch gewidmet. (Ricoeur 2006) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin ist eine teleologische Abfolge angelegt. a) Drei Kapitel: Reconnaissance als Identifizieren, als sich selbst Erkennen, schließlich als wechselseitige Anerkennung, b) verfolgt der Autor die  aktivischen und passivischen Dynamiken des Worts (die philosophischen Verwendungsweisen gingen vom aktivischen zum passivischen Gebrauch; er versteht das &amp;quot;nicht als Teleologie, sondern als &amp;quot;Spannweite&amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Sartre ließe sich zunächst noch sagen, &amp;quot;dass das Ich vom Anderen zum Objekt gemacht wird, insofern es wie ein Gegenstand wahrgenommen wird. (...) Man erfährt sich als Gegenstand der Sichtweisen Anderer und empfindet die eigene Objektheit.&amp;quot; (zit. aus Bedorf 2011: 153) (Dabei gilt: Man begegnet dem anderen, man konstituiert ihn nicht.) (Eßlinger et al. 2010) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin: Albrecht Koschorke, Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, 9-33; Claudia Breger, Gender Studies, 49-64; Thomas Bedorf, Der Dritte als Scharnierfigur. Die Funktion des Dritten in sozialphilosophischer und ethischer Perspektive, 125-136. Siehe auch Thomas Bedorf 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Emmanuel Lévinas entwarf zudem den &amp;quot;absoluten Anderen&amp;quot;, der nicht nur in Bezug auf den Sprecher, sondern in seiner Inkommensurabilität entworfen werden sollte (Bedorf 2011: 159): Wer den Anderen wahrnehme, könne sich nicht auf vertraute Rahmen beziehen, um den Anderen einzuordnen, sonst wäre er nicht mehr wirklich anders. Und: Ein Ich erfährt sich erst als von Anderen angerufenes. Diese Beziehung geht dem Ich, dem Du, dem Mich, dem Appell, der Anerkennung des anderen selbst voraus. (Bedorf 2011: 163)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral ist bei Levinas nicht der Appell, ''He Sie da!'', der Modus des Akustischen, sondern der Begriff des Antlitzes. &amp;quot;Im Angesicht des Anderen treten wir in eine Beziehung ein, ... die wir nicht wie einen Gegenstand zu begreifen oder beherrschen vermögen.&amp;quot; (Bedorf 2011: 167) Das ist keine freiwillige Entscheidung, auch die Form der Beziehung ist nicht einfach wählbar. &amp;lt;ref&amp;gt;Weiterführend (über das &amp;quot;Antlitz&amp;quot; bei Levinas und Bilder von Al-Quaida) und zur Un/Freiwilligkeit des Angesprochenwerdens siehe Judith Butler 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wäre weiterzudenken, welche Rolle der Blick und das Gesicht für diese Konzeption haben, was letztlich die Rolle der Visualität in der Epistemologie und auch der Ethik betrifft, die 'Objektivität' eines Anblicks, das Erkennen von etwas oder jemand, die Reziprozität im Sehen/Gesehenwerden: Sind diese Figuren wesentlich optisch verfasst? &lt;br /&gt;
Derrida wandte sich nicht der Visualität zu, sondern dem sprachlichen Medium, und er kritisierte an Lévinas, die eigene Verstrickung in die Sprache nicht mitbedacht zu haben - wenn man nicht ÜBER den Anderen sprechen will, und wenn es kaum möglich ist, ohne dass der Andere immer nur der Andere des Selben ist, so muss der Andere neu gedacht werden nicht als undenkbares Absolutum. &amp;lt;ref&amp;gt;Der Andere ist / nicht total anders, vergleichbar der Fassung von Universalität als fortwährende &amp;quot;Arbeit der Universalisierung&amp;quot;. Zum Problem der Universalität von Menschenrechten vgl. Butler: &amp;quot;Wenn wir die Universalität von Rechten nicht im Sinne einer Praxis verstehen wollen, in der die westliche Kultur ihre Partikulare Perspektive allen anderen aufzwingt, dann müssen wir einsehen, dass das, was 'universal' ist, unablässig produziert wird. Unter Bedingungen kultureller Übersetzung, an der verschiedene Regierungen ebenso beteiligt sind wie Nichtregierungsorganisationen, wird es unablässig artikuliert und reaktikuliert...&amp;quot;(Butler 2009: 96).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob man im Anschluss von einer &amp;quot;fortwährenden Arbeit mit der Veranderung&amp;quot;, einem immer offenen Prozess von Anerkennen und Unmöglichkeit des Anerkennens sprechen muss, wäre auszudiskutieren. Die Offenheit darin bedeutet Möglichkeitsraum und Freiheit ebenso wie Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Der Rahmen, ein strukturelles Risiko''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ''Frames of war'' von Judith Butler wurde übersetzt als ''Raster des Krieges''. Es fragt: Durch welche Rahmen/Raster passiert das Anerkennen? Wie ist das Verhältnis von Erkennen und Anerkennen? (Anerkennbarkeit ist nicht eine Eigenschaft oder ein Potential von einzelnen Menschen.) Das Wahrnehmen ist eine Form der Erkenntnis; auch das bloße Registrieren, die sinnliche Wahrnehmung ohne konzeptuelles Wissen gehörten dazu. Raster/Rahmen &amp;quot;strukturieren nicht nur unsere visuelle Erfahrung, sondern bringen auch spezifische Ontologien des Subjekts hervor.&amp;quot; (Butler 2010: 11) &amp;quot;Wie Normen der Anerkennbarkeit den Weg zur Anerkennung ebnen, so bedingen und erzeugen Schemata der Intelligibilität erst diese Normen der Anerkennbarkeit.&amp;quot; (Butler 2010: 14) &amp;lt;ref&amp;gt;Hier wendet sich Butler (ungewöhnlicherweise) konkreten Medien, konkreten Bildern zu und fragt mit Blick auf Kriegsfotografie oder die Folterbilder aus Abu Ghraib, welche Rolle deren Rahmungen spielen - für die Reflexionsfähigkeit auf die Kontexte der Fotografie, für die Konstitution von Bedeutung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rahmen legt zwar den Ausschnitt des Zu-Sehen-Gegebenen fest, aber gleichzeitig wird immer etwas außerhalb des Rahmens Liegendes erkennbar. (Butler 2010: 16) Gerade die technische Reproduzierbarkeit und die Zirkulationsfähigkeit des Bildes verändern die Bedeutung des ''Framing''/Rahmens prinzipiell. Die Zirkulationsfähigkeit wird Teil des Bilds, wenn der Rahmen unausweichlich dazu da ist, etwas Zirkulierendes immer wieder in neuen Kontexte zu setzen, er sich permanent von seinem Kontext löst. (Butler 2010: 17) Die Zirkulierbarkeit ist nie abgeschlossen, auch diese prinzipielle Offenheit für zukünftige Kontexte destabilisiert eine feste Bedeutungsgebung des Rahmens. (Butler 2010: 79ff) Er kann nur dank seiner Reproduzierbarkeit zirkulieren, &amp;quot;und eben diese Reproduzierbarkeit bringt ein strukturelles Risiko für die Identität des Rahmens selbst mit sich.  [... Er funktioniert] normativ, kann jedoch, je nach der spezifischen Art seiner Zirkulation, bestimmte Bereiche der Normativität infrage stellen. Solche Rahmen strukturieren Anerkennung, ... jedoch sind ihre Grenzen und Bedingtheiten ihrerseits kritisch exponierbar und der Intervention zugänglich.&amp;quot; (Butler 2010: 30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Anerkennbarkeit immer an visuelle Erscheinungsformen gebunden? Ist Sichtbarkeit immer erstrebenswert? Johanna Schaffer hat die Ambivalenzen des Sichtbarwerdens problematisiert und &amp;quot;Einwände gegen erhöhte Sichtbarkeits-Euphoriken&amp;quot; erhoben - wenn sich Hegemonie in ästhetischen Formen konfiguriert, können Repräsentationen etwa von Minoritäten Differenzen verwischen oder Minorisierungen wiederholen; die Taktik müsse lauten: &amp;quot;Das visuelle Vokabular der Anerkennung reformulieren&amp;quot;. (Schaffer 2008: 51 und 111)&lt;br /&gt;
Was heißt das für das Anerkennen, das notwendigerweise solcher Schauplätze und Formen und Rahmen bedarf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch eine Notwendigkeit, Aufklärung und Kritik unangemessener Rahmungen zu betreiben. (Butler 2010: 97) Butler denkt Rahmungen nicht rein dekonstruktiv (als Derridasche Invaginationen), sondern auch als Gefäße für Inhalte, die instrumentalisierbar sind, Gefühle hervorrufen sollen, Ausschlüsse betreiben, Anerkennbarkeit herstellen (sie folgt also streckenweise durchaus einer Logik von 'vorher und nachher', 'innen und außen', wenn es um die Medialität geht). Raster der Anerkennung, die bestimmte Menschen und Situationen aus der Wahrnehmung ausschließen, sind zu kritisieren. Weitergehend fragt Butler mit Bezug auf Levinas' 'Antlitz' danach, wie Mitteilbarkeit von Rahmen (und Normen) entsteht. Bereits in den Adorno-Vorlesungen 2002 kommt sie vom Rahmen des Blicks/Gesichts zur Anerkennung. (Butler 2007: 42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wenn mein Antlitz überhaupt lesbar ist, dann nur, weil es in einen visuellen Rahmen eintritt, der die Voraussetzung seiner Lesbarkeit ist.  (...) Wenn man, was Lévinas für unausweichlich hält, ethisch auf das Antlitz des Anderen reagiert, dann scheint es, als müsse man jenes erst einmal in die Reihe der menschlichen Antlitze aufnehmen. Zunächst muss es ein Raster für das Menschliche geben, eines, das beliebig viele Variationen als fertige Beispiele umfassen kann. Doch gemessen daran, wie umstritten die visuelle Repräsentation des 'Menschlichen' ist, scheint unsere Fähigkeit, auf ein Antlitz als menschliches zu reagieren, von der Vermittlung durch Bezugsrahmen abhängig, die in einem Fall vermenschlichen und im anderen entmenschlichen. Die Möglichkeit einer ethischen Reaktion auf das Antlitz erfordert folglich eine Normativität des visuellen Felds: Es liegt nicht nur bereits ein epistemologischer Rahmen vor, innerhalb dessen das Antlitz erscheint, sondern wir haben es auch hier schon mit einem Machteffekt zu tun...&amp;quot;. (Butler 2007: 43)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wäre weiterzufragen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. welche konkreten Praktiken mit Rancière als (neue) ''Aufteilungen des Sinnlichen'' auszudenken wären. Die &amp;quot;Aufteilungen des Sinnlichen&amp;quot; legen fest, was wir wahrnehmen, tun und sagen können und wofür wir blind oder taub sind. &lt;br /&gt;
Nach innen hin regeln diese Formen, wie die wahrnehmbaren und sagbaren Gegenstände einer sinnlich aufgeteilten Welt voneinander unterschieden und wie Handlungen voneinander abgegrenzt und bewertet werden. Ranciere nennt solche Aufteilungen des Wahrnehmbaren auch erste oder ursprüngliche Ästhetik. Sie bestimmt, 'was der sinnlichen Erfahrung überhaupt gegeben ist. Die Unterteilung der Zeiten und Räume, des Sichtbaren und Unsichtbaren, der Rede und des Lärms geben zugleich den Ort und den Gegenstand der Politik als Form der Erfahrung vor.' So entsteht ein 'Rahmen der Sichtbarkeit und Intelligibilität, der Dinge oder Praktiken'; ein Rahmen, der aus den gleichermaßen produzierten wie ihrerseits produzierenden Agent/innen dieses Rahmens eine 'Gemeinschaft des Sinnlichen' macht.&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382) &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. André Eiermann 2009 u.a. zu: An- und Abwesenheit, Repräsentation und Anerkennung, Rahmungen, Sprechakte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. welche Konzepte von Rahmungen und ihrer Zirkulation sind nötig, damit sich das Sicht-, Fühl- oder Hörbare zwischen Kontexten bewegen kann, auf die Straße gehen kann, im Klassenzimmer besprechbar wird, auf Bühnen transportierbar sei (und zwar nicht in dieser oder einer anderen Reihenfolge, vom Original zur künstlerischen Reproduktion oder wissenschaftlichen Reflexion, sondern zum besseren Verstehen dessen, dass alle drei wie auch die Kollegarbeit selbst den entsprechenden Abgründen der Anerkennung ausgesetzt sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Drittens könnte es darum gehen, etwas bisher Unsagbares zu sagen, Neues herzustellen, etwa &amp;quot;Handlungen, Ereignisse und Subjekte, die eine Aufteilung des Sinnlichen herausfordern, indem sie etwas geltend machen, was in der adressierten Aufteilung des Sinnlichen nicht gesagt, getan oder wahrgenommen werden kann&amp;quot;. (zit. aus Sonderegger 2012: 383) Mit einer anderen Vokabel, nochmals von Rancière: Das &amp;quot;Unvernehmen&amp;quot; zu praktizieren. Demonstrationen einer &amp;quot;dissensuellen Politik&amp;quot; vorzunehmen. Diese&lt;br /&gt;
&amp;quot;behaupten - oder vielmehr: demonstrieren - ein Unvernehmen (''mésentene''); also etwas, das in der bestehenden politischen Einteilung nicht wahrgenommen, gedacht und mit den vorhandenen argumentativen Mitteln auch nicht eingefordert werden kann. Situationen des Unvernehmens bezeichnen keine Meinungsverschiedenheiten und auch keine Missverständnisse, bei denen man das Gegenüber darauf aufmerksam machen kann, dass man falsch verstanden wurde.&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schluss steht der Abgrund der Anerkennung: Muss man schon Teil des Systems sein, das die Währung der Anerkennung vergibt, um anzuerkennen, oder um ein anerkanntes Subjekt zu werden? Wie aber würde man sich in dieses System hinein-arbeiten, wenn man nicht Teil dessen ist?&lt;br /&gt;
Das Recht, Rechte zu haben, hat Hannah Arendt als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens gefordert; wie man etwa Menschenrechte einfordert, wenn man nicht juristisch anerkannt ist, hat Christoph Menke mit &amp;quot;alegal, illegal, translegal&amp;quot; beschrieben. Das notwendig Grenzüberschreitende und Illegale dieses Aktes schafft Realitäten: &amp;quot;Wer ein Recht fordert, hat damit immer schon, vorweg, sein Recht zu fordern gefordert&amp;quot;. (Menke 2012: 328) &amp;quot;Weil ein politisches Subjekt zu sein aber (unter anderem) eben darin besteht, ein Recht zu fordern, macht sich der menschenrechtlich Fordernde selbst zu dem, was er fordert.&amp;quot; (Menke 2012: 362) Der gordische Knoten der Vor- und Nachgängigkeit wird durch einen Akt, eine Setzung zerschlagen. Was Arendt den &amp;quot;Erscheinungsraum&amp;quot; genannt hat, den öffentlichen Raum, der erst im Akt des öffentlichen Auftretens hergestellt wird. Wenn das Erscheinen für andere wahrnehmbar, anerkennbar wird, entsteht dieser Raum; hier verbindet sich Performativität mit gemeinsamer Praxis auf der unmöglichen aber immer herstellbaren Basis und mit dem Produkt der Anerkennung. (Menke 2012: 328) &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Die Demonstranten müssen in gewisser Hinsicht so tun, als ob bereits der Raum existiere, in dem ihr Sprechen und Handeln zählt, sie müssen so tun, als ob sie zumindest so weit an der Macht des Miteinanders partizipierten, dass ihr Sprechen und Handeln als intelligibel und allgemein nachvollziehbar, kurz: als öffentlich relevantes Sprechen und Handeln wahrgenommen wird. Nun wäre das demonstrierende Handeln und Sprechen als Vollzug im Modus des 'Als ob' aber zugleich auch irreführend beschrieben, wenn man es auf diesen Aspekt reduzierte und womöglich noch mit einer irgendwie unwirklichen Angelegenheit verwechselte. Denn der Vorgriff auf einen bereits veränderten Erscheinungsraum, den die Demonstration vornimmt, geschieht dadurch, dass hier Akteure auf eine immer auch sehr materiale, körperliche Weise insistieren, die nicht zuletzt aufgrund ihrer spezfischen Körperlichkeit aus der Sphäre der Öffentlichkeit herausgehalten werden sollen.&amp;quot; (Rebentisch 2012: 369f.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Wechsel zwischen Als Ob und Materialität: das ist die Aufgabe der Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Althusser, Louis (1977): Ideologie und ideologische Staatsapparate. In: Ders., Ideologie und Ideologische Staatsapparate, Aufsätze zur marxistischen Theorie, Hamburg, Berlin, S. 108-153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf ,Thomas (2003): Dimensionen des Dritten. Sozialphilosophische Modelle zwischen Ethischem und Politischem, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf , Thomas (2010): Verkennende Anerkennung. Über Identität und Politik, Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf, Thomas (2011): Andere. Eine Einführung in die Sozialphilosophie, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bedorf, Thomas, Cremonini, Andreas (Hg.) (2005): Verfehlte Begegnung. Levinas und Sartre als philosophische Zeitgenossen, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2007): Kritik der ethischen Gewalt, Adorno-Vorlesungen 2002 (Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main - zuvor gehalten als Spinoza-Vorlesungen der Universität Amsterdam 2002), Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2005): Gefährdetes Leben. In: Dies., Gefährdetes Leben. Politische Essays, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2009):Krieg und Affekt, Berlin, Zürich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Butler, Judith (2010): Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Dungs, Susanne (2006):  Anerkennen des Anderen im Zeitalter der Mediatisierung. Sozialphilosophische und sozialarbeitswissenschaftliche Studien im Ausgang von Hegel, Lévinas, Butler, Zizek, Hamburg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Eiermann, André (2009): Postspektakuläres Theater. Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Eßlinger, Eva et al. (Hg.) (2010): Die Figur des Dritten. Ein kulturwissenschaftliches Paradigma, Berlin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Gürtler, Sabine (2001): Elementare Ethik. Alterität, Generativität und Geschlechterverhältnis bei Emmanuel Lévinas, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Levinas, Emmanuel (1992): Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht, Freiburg, München. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Menke, Christoph (2012): Die Tat der Menschenrechte: alegal, illegal, translegal. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Pécheux, Michel (1997): The Mechanism of Ideological (Mis)recognition. In: Zizek, Slavoj  (Hg.): Mapping Ideology. London, New York, S. 141-151. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Rebentisch, Juliane (2012): Erscheinen. Bruchstücke einer politischen Phänomenologie. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Ricoeur, Paul (2006). Wege der Anerkennung. Erkennen, Wiedererkennen, Anerkanntsein, Frankfurt/M. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Schaffer, Johanna (2008): Ambivalenzen der Sichtbarkeit. Über die visuellen Strukturen der Anerkennung, Bielefeld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Sonderegger, Ruth (2012): Drei Formen der Demonstration. Überlegungen mit Jacques Rancière. In: Frankfurter Kunstverein, Exzellenzcluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt (Hg.): Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen (Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012), Nürnberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Anerkennen</id>
		<title>Anerkennen</title>
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				<updated>2012-06-25T11:11:04Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''&lt;br /&gt;
== Anerkennen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Anerkennen des anderen, der anderen, ist unmittelbar einsichtig als Voraussetzung für die Wahrnehmung einer Situation. Es steht also im Zusammenhang mit Erkennen und Wissen, im Zusammenhang mit der Konstitution von Subjekt und Objekt - sowie mit all den Konsequenzen, die das für die &amp;quot;Aufteilung des Sinnlichen&amp;quot; hat. Was anerkennbar ist, ist eine Angelegenheit von Verhandlung und Teilhabe. Die Vorgängigkeit der Anerkennung vor jeder Szene, Begegnung, Äußerung oder Aufführung, das Anerkanntsein als ein Subjekt, das sprechen und handeln kann, ist allerdings eine umstrittene und komplizierte Angelegenheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Anerkennung, der Andere, ein Theater.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Anerkennen'' ist der Name eines philosophischen Konzepts, das sich mit bestimmten Autornamen verbindet. In letzter Zeit hat insbesondere Thomas Bedorf systematisch deren verschiedene Konzeptionen von Andersheit, Anerkennung, Alterität durch die Philosophiegeschichte durchgearbeitet. (Bedorf: 2011) &amp;lt;ref&amp;gt;Genauer: Er liest zwei bis drei Dutzend weißer westlicher Philosophen, die sich für den gegenderten oder rassifizierten Anderen ebensowenig interessiert haben wie er selbst. Zur Frage des Geschlechts in der Philosophie der Anerkennung vgl. Sabine Gürtler 2001, Susanne Dungs 2006 (bes. Kap, 2: der Andere in der Ethik asymmetrischen Anerkennens) - vgl. weiter: Thomas Bedorf 2003; Thomas Bedorf, Andreas Cremonini 2005. &amp;lt;/ref&amp;gt; Sein Buchtitel &amp;quot;Verkennende Anerkennung&amp;quot; verweist auf die Paradoxie, dass eine völlige Anerkennung nie stattfinden kann - jedes Anerkennen verfehlt notwendigerweise den anderen, weil sie nur unter der Maßgabe des Bekannten erfolgt. (Bedorf 2010: 145 et passim)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von Althussers &amp;quot;Ideologischen Staatsapparaten&amp;quot;, die nicht mehr durch staatliche Organe wie die Polizei herrschen, sondern durch die Ideologie (Bedorf 2010: 79, Althusser 1977),  die sich in Praktiken und Ritualen zeigt und sich hierin performativ durchsetzt, kommt Bedorf mit Blick aufs französische Original auf die Anerkennung als deren grundlegendes Element. Die berühmte Szene, in der der Polizist &amp;quot;He, Sie da&amp;quot; ruft und sich der/die Angerufene umdreht, sich in dieser Unterwerfung unter den Ruf allererst als Subjekt konstituiert, bezeichnet Althusser als &amp;quot;''rituel de la reconnaissance''&amp;quot;, im Doppelsinn des französischen Wortes: der Wiedererkennung (''re-connaître'') und der Anerkennung (wie im Respekt), - eine Szene wie ein &amp;quot;''little theoretical theatre''&amp;quot; (Michel Pécheux). (Bedorf 2010: 79f., Pécheux 1997: 148) Das ist zeitlich paradox: Ich muss etwas wieder-erkennen, um es allererst anzuerkennen. Die szenischen Formen sind der Anerkennung immanent, die Bühne (der Anrufung) ist der Anerkennung nicht äußerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Ricoeur hat der Frage der Reconnaissance und dem Anerkennen, der Mehrdeutigkeit des Verbs ''reconnaître'' ein ganzes Buch gewidmet. (Ricoeur 2006) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin ist eine teleologische Abfolge angelegt. a) Drei Kapitel: Reconnaissance als Identifizieren, als sich selbst Erkennen, schließlich als wechselseitige Anerkennung, b) verfolgt der Autor die  aktivischen und passivischen Dynamiken des Worts (die philosophischen Verwendungsweisen gingen vom aktivischen zum passivischen Gebrauch; er versteht das &amp;quot;nicht als Teleologie, sondern als &amp;quot;Spannweite&amp;quot;).&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit Sartre ließe sich zunächst noch sagen, &amp;quot;dass das Ich vom Anderen zum Objekt gemacht wird, insofern es wie ein Gegenstand wahrgenommen wird. (...) Man erfährt sich als Gegenstand der Sichtweisen Anderer und empfindet die eigene Objektheit.&amp;quot; (zit. aus Bedorf 2011: 153) (Dabei gilt: Man begegnet dem anderen, man konstituiert ihn nicht.) (Eßlinger et al. 2010) &amp;lt;ref&amp;gt;Darin: Albrecht Koschorke, Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, 9-33; Claudia Breger, Gender Studies, 49-64; Thomas Bedorf, Der Dritte als Scharnierfigur. Die Funktion des Dritten in sozialphilosophischer und ethischer Perspektive, 125-136. Siehe auch Thomas Bedorf 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Emmanuel Lévinas entwarf zudem den &amp;quot;absoluten Anderen&amp;quot;, der nicht nur in Bezug auf den Sprecher, sondern in seiner Inkommensurabilität entworfen werden sollte (Bedorf 2011: 159): Wer den Anderen wahrnehme, könne sich nicht auf vertraute Rahmen beziehen, um den Anderen einzuordnen, sonst wäre er nicht mehr wirklich anders. Und: Ein Ich erfährt sich erst als von Anderen angerufenes. Diese Beziehung geht dem Ich, dem Du, dem Mich, dem Appell, der Anerkennung des anderen selbst voraus. (Bedorf 2011: 163)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral ist bei Levinas nicht der Appell, ''He Sie da!'', der Modus des Akustischen, sondern der Begriff des Antlitzes. &amp;quot;Im Angesicht des Anderen treten wir in eine Beziehung ein, ... die wir nicht wie einen Gegenstand zu begreifen oder beherrschen vermögen.&amp;quot; (Bedorf 2011: 167) Das ist keine freiwillige Entscheidung, auch die Form der Beziehung ist nicht einfach wählbar. &amp;lt;ref&amp;gt;Weiterführend (über das &amp;quot;Antlitz&amp;quot; bei Levinas und Bilder von Al-Quaida) und zur Un/Freiwilligkeit des Angesprochenwerdens siehe Judith Butler 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hier wäre weiterzudenken, welche Rolle der Blick und das Gesicht für diese Konzeption haben, was letztlich die Rolle der Visualität in der Epistemologie und auch der Ethik betrifft, die 'Objektivität' eines Anblicks, das Erkennen von etwas oder jemand, die Reziprozität im Sehen/Gesehenwerden: Sind diese Figuren wesentlich optisch verfasst? &lt;br /&gt;
Derrida wandte sich nicht der Visualität zu, sondern dem sprachlichen Medium, und er kritisierte an Lévinas, die eigene Verstrickung in die Sprache nicht mitbedacht zu haben - wenn man nicht ÜBER den Anderen sprechen will, und wenn es kaum möglich ist, ohne dass der Andere immer nur der Andere des Selben ist, so muss der Andere neu gedacht werden nicht als undenkbares Absolutum. &amp;lt;ref&amp;gt;Der Andere ist / nicht total anders, vergleichbar der Fassung von Universalität als fortwährende &amp;quot;Arbeit der Universalisierung&amp;quot;. Zum Problem der Universalität von Menschenrechten vgl. Butler: &amp;quot;Wenn wir die Universalität von Rechten nicht im Sinne einer Praxis verstehen wollen, in der die westliche Kultur ihre Partikulare Perspektive allen anderen aufzwingt, dann müssen wir einsehen, dass das, was 'universal' ist, unablässig produziert wird. Unter Bedingungen kultureller Übersetzung, an der verschiedene Regierungen ebenso beteiligt sind wie Nichtregierungsorganisationen, wird es unablässig artikuliert und reaktikuliert...&amp;quot;(Butler 2009: 96).&amp;lt;/ref&amp;gt; Ob man im Anschluss von einer &amp;quot;fortwährenden Arbeit mit der Veranderung&amp;quot;, einem immer offenen Prozess von Anerkennen und Unmöglichkeit des Anerkennens sprechen muss, wäre auszudiskutieren. Die Offenheit darin bedeutet Möglichkeitsraum und Freiheit ebenso wie Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Der Rahmen, ein strukturelles Risiko''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ''Frames of war'' von Judith Butler wurde übersetzt als ''Raster des Krieges''. Es fragt: Durch welche Rahmen/Raster passiert das Anerkennen? Wie ist das Verhältnis von Erkennen und Anerkennen? (Anerkennbarkeit ist nicht eine Eigenschaft oder ein Potential von einzelnen Menschen.) Das Wahrnehmen ist eine Form der Erkenntnis; auch das bloße Registrieren, die sinnliche Wahrnehmung ohne konzeptuelles Wissen gehörten dazu. Raster/Rahmen &amp;quot;strukturieren nicht nur unsere visuelle Erfahrung, sondern bringen auch spezifische Ontologien des Subjekts hervor.&amp;quot; (Butler 2010: 11) &amp;quot;Wie Normen der Anerkennbarkeit den Weg zur Anerkennung ebnen, so bedingen und erzeugen Schemata der Intelligibilität erst diese Normen der Anerkennbarkeit.&amp;quot; (Butler 2010: 14) &amp;lt;ref&amp;gt;Hier wendet sich Butler (ungewöhnlicherweise) konkreten Medien, konkreten Bildern zu und fragt mit Blick auf Kriegsfotografie oder die Folterbilder aus Abu Ghraib, welche Rolle deren Rahmungen spielen - für die Reflexionsfähigkeit auf die Kontexte der Fotografie, für die Konstitution von Bedeutung.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Rahmen legt zwar den Ausschnitt des Zu-Sehen-Gegebenen fest, aber gleichzeitig wird immer etwas außerhalb des Rahmens Liegendes erkennbar. (Butler 2010: 16) Gerade die technische Reproduzierbarkeit und die Zirkulationsfähigkeit des Bildes verändern die Bedeutung des ''Framing''/Rahmens prinzipiell. Die Zirkulationsfähigkeit wird Teil des Bilds, wenn der Rahmen unausweichlich dazu da ist, etwas Zirkulierendes immer wieder in neuen Kontexte zu setzen, er sich permanent von seinem Kontext löst. (Butler 2010: 17) Die Zirkulierbarkeit ist nie abgeschlossen, auch diese prinzipielle Offenheit für zukünftige Kontexte destabilisiert eine feste Bedeutungsgebung des Rahmens. (Butler 2010: 79ff) Er kann nur dank seiner Reproduzierbarkeit zirkulieren, &amp;quot;und eben diese Reproduzierbarkeit bringt ein strukturelles Risiko für die Identität des Rahmens selbst mit sich.  [... Er funktioniert] normativ, kann jedoch, je nach der spezifischen Art seiner Zirkulation, bestimmte Bereiche der Normativität infrage stellen. Solche Rahmen strukturieren Anerkennung, ... jedoch sind ihre Grenzen und Bedingtheiten ihrerseits kritisch exponierbar und der Intervention zugänglich.&amp;quot; (Butler 2010: 30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Anerkennbarkeit immer an visuelle Erscheinungsformen gebunden? Ist Sichtbarkeit immer erstrebenswert? Johanna Schaffer hat die Ambivalenzen des Sichtbarwerdens problematisiert und &amp;quot;Einwände gegen erhöhte Sichtbarkeits-Euphoriken&amp;quot; erhoben - wenn sich Hegemonie in ästhetischen Formen konfiguriert, können Repräsentationen etwa von Minoritäten Differenzen verwischen oder Minorisierungen wiederholen; die Taktik müsse lauten: &amp;quot;Das visuelle Vokabular der Anerkennung reformulieren&amp;quot;. (Schaffer 2008: 51 und 111)&lt;br /&gt;
Was heißt das für das Anerkennen, das notwendigerweise solcher Schauplätze und Formen und Rahmen bedarf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch eine Notwendigkeit, Aufklärung und Kritik unangemessener Rahmungen zu betreiben. (Butler 2010: 97) Butler denkt Rahmungen nicht rein dekonstruktiv (als Derridasche Invaginationen), sondern auch als Gefäße für Inhalte, die instrumentalisierbar sind, Gefühle hervorrufen sollen, Ausschlüsse betreiben, Anerkennbarkeit herstellen (sie folgt also streckenweise durchaus einer Logik von 'vorher und nachher', 'innen und außen', wenn es um die Medialität geht). Raster der Anerkennung, die bestimmte Menschen und Situationen aus der Wahrnehmung ausschließen, sind zu kritisieren. Weitergehend fragt Butler mit Bezug auf Levinas' 'Antlitz' danach, wie Mitteilbarkeit von Rahmen (und Normen) entsteht. Bereits in den Adorno-Vorlesungen 2002 kommt sie vom Rahmen des Blicks/Gesichts zur Anerkennung. (Butler 2007: 42)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wenn mein Antlitz überhaupt lesbar ist, dann nur, weil es in einen visuellen Rahmen eintritt, der die Voraussetzung seiner Lesbarkeit ist.  (...) Wenn man, was Lévinas für unausweichlich hält, ethisch auf das Antlitz des Anderen reagiert, dann scheint es, als müsse man jenes erst einmal in die Reihe der menschlichen Antlitze aufnehmen. Zunächst muss es ein Raster für das Menschliche geben, eines, das beliebig viele Variationen als fertige Beispiele umfassen kann. Doch gemessen daran, wie umstritten die visuelle Repräsentation des 'Menschlichen' ist, scheint unsere Fähigkeit, auf ein Antlitz als menschliches zu reagieren, von der Vermittlung durch Bezugsrahmen abhängig, die in einem Fall vermenschlichen und im anderen entmenschlichen. Die Möglichkeit einer ethischen Reaktion auf das Antlitz erfordert folglich eine Normativität des visuellen Felds: Es liegt nicht nur bereits ein epistemologischer Rahmen vor, innerhalb dessen das Antlitz erscheint, sondern wir haben es auch hier schon mit einem Machteffekt zu tun...&amp;quot;. (Butler 2007: 43)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wäre weiterzufragen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. welche konkreten Praktiken mit Rancière als (neue) ''Aufteilungen des Sinnlichen'' auszudenken wären. Die &amp;quot;Aufteilungen des Sinnlichen&amp;quot; legen fest, was wir wahrnehmen, tun und sagen können und wofür wir blind oder taub sind. &lt;br /&gt;
Nach innen hin regeln diese Formen, wie die wahrnehmbaren und sagbaren Gegenstände einer sinnlich aufgeteilten Welt voneinander unterschieden und wie Handlungen voneinander abgegrenzt und bewertet werden. Ranciere nennt solche Aufteilungen des Wahrnehmbaren auch erste oder ursprüngliche Ästhetik. Sie bestimmt, 'was der sinnlichen Erfahrung überhaupt gegeben ist. Die Unterteilung der Zeiten und Räume, des Sichtbaren und Unsichtbaren, der Rede und des Lärms geben zugleich den Ort und den Gegenstand der Politik als Form der Erfahrung vor.' So entsteht ein 'Rahmen der Sichtbarkeit und Intelligibilität, der Dinge oder Praktiken'; ein Rahmen, der aus den gleichermaßen produzierten wie ihrerseits produzierenden Agent/innen dieses Rahmens eine 'Gemeinschaft des Sinnlichen' macht.&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382) &amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. André Eiermann 2009 u.a. zu: An- und Abwesenheit, Repräsentation und Anerkennung, Rahmungen, Sprechakte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. welche Konzepte von Rahmungen und ihrer Zirkulation sind nötig, damit sich das Sicht-, Fühl- oder Hörbare zwischen Kontexten bewegen kann, auf die Straße gehen kann, im Klassenzimmer besprechbar wird, auf Bühnen transportierbar sei (und zwar nicht in dieser oder einer anderen Reihenfolge, vom Original zur künstlerischen Reproduktion oder wissenschaftlichen Reflexion, sondern zum besseren Verstehen dessen, dass alle drei wie auch die Kollegarbeit selbst den entsprechenden Abgründen der Anerkennung ausgesetzt sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Drittens könnte es darum gehen, etwas bisher Unsagbares zu sagen, Neues herzustellen, etwa &amp;quot;Handlungen, Ereignisse und Subjekte, die eine Aufteilung des Sinnlichen herausfordern, indem sie etwas geltend machen, was in der adressierten Aufteilung des Sinnlichen nicht gesagt, getan oder wahrgenommen werden kann&amp;quot;. (zit. aus Sonderegger 2012: 383) Mit einer anderen Vokabel, nochmals von Rancière: Das &amp;quot;Unvernehmen&amp;quot; zu praktizieren. Demonstrationen einer &amp;quot;dissensuellen Politik&amp;quot; vorzunehmen. Diese&lt;br /&gt;
&amp;quot;behaupten - oder vielmehr: demonstrieren - ein Unvernehmen (''mésentene''); also etwas, das in der bestehenden politischen Einteilung nicht wahrgenommen, gedacht und mit den vorhandenen argumentativen Mitteln auch nicht eingefordert werden kann. Situationen des Unvernehmens bezeichnen keine Meinungsverschiedenheiten und auch keine Missverständnisse, bei denen man das Gegenüber darauf aufmerksam machen kann, dass man falsch verstanden wurde.&amp;quot; (zit. aus Sonderegger 2012: 382)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schluss steht der Abgrund der Anerkennung: Muss man schon Teil des Systems sein, das die Währung der Anerkennung vergibt, um anzuerkennen, oder um ein anerkanntes Subjekt zu werden? Wie aber würde man sich in dieses System hinein-arbeiten, wenn man nicht Teil dessen ist?&lt;br /&gt;
Das Recht, Rechte zu haben, hat Hannah Arendt als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens gefordert; wie man etwa Menschenrechte einfordert, wenn man nicht juristisch anerkannt ist, hat Christoph Menke mit &amp;quot;alegal, illegal, translegal&amp;quot; beschrieben. Das notwendig Grenzüberschreitende und Illegale dieses Aktes schafft Realitäten: &amp;quot;Wer ein Recht fordert, hat damit immer schon, vorweg, sein Recht zu fordern gefordert&amp;quot;. (Menke 2012: 328) &amp;quot;Weil ein politisches Subjekt zu sein aber (unter anderem) eben darin besteht, ein Recht zu fordern, macht sich der menschenrechtlich Fordernde selbst zu dem, was er fordert.&amp;quot; (Menke 2012: 362) Der gordische Knoten der Vor- und Nachgängigkeit wird durch einen Akt, eine Setzung zerschlagen. Was Arendt den &amp;quot;Erscheinungsraum&amp;quot; genannt hat, den öffentlichen Raum, der erst im Akt des öffentlichen Auftretens hergestellt wird. Wenn das Erscheinen für andere wahrnehmbar, anerkennbar wird, entsteht dieser Raum; hier verbindet sich Performativität mit gemeinsamer Praxis auf der unmöglichen aber immer herstellbaren Basis und mit dem Produkt der Anerkennung. (Menke 2012: 328) &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Die Demonstranten müssen in gewisser Hinsicht so tun, als ob bereits der Raum existiere, in dem ihr Sprechen und Handeln zählt, sie müssen so tun, als ob sie zumindest so weit an der Macht des Miteinanders partizipierten, dass ihr Sprechen und Handeln als intelligibel und allgemein nachvollziehbar, kurz: als öffentlich relevantes Sprechen und Handeln wahrgenommen wird. Nun wäre das demonstrierende Handeln und Sprechen als Vollzug im Modus des 'Als ob' aber zugleich auch irreführend beschrieben, wenn man es auf diesen Aspekt reduzierte und womöglich noch mit einer irgendwie unwirklichen Angelegenheit verwechselte. Denn der Vorgriff auf einen bereits veränderten Erscheinungsraum, den die Demonstration vornimmt, geschieht dadurch, dass hier Akteure auf eine immer auch sehr materiale, körperliche Weise insistieren, die nicht zuletzt aufgrund ihrer spezfischen Körperlichkeit aus der Sphäre der Öffentlichkeit herausgehalten werden sollen.&amp;quot; (Rebentisch 2012: 369f.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Wechsel zwischen Als Ob und Materialität: das ist die Aufgabe der Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Anerkennen</id>
		<title>Anerkennen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Anerkennen"/>
				<updated>2012-06-22T17:25:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''&lt;br /&gt;
== Anerkennen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
Anerkennen des anderen, der anderen, ist unmittelbar einsichtig als Voraussetzung für die Wahrnehmung einer Situation. Es steht also im Zusammenhang mit Erkennen und Wissen, im Zusammenhang mit der Konstitution von Subjekt und Objekt - sowie mit all den Konsequenzen, die das für die &amp;quot;Aufteilung des Sinnlichen&amp;quot; hat. Was anerkennbar ist, ist eine Angelegenheit von Verhandlung und Teilhabe. Die Vorgängigkeit der Anerkennung vor jeder Szene, Begegnung, Äußerung oder Aufführung, das Anerkanntsein als ein Subjekt, das sprechen und handeln kann, ist allerdings eine umstrittene und komplizierte Angelegenheit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Anerkennung, der Andere, ein Theater.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Anerkennen'' ist der Name eines philosophischen Konzepts, das sich mit bestimmten Autornamen verbindet. In letzter Zeit hat insbesondere Thomas Bedorf systematisch deren verschiedene Konzeptionen von Andersheit, Anerkennung, Alterität durch die Philosophiegeschichte durchgearbeitet. (1) Sein Buchtitel &amp;quot;Verkennende Anerkennung&amp;quot; verweist auf die Paradoxie, dass eine völlige Anerkennung nie stattfinden kann - jedes Anerkennen verfehlt notwendigerweise den anderen, weil sie nur unter der Maßgabe des Bekannten erfolgt. (2)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgehend von Althussers &amp;quot;Ideologischen Staatsapparaten&amp;quot;, die nicht mehr durch staatliche Organe wie die Polizei herrschen, sondern durch die Ideologie (3), die sich in Praktiken und Ritualen zeigt und sich hierin performativ durchsetzt, kommt Bedorf mit Blick aufs französische Original auf die Anerkennung als deren grundlegendes Element. Die berühmte Szene, in der der Polizist &amp;quot;He, Sie da&amp;quot; ruft und sich der/die Angerufene umdreht, sich in dieser Unterwerfung unter den Ruf allererst als Subjekt konstituiert, bezeichnet Althusser als &amp;quot;''rituel de la reconnaissance''&amp;quot;, im Doppelsinn des französischen Wortes: der Wiedererkennung (''re-connaître'') und der Anerkennung (wie im Respekt), - eine Szene wie ein &amp;quot;''little theoretical theatre''&amp;quot; (Michel Pecheux).(4) Das ist zeitlich paradox: Ich muss etwas wieder-erkennen, um es allererst anzuerkennen. Die szenischen Formen sind der Anerkennung immanent, die Bühne (der Anrufung) ist der Anerkennung nicht äußerlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Ricoeur hat der Frage der Reconnaissance und dem Anerkennen, der Mehrdeutigkeit des Verbs ''reconnaître'' ein ganzes Buch gewidmet.(5) Mit Sartre ließe sich zunächst noch sagen, &amp;quot;dass das Ich vom Anderen zum Objekt gemacht wird, insofern es wie ein Gegenstand wahrgenommen wird. (...) Man erfährt sich als Gegenstand der Sichtweisen Anderer und empfindet die eigene Objektheit.&amp;quot; (6) (Dabei gilt: Man begegnet dem anderen, man konstituiert ihn nicht.) (7) Emmanuel Lévinas entwarf zudem den &amp;quot;absoluten Anderen&amp;quot;, der nicht nur in Bezug auf den Sprecher, sondern in seiner Inkommensurabilität entworfen werden sollte (8): Wer den Anderen wahrnehme, könne sich nicht auf vertraute Rahmen beziehen, um den Anderen einzuordnen, sonst wäre er nicht mehr wirklich anders. Und: Ein Ich erfährt sich erst als von Anderen angerufenes. Diese Beziehung geht dem Ich, dem Du, dem Mich, dem Appell, der Anerkennung des anderen selbst voraus. (9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zentral ist bei Levinas nicht der Appell, ''He Sie da!'', der Modus des Akustischen, sondern der Begriff des Antlitzes. &amp;quot;Im Angesicht des Anderen treten wir in eine Beziehung ein, ... die wir nicht wie einen Gegenstand zu begreifen oder beherrschen vermögen.&amp;quot; (10) Das ist keine freiwillige Entscheidung, auch die Form der Beziehung ist nicht einfach wählbar. (11) Hier wäre weiterzudenken, welche Rolle der Blick und das Gesicht für diese Konzeption haben, was letztlich die Rolle der Visualität in der Epistemologie und auch der Ethik betrifft, die 'Objektivität' eines Anblicks, das Erkennen von etwas oder jemand, die Reziprozität im Sehen/Gesehenwerden: Sind diese Figuren wesentlich optisch verfasst? &lt;br /&gt;
Derrida wandte sich nicht der Visualität zu, sondern dem sprachlichen Medium, und er kritisierte an Lévinas, die eigene Verstrickung in die Sprache nicht mitbedacht zu haben - wenn man nicht ÜBER den Anderen sprechen will, und wenn es kaum möglich ist, ohne dass der Andere immer nur der Andere des Selben ist, so muss der Andere neu gedacht werden nicht als undenkbares Absolutum. (12) Ob man im Anschluss von einer &amp;quot;fortwährenden Arbeit mit der Veranderung&amp;quot;, einem immer offenen Prozess von Anerkennen und Unmöglichkeit des Anerkennens sprechen muss, wäre auszudiskutieren. Die Offenheit darin bedeutet Möglichkeitsraum und Freiheit ebenso wie Risiko.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Der Rahmen, ein strukturelles Risiko''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch ''Frames of war'' von Judith Butler wurde übersetzt als ''Raster des Krieges''. Es fragt: Durch welche Rahmen/Raster passiert das Anerkennen? Wie ist das Verhältnis von Erkennen und Anerkennen? (Anerkennbarkeit ist nicht eine Eigenschaft oder ein Potential von einzelnen Menschen.) Das Wahrnehmen ist eine Form der Erkenntnis; auch das bloße Registrieren, die sinnliche Wahrnehmung ohne konzeptuelles Wissen gehörten dazu. Raster/Rahmen &amp;quot;strukturieren nicht nur unsere visuelle Erfahrung, sondern bringen auch spezifische Ontologien des Subjekts hervor.&amp;quot; (13) &amp;quot;Wie Normen der Anerkennbarkeit den Weg zur Anerkennung ebnen, so bedingen und erzeugen Schemata der Intelligibilität erst diese Normen der Anerkennbarkeit.&amp;quot; (14) Der Rahmen legt zwar den Ausschnitt des Zu-Sehen-Gegebenen fest, aber gleichzeitig wird immer etwas außerhalb des Rahmens Liegendes erkennbar. (15) Gerade die technische Reproduzierbarkeit und die Zirkulationsfähigkeit des Bildes verändern die Bedeutung des ''Framing''/Rahmens prinzipiell. Die Zirkulationsfähigkeit wird Teil des Bilds, wenn der Rahmen unausweichlich dazu da ist, etwas Zirkulierendes immer wieder in neuen Kontexte zu setzen, er sich permanent von seinem Kontext löst. (16) Die Zirkulierbarkeit ist nie abgeschlossen, auch diese prinzipielle Offenheit für zukünftige Kontexte destabilisiert eine feste Bedeutungsgebung des Rahmens. (17) Er kann nur dank seiner Reproduzierbarkeit zirkulieren, &amp;quot;und eben diese Reproduzierbarkeit bringt ein strukturelles Risiko für die Identität des Rahmens selbst mit sich.  [... Er funktioniert] normativ, kann jedoch, je nach der spezifischen Art seiner Zirkulation, bestimmte Bereiche der Normativität infrage stellen. Solche Rahmen strukturieren Anerkennung, ... jedoch sind ihre Grenzen und Bedingtheiten ihrerseits kritisch exponierbar und der Intervention zugänglich.&amp;quot; (18)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist Anerkennbarkeit immer an visuelle Erscheinungsformen gebunden? Ist Sichtbarkeit immer erstrebenswert? Johanna Schaffer hat die Ambivalenzen des Sichtbarwerdens problematisiert und &amp;quot;Einwände gegen erhöhte Sichtbarkeits-Euphoriken&amp;quot; erhoben - wenn sich Hegemonie in ästhetischen Formen konfiguriert, können Repräsentationen etwa von Minoritäten Differenzen verwischen oder Minorisierungen wiederholen; die Taktik müsse lauten: &amp;quot;Das visuelle Vokabular der Anerkennung reformulieren&amp;quot;. (19)&lt;br /&gt;
Was heißt das für das Anerkennen, das notwendigerweise solcher Schauplätze und Formen und Rahmen bedarf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es auch eine Notwendigkeit, Aufklärung und Kritik unangemessener Rahmungen zu betreiben. (20) Butler denkt Rahmungen nicht rein dekonstruktiv (als Derridasche Invaginationen), sondern auch als Gefäße für Inhalte, die instrumentalisierbar sind, Gefühle hervorrufen sollen, Ausschlüsse betreiben, Anerkennbarkeit herstellen (sie folgt also streckenweise durchaus einer Logik von 'vorher und nachher', 'innen und außen', wenn es um die Medialität geht). Raster der Anerkennung, die bestimmte Menschen und Situationen aus der Wahrnehmung ausschließen, sind zu kritisieren. Weitergehend fragt Butler mit Bezug auf Levinas' 'Antlitz' danach, wie Mitteilbarkeit von Rahmen (und Normen) entsteht. Bereits in den Adorno-Vorlesungen 2002 kommt sie vom Rahmen des Blicks/Gesichts zur Anerkennung. (21)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wenn mein Antlitz überhaupt lesbar ist, dann nur, weil es in einen visuellen Rahmen eintritt, der die Voraussetzung seiner Lesbarkeit ist.  (...) Wenn man, was Lévinas für unausweichlich hält, ethisch auf das Antlitz des Anderen reagiert, dann scheint es, als müsse man jenes erst einmal in die Reihe der menschlichen Antlitze aufnehmen. Zunächst muss es ein Raster für das Menschliche geben, eines, das beliebig viele Variationen als fertige Beispiele umfassen kann. Doch gemessen daran, wie umstritten die visuelle Repräsentation des 'Menschlichen' ist, scheint unsere Fähigkeit, auf ein Antlitz als menschliches zu reagieren, von der Vermittlung durch Bezugsrahmen abhängig, die in einem Fall vermenschlichen und im anderen entmenschlichen. Die Möglichkeit einer ethischen Reaktion auf das Antlitz erfordert folglich eine Normativität des visuellen Felds: Es liegt nicht nur bereits ein epistemologischer Rahmen vor, innerhalb dessen das Antlitz erscheint, sondern wir haben es auch hier schon mit einem Machteffekt zu tun...&amp;quot;. (22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wäre weiterzufragen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. welche konkreten Praktiken mit Rancière als (neue) ''Aufteilungen des Sinnlichen'' auszudenken wären. Die &amp;quot;Aufteilungen des Sinnlichen&amp;quot; legen fest, was wir wahrnehmen, tun und sagen können und wofür wir blind oder taub sind. &lt;br /&gt;
Nach innen hin regeln diese Formen, wie die wahrnehmbaren und sagbaren Gegenstände einer sinnlich aufgeteilten Welt voneinander unterschieden und wie Handlungen voneinander abgegrenzt und bewertet werden. Ranciere nennt solche Aufteilungen des Wahrnehmbaren auch erste oder ursprüngliche Ästhetik. Sie bestimmt, 'was der sinnlichen Erfahrung überhaupt gegeben ist. Die Unterteilung der Zeiten und Räume, des Sichtbaren und Unsichtbaren, der Rede und des Lärms geben zugleich den Ort und den Gegenstand der Politik als Form der Erfahrung vor.' So entsteht ein 'Rahmen der Sichtbarkeit und Intelligibilität, der Dinge oder Praktiken'; ein Rahmen, der aus den gleichermaßen produzierten wie ihrerseits produzierenden Agent/innen dieses Rahmens eine 'Gemeinschaft des Sinnlichen' macht.&amp;quot; (23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. welche Konzepte von Rahmungen und ihrer Zirkulation sind nötig, damit sich das Sicht-, Fühl- oder Hörbare zwischen Kontexten bewegen kann, auf die Straße gehen kann, im Klassenzimmer besprechbar wird, auf Bühnen transportierbar sei (und zwar nicht in dieser oder einer anderen Reihenfolge, vom Original zur künstlerischen Reproduktion oder wissenschaftlichen Reflexion, sondern zum besseren Verstehen dessen, dass alle drei wie auch die Kollegarbeit selbst den entsprechenden Abgründen der Anerkennung ausgesetzt sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Drittens könnte es darum gehen, etwas bisher Unsagbares zu sagen, Neues herzustellen, etwa &amp;quot;Handlungen, Ereignisse und Subjekte, die eine Aufteilung des Sinnlichen herausfordern, indem sie etwas geltend machen, was in der adressierten Aufteilung des Sinnlichen nicht gesagt, getan oder wahrgenommen werden kann&amp;quot;. (24) Mit einer anderen Vokabel, nochmals von Rancière: Das &amp;quot;Unvernehmen&amp;quot; zu praktizieren. Demonstrationen einer &amp;quot;dissensuellen Politik&amp;quot; vorzunehmen. Diese&lt;br /&gt;
&amp;quot;behaupten - oder vielmehr: demonstrieren - ein Unvernehmen (''mésentene''); also etwas, das in der bestehenden politischen Einteilung nicht wahrgenommen, gedacht und mit den vorhandenen argumentativen Mitteln auch nicht eingefordert werden kann. Situationen des Unvernehmens bezeichnen keine Meinungsverschiedenheiten und auch keine Missverständnisse, bei denen man das Gegenüber darauf aufmerksam machen kann, dass man falsch verstanden wurde.&amp;quot; (25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Schluss steht der Abgrund der Anerkennung: Muss man schon Teil des Systems sein, das die Währung der Anerkennung vergibt, um anzuerkennen, oder um ein anerkanntes Subjekt zu werden? Wie aber würde man sich in dieses System hinein-arbeiten, wenn man nicht Teil dessen ist?&lt;br /&gt;
Das Recht, Rechte zu haben, hat Hannah Arendt als grundlegende Bedingung menschlichen Lebens gefordert; wie man etwa Menschenrechte einfordert, wenn man nicht juristisch anerkannt ist, hat Christoph Menke mit &amp;quot;alegal, illegal, translegal&amp;quot; beschrieben. Das notwendig Grenzüberschreitende und Illegale dieses Aktes schafft Realitäten: &amp;quot;Wer ein Recht fordert, hat damit immer schon, vorweg, sein Recht zu fordern gefordert&amp;quot;. (26) &amp;quot;Weil ein politisches Subjekt zu sein aber (unter anderem) eben darin besteht, ein Recht zu fordern, macht sich der menschenrechtlich Fordernde selbst zu dem, was er fordert.&amp;quot; (27) Der gordische Knoten der Vor- und Nachgängigkeit wird durch einen Akt, eine Setzung zerschlagen. Was Arendt den &amp;quot;Erscheinungsraum&amp;quot; genannt hat, den öffentlichen Raum, der erst im Akt des öffentlichen Auftretens hergestellt wird. Wenn das Erscheinen für andere wahrnehmbar, anerkennbar wird, entsteht dieser Raum; hier verbindet sich Performativität mit gemeinsamer Praxis auf der unmöglichen aber immer herstellbaren Basis und mit dem Produkt der Anerkennung. (28)&lt;br /&gt;
Der Wechsel zwischen Als Ob und Materialität: das ist die Aufgabe der Anerkennung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
**&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1)  Thomas Bedorf, Andere. Eine Einführung in die Sozialphilosophie, Bielefeld (transcript) 2011. (Genauer: Er liest zwei bis drei Dutzend weißer westlicher Philosophen, die sich für den gegenderten oder rassifizierten Anderen ebensowenig interessiert haben wie er selbst.)  Zur Frage des Geschlechts in der Philosophie der Anerkennung vgl. Sabine Gürtler, Elementare Ethik. Alterität, Generativität und Geschlechterverhältnis bei Emmanuel Lévinas. München 2001, auch Susanne Dungs, Anerkennen des Anderen im Zeitalter der Mediatisierung. Sozialphilosophische und sozialarbeitswissenschaftliche Studien im Ausgang von Hegel, Lévinas, Butler, Zizek, Hamburg (LIT) 2006 (Diss. TU Darmstadt 2004), bes. Kap, 2: der Andere in der Ethik asymmetrischen Anerkennens; - vgl. weiter: Thomas Bedorf, Dimensionen des Dritten. Sozialphilosophische Modelle zwischen Ethischem und Politischem, München (Fink) 2003; ders., Andreas Cremonini (Hg.), Verfehlte Begegnung. Levinas und Sartre als philosophische Zeitgenossen, München (Fink) 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2) Thomas Bedorf, Verkennende Anerkennung. Über Identität und Politik, Berlin (Suhrkamp) 2010, 145 et passim.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(3)  Bedorf, Verkennende Anerkennung, 79; Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, in: ders., Ideologie und Ideologische Staatsapparate, Aufsätze zur marxistischen Theorie, Hamburg, Berlin 1977, 108-153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(4) Bedorf, Verkennende Anerkennung, 79f.; Michel Pécheux, The Mechanism of Ideological (Mis)recognition, in: Slavoj Zizek (Hg.), Mapping Ideology. London, New York, 3. Aufl 1997, 141-151, hier 148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(5) Paul Ricoeur, Wege der Anerkennung. Erkennen, Wiedererkennen, Anerkanntsein, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 2006, übers. v. Ulrike Bokelmann, Barbara Heber-Schärer; darin ist eine teleologische Abfolge angelegt. a) Drei Kapitel: Reconnaissance als Identifizieren, als sich selbst Erkennen, schließlich als wechselseitige Anerkennung, b) verfolgt der Autor die  aktivischen und passivischen Dynamiken des Worts (die philosophischen Verwendungsweisen gingen vom aktivischen zum passivischen Gebrauch; er versteht das &amp;quot;nicht als Teleologie, sondern als &amp;quot;Spannweite&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(6) Bedorf, Andere, zitiert Sartre, 153.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(7) Eva Eßlinger, Tobias Schlechtriemen, Doris Schweitzer, Alexander Zons (Hg.), Die Figur des Dritten. Ein kulturwissenschaftliches Paradigma, Berlin (Suhrkamp) 2010, darin: Albrecht Koschorke, Ein neues Paradigma der Kulturwissenschaften, 9-33; Claudia Breger, Gender Studies, 49-64; Thomas Bedorf, Der Dritte als Scharnierfigur. Die Funktion des Dritten in sozialphilosophischer und ethischer Perspektive, 125-136. S. auch Thomas Bedorf, Dimensionen des Dritten. Sozialphilosophische Modelle zwischen Ethischem und Politischem, München 2003.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
(8) Bedorf, Andere, 159.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(9) Bedorf, Andere, 163.  (Levinas, Jenseits des Seins oder anders als Sein geschieht, Freiburg, München 1992, übers. v. Thomas Wiemer, 310 f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(10) Bedorf, Andere, 167.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(11) Weiterführend (über das &amp;quot;Antlitz&amp;quot; bei Levinas und Bilder von Al-Quaida) - und zur Un/Freiwilligkeit des Angesprochenwerdens: Judith Butler, Gefährdetes Leben, in: dies., Gefährdetes Leben. Politische Essays, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 2005 [Precarious Life, London 2004], 154-178, übers. v. Karin Wördemann, 154ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(12) Der Andere ist / nicht total anders, vergleichbar der Fassung von Universalität als fortwährende &amp;quot;Arbeit der Universalisierung&amp;quot;. Zum Problem der Universalität von Menschenrechten vgl. Butler: &amp;quot;Wenn wir die Universalität von Rechten nicht im Sinne einer Praxis verstehen wollen, in der die westliche Kultur ihre Partikulare Perspektive allen anderen aufzwingt, dann müssen wir einsehen, dass das, was 'universal' ist, unablässig produziert wird. Unter Bedingungen kultureller Übersetzung, an der verschiedene Regierungen ebenso beteiligt sind wie Nichtregierungsorganisationen, wird es unablässig artikuliert und reaktikuliert...&amp;quot;. Der Einsatz des Friedens. Ein Interview mit Judith Butler von Jull Stauffer (2003), in: Judith Butler, Krieg und Affekt, Berlin, Zürich (Diaphanes) 2009, hg. und übers. v. Judith Mohrmann, Juliane Rebentisch und Eva von Redecker, 69-97, hier 96.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(13) Judith Butler, Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen [Frames of War. When is Life Grievable? London/New York 2009], Frankfurt/M. (Campus) 2010, übers. von Reiner Ansén, darin: Gefährdetes Leben, betrauerbares Leben, 9-38, hier 11.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(14) Butler, Raster, 14. Hier wendet sich Butler (ungewöhnlicherweise) konkreten Medien, konkreten Bildern zu und fragt mit Blick auf Kriegsfotografie oder die Folterbilder aus Abu Ghraib, welche Rolle deren Rahmungen spielen - für die Reflexionsfähigkeit auf die Kontexte der Fotografie, für die Konstitution von Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(15) Butler, Raster, 16.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(16) Butler, Raster, 17.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(17) Butler, Raster, 79 ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(18) Butler, Raster, 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(19) Johanna Schaffer, Ambivalenzen der Sichtbarkeit. Über die visuellen Strukturen der Anerkennung, Bielefeld (transcript) 2008, hier 51 und 111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(20) Butler, Raster, 97.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(21) Judith Butler, Kritik der ethischen Gewalt, Adorno-Vorlesungen 2002 (Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main - zuvor gehalten als Spinoza-Vorlesungen der Universität Amsterdam 2002), Frankfurt/M. (Suhrkamp) 2007 [Giving an Account of Oneself, New York 2003, zuerst übers. v. Ansén als Kritik der ethischen Gewalt, 2003, hier erweiterte Fassung], übers. v. Reiner Ansén und Michael Adrian, 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(22) Butler, Kritik der ethischen Gewalt, 43.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(23) Ruth Sonderegger, Drei Formen der Demonstration. Überlegungen mit Jacques Rancière, in: Demonstrationen. Vom Werden normativer Ordnungen, Nürnberg (Verlag für moderne Kunst) 2012, Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, 20.1.-25.3.2012, hg. vom Frankfurter Kunstverein und dem Exzellencluster &amp;quot;Die Herausbildung normativer Ordnungen&amp;quot; der Goethe-Universität Frankfurt/M., 382ff., hier 382 (zit. Ranciere 2000/2006, 26f. und 71). - Vgl. André Eiermann, Postspektakuläres Theater. Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste, Bielefeld 2009 (Diss. Gießen 2008), u.a. zu: An- und Abwesenheit, Repräsentation und Anerkennung, Rahmungen, Sprechakte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(24) Sonderegger, Drei Formen der Demonstration, 383 (zit. Ranciere 1995/2002: 9f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(25) Christoph Menke, Die Tat der Menschenrechte: alegal, illegal, translegal, in: Demonstrationen, 325-330, hier 382.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(26) Sonderegger, Drei Formen der Demonstration, 383 (zit. Ranciere 1995/2002: 9f.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(27) Menke, Die Tat der Menschenrechte, 362.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(28) Menke, Die Tat der Menschenrechte, 328. &amp;quot;Die Demonstranten müssen in gewisser Hinsicht so tun, als ob bereits der Raum existiere, in dem ihr Sprechen und Handeln zählt, sie müssen so tun, als ob sie zumindest so weit an der Macht des Miteinanders partizipierten, dass ihr Sprechen und Handeln als intelligibel und allgemein nachvollziehbar, kurz: als öffentlich relevantes Sprechen und Handeln wahrgenommen wird. Nun wäre das demonstrierende Handeln und Sprechen als Vollzug im Modus des 'Als ob' aber zugleich auch irreführend beschrieben, wenn man es auf diesen Aspekt reduzierte und womöglich noch mit einer irgendwie unwirklichen Angelegenheit verwechselte. Denn der Vorgriff auf einen bereits veränderten Erscheinungsraum, den die Demonstration vornimmt, geschieht dadurch, dass hier Akteure auf eine immer auch sehr materiale, körperliche Weise insistieren, die nicht zuletzt aufgrund ihrer spezfischen Körperlichkeit aus der Sphäre der Öffentlichkeit herausgehalten werden sollen.&amp;quot; Juliane Rebentisch, Erscheinen. Bruchstücke einer politischen Phänomenologie, in: Demonstrationen, 364-373, hier 369f. (zit. Butler, ''New Forms of Alliance'').&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/Mappen</id>
		<title>Mappen</title>
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				<updated>2012-06-20T10:38:00Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Mappen als transdisziplinäres Verfahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verb ''mappen'' oder auch ''mapping'' vom englischen Wort ''map'' für ''Karte'' kann als eine &amp;quot;Visualisierungstechnik und ein graphisches Mittel der Orientierung innerhalb eines Geltungsbereiches&amp;quot; (Gugerli 2004: 210) angesehen werden. Es hält in Form einer Zeichnung, eines Diagramms oder einer räumlichen Anordnung in unterschiedlichen Disziplinen Prozesse fest, die durch Beobachtung, Messung, Registrierung, Aushandlung, Berechnung, Standardisierung oder Bezeichnung entstehen. So fungiert ''mappen'' als maßgebliches Tool für die Produktion und Erforschung von &amp;quot;relatedness&amp;quot; (Gugerli 2004: 210), interspezifischen Relationen, in einem Feld von Informationen. Die Liste der Beispiele, in denen Wissenschaftler, Mediziner, Unternehmer, Informatiker oder Künstler ''mappen'', vergegenwärtigt die Bandbreite der Anwendungsgebiete dieses Verfahrens: Kartographie in der Geographie, Topographie und Ethnographie, ''gene mapping'' in der Biologie, ''data mapping'' beim Programmieren oder das ''business process mapping'' in Form von flow charts in der Unternehmensführung. In der künstlerischen Arbeit lassen sich organisatorische, performative und gestalterische Anwendungen von ''mapping-''Prozessen differenzieren. ''Mind maps'' veranschaulichen und strukturieren künstlerische Arbeitsprozesse, während die graphische Gestalt eines ''Mapping-''Prozesses, wie bei Jonathan Parsons ''Terminator Maquette'' (2007), selbst zum Kunstobjekt werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://www.tagfinearts.com/jonathan-parsons/terminator-maquette.html. Terminator Maquette]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parson überträgt in dieser Skulptur die Wegführung des öffentlichen Nahverkehrs einer Stadt auf eine Stahlplatte und formt hieraus ein selbstständiges Objekt. In performativen Anwendungen des ''mappings'' stehen die Handlung, das Überschreiben oder eine Perspektivenverschiebung im Vordergrund. Die Situationisten in den 1950er Jahren verwenden ''Dérives'', das Umherschweifen in der Stadt, als Strategie um die „dominante Ordnung des Kapitalismus (…) zu sabotieren und die Routinen der Wahrnehmung zu untergraben.“ (Spillmann 2011: 27) Der ''guide psychographique de Paris'' (1957) von Guy Debord dokumentiert diese Aneignung von Paris durch zusammengeklebte Schnipsel der Stadtkarte mit roten Pfeilen und überschreibt die normative Karte durch subjektive Erfahrungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://imaginarymuseum.org/LPG/Mapsitu1.htm Map Situationisten]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ''life mapping''&amp;lt;ref&amp;gt;Die Performance wurde im Rahmen der Auftakttagung des Graduiertenkollegs Versammlung und Teilhabe, K3 Tanzplan Hamburg auf Kampnagel, im April 2012 aufgeführt.&amp;lt;/ref&amp;gt; von deufert und plischke mit Scott Delahunta wird ''mappen'' als Handlung selbst zur theatralen Aufführung. Die Künstler visualisieren zeitgleich die gesprochenen Worte der Partner auf einem Overhead-Projektor und demonstrieren so ihr Verständnis von Theater als Kommunikationsraum. Diese Nutzungen verweisen auf das performative Potential, das ''mappen'' inhärent ist und disziplinenübergreifend in künstlerischen und wissenschaftlichen Anwendungen zu finden ist. Trotz der unterschiedlichsten Formen des ''Mappens'' werden, David Gugerli folgend, auf abstrakter Ebene Gemeinsamkeiten in den Verfahren erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sequentielles Verfahren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mappen'' ist allgemein die Visualisierung in einem Vermessungs- oder Begutachtungsprozess und kommuniziert ein Beziehungsgeflecht entlang einer zunächst willkürlichen Setzung. Generell werden zu Beginn zwei Referenzpunkte mit einer Grund- oder Verbindungslinie auf dem Papier, am Bildschirm oder auf einer Fläche verbunden. Um andere Teilaspekte mit diesen beiden Referenzpunkten in eine konkreten Beziehung zu stellen, muss mit einem dritten Referenzpunkt (Triangulation) diese Linie räumlich verortet und ausgerichtet werden. An dieses Dreieck können sich alle hinzugenommenen Informationen ankoppeln oder es nach außen erweitern. Die Beziehung der Referenzpunkte beruht auf einer bestimmten Fragestellung und vereinfacht bzw. verschleiert andere Relationen des oft komplexeren Untersuchungsgegenstands. Im Prozess des ''mappens'' entwickelt sich ein fortwährend verkomplizierendes und wucherndes Netzwerk von aufeinander bezogenen Referenten. Hierbei wird die Nähe zur Kartographie sichtbar, welches sich historisch sehr ähnlichen Aktionen bedient. „In [nineteenth century topographical mapping] this sequential process of measuring, annotating and (re)-calculation angles or relative distances, on the one hand, and drawing, counting and registering topographical details, on the other, an all encompassing relatedness was produced.“ (Gugerli 2004: 212) Diesen wuchernden und überlagernden Aspekt von ''mapping'' macht sich z.B. der Bildende Künstler Jeff Woodbury für seine künstlerischen Arbeiten zu nutze. In ''Atlas'' (2008) überträgt und überlagert er mit Bleistift unterschiedliche Straßenkarten, um ein scheinbar organisches Gewebe zum Vorschein zu bringen.&lt;br /&gt;
[http://tumblr.wblut.com/post/6208916027/roomthily-atlas-jeff-woodbury-tracings-in. Atlas] (13.06.2012) oder (Harmons/Clemans 2009: 241)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Netz im ''mapping''-Prozess wirkt wie ein Filter, der andere Perspektiven ausblenden kann. Geographische Karten können politische oder ethnographische Fragestellen abbilden, während sie ökonomische Ursachen, die zu ihrer Entstehung beitragen, nicht berücksichtigen. Das Mapping-Projekt ''MigMap – Governing Migration'', dass soziologische, politologische und kulturwissenschaftliche Informationen zur Europäischen Migrationspolitik in eine interdisziplinäre internetgestützte Karte einbindet, zeigt anschaulich den Versuch diesem Filter durch eine plurale Perspektive entgegenzuwirken. ( [http://www.transitmigration.org/migmap/home_entry.html MigMap-Website] ) Doch die Komplexität der virtuellen, künstlerischen Karten erschweren ihre Lesbarkeit. „Karten müssen interpretiert werden. Um Karten lesen zu können, braucht es die Kenntnisse der sozialen und politischen ‚Grammatiken’, die sich hinter den verwendeten Zeichen und Symbolen verbergen.“ (Spillmann 2011: 27) Die erarbeiteten formalen Graphiken der ''MigMap''-Karte 4 ''Places and Practices'' zeigen durch den Gebrauch von geometrischen Objekten, die in graduelle Kreise eingebettet sind, neue Formen der Darstellung, die eine klassische Triangulation umgeht. ([http://www.transitmigration.org/migmap/home_map4.html Karte 4] )&lt;br /&gt;
''Mapping'' hat dabei zwei Funktionen: Es dient zur „Reduktion“ von Komplexität, Ortsgebundenheit, Partikularität, Materialität und Vielfalt des Objektes, gleichzeitig gewinnt es durch Abstraktion ein Mehr an Lesbarkeit, Kompatibilität, Universalität, Überlagerung, Text und Kalkül und dadurch eine „Amplifikation“. (Latour 1997: 255)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach Notwendigkeit und Funktion ist die Karte nur Beginn eines langen, sich wiederholenden Prozesses. In einer topographische Karte oder in den unzähligen Teilschritten im ''Human Genom Project ''(Vgl.: [http://www.ornl.gov/sci/techresources/Human_Genome/publicat/primer/prim2.html Human Genom Project] ) bedingt die Fortführung eine sich immer wieder einschätzende Befragung des Gegenstandes und eine fortwährende Justierung der Vorannahme. Eine Materialisierung dieser Sequenz in einer Zeichnung dient der unmittelbaren visuellen Gruppierung seines Inhalts. In der sequentiellen Inskription konstruieren sich „künstliche Repräsentationen, die sich immer weiter von der Welt zu entfernen scheinen, und die sie ihr dennoch näher bringen.“ (Latour 1997: 218) Bruno Latour erkennt hierin eine Beherrschung der Welt durch den synoptischen Blick, „wenn die Welt [den Wissenschaftlern] in zweidimensionaler, überlagerbarer und kombinierbarer Inskription entgegenkommt“. (Latour 1997: 217) Basierend auf intensiver Nachforschung präsentiert die französische Künstlergruppe ''Bureau d´Etudes'' ( [http://bureaudetudes.org/ Bureau d´Etudes] ) ihre Analyse der Netzwerke im transnationalen Kapitalismus in großformatigen Wandmalereien, um sich der Beherrschung der Welt durch den Kapitalismus alternativ perspektivierte ''mappings'' entgegenzusetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Archiv verhilft zu einer expliziten „Zeitlichkeit“ (Gugerli 2004: 213) im Prozess des ''Mappens'', um die einzelnen Schritte und Veränderungen auf der Karte nachzuvollziehen, zu rejustieren und wiederholen zu können. Nur in der Nachvollziehbarkeit durch ein Protokoll ist die Kompatibilität und Vergleichbarkeit der einzelnen Eintragungen ins Netz von Informationen gewährleistet. Diese Transparenz in der Kontinuität von Raum und Zeit garantiert ein Vertrauen an den ‚Realitätswert’ der resultierenden Zeichnung. Aus diesem Grund werden die Karten von ''Bureau d´Etudes'' und ''MigMap'' auch durch Texte und vereinzelt Quellen unterstützt, um deren Glaubwürdigkeit zu untermauern. Fehlende Angaben der Quellen in der Arbeit ''Crisis'' (2006), in der die Argentinische Finanzkrise dargestellt wird, vermindern die Transparenz und untergraben die Wirkung der Karte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[http://bureaudetudes.org/category/gouvern-par-crises/ Crisis] (13.06.2012)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Perfomatives Potential ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je dichter die Informationen und geprüfter das Netz, welches aus dem ''mappen'' hervorgeht, desto mehr stabilisiert und formt sich der Forschungsgegenstand; aber auch die ‚mapper’ selbst verändern sich im fortlaufenden Prozess. In der ganzheitlichen Materialisierung der sich überlagernden, akkumulierenden und sich affirmierenden Informationen in einer Zeichnung kann mappen eine radikale Performativität entwickeln. Vorläufige Ergebnisse und Nebenprodukte verändern als Teil des ''mapping''-Prozesses die Perspektive auf den Gegenstand, zeigen Grenzen auf und eröffnen neue Fragestellungen. Karten verändern so kollektive Wahrnehmungsmuster und geben neue Rahmungen zum (kulturellen) Verständnis eines Gegenstands. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein gutes Beispiel für diesen Prozess sind die botanischen Karten von Oscar Drude, zu ihrem transdisziplinären Charakter vgl. (Güttler 2011).&amp;lt;/ref&amp;gt; Verschiedene ''mapping''-Projekte integrieren unterschiedliche Grade der Präzision zu einem optisch konsistenten Repräsentationsraum. Die Lücken dieser Repräsentation, die weißen Flächen in den Zwischenräumen, animieren andere Autoren zur Vervollständigung beizutragen: „Maps ask to be completed.“ (Gugerli 2004: 215) Karten generieren so ein reproduzierendes und evolutionäres Potential. Die Topographie im 19. Jahrhundert fixierte z.B. durch verschiedene Kartographie-Prozesse Berggipfel als Referenzpunkte und konventionalisierte und standarisierte Bezeichnungen in ihrer Aktualisierung. (Gugerli 2004: 214) &amp;lt;ref&amp;gt;Siehe auch Gugerli (1999)&amp;lt;/ref&amp;gt;  Die so entstehende kollektive Autorenschaft (nicht unähnlich der Form eines heutigen Wikis) verschleiert den künstlichen Charakter der konstituierenden Vorannahmen, der andere Relationen oder dessen Existenzbedingung ausblendet. ''Mappen'' gibt einen homogenen Aktionsraum vor und evoziert eine Illusion von „karthographischer Neutralität“ (Gugerli 2004: 213). Je mehr in kollektiven Projekten der individuelle ‚''mapper'' ’ und seine Kunstfertigkeit der Messung und Benennung absorbiert wird, desto größer wird die ‚objektive’ Legitimation der Karte. Durch die Standarisierung und Affirmation einer bestimmten visuellen Darstellungsweise verbreitert sich die generelle Lesbarkeit. Indem die künstlichen und willkürlichen Zeichen zu einem allgemein verständlichen Repräsentationsraum werden, vereinheitlichen sich die Objekte und die Leser entwickeln eine imaginäre Gemeinschaft mit einer eigenen Identität. Das Endprodukt erhält erst nach einem Prozess von kultureller und wissenschaftlicher Bewertung die Legitimation, die seine visuelle Macht entfaltet. Gugerli fordert daher die Standards, Prozedere, das Level der Präzision, aber auch die Arbeitsteilung und die politischen Verflechtungen in ''mapping''-Prozessen transparent zu machen. (Gugerli 2004: 216) &amp;lt;ref&amp;gt;Die Kartographierung politischer Machtbereiche im 19. Jh. hatte weitreichende Folgen für die nationale Identitätsbildung. (Gugerli 2002) Diese „politics of truth“ (Gugerli 2004: 215) finden sich noch Darstellungsweisen der Kontinente heute augenscheinlich. Amerikanische Atlanten zentrieren Nordamerika, während in europäischen Darstellungen, zum Beispiel in der Tagesschau, der eigene Kontinent als Mitte der Welt platziert wird. Ein anderes Beispiel ist die Übertragung des runden Globus auf eine zweidimensionale Fläche bei der Mercator-Projektion von 1569. Um ein rechtwinkliges Raster vom Äquator zu den sich verengenden Polen zu erhalten, werden die Rechtecke und so die Kontinente hinzu den Polarkreisen vergrößert. In der auch für „google maps“ oder „OpenStreetMap“ genutzte Darstellungsweise wirken Länder wie das damalige Flandern, Deutschland oder die USA viel gewichtiger und legitimieren implizit den globalen Machtanspruch.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diesen vermeintlich homogenen Repräsentationsraum versuchen Martin Nachbar und Jochen Roller in ihrer choreographischen Arbeit ''mnemonik nonstop'' (2005) aufzubrechen „Let's concentrate on the passions and imagine a city full of passionate passages. Such passages would lead people constantly to niches, hidden or not, places of intensity that would be able to produce a crack in the official maps that we know from the a-z's or tourist guides.“ (Nachbar 2006: 23) Den ''Dérives'' folgend versuchen die Künstler durch Subjektivierung oder Überlagerung den Stadtraum von Berlin, Brüssel, TelAviv und Zagreb umzuorganisieren und neue Bedeutungen hinzuzuführen. In der Projektion einer transparenten Brüssel-Karte auf den Stadtplan der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa erscheinen verborgene Strukturen und die übereinanderliegenden Orte scheinen die belgische Kolonialgeschichte anschaulich zu dekonstruieren. In seiner Auseinandersetzung mit ''mapping'' macht Nachbar auf die Ähnlichkeit des Verfahrens mit Choreographie aufmerksam. „A choreography makes visible an experience through repeatable actions that are engraved in the dancer's/performer's body.“ (Nachbar 2006: 24) Solche Einschreibungen in den Körper können auch als Visualisierungstechnik und Orientierungsmittel verstanden werden. Die nicht-lineare Kompositionsstruktur der Choreographie ''wallen'' (2012) von Sebastian Matthias basiert auf einer im Kreationsprozess ge''mappen'' „somatischen Karte“, die den Tänzern und dem Soundkünstler dazu verhilft ihre Performance mit den Partnern abzugleichen, Entfernungen und Position im Raum zu bestimmen und die Dramaturgie in jeder Aufführung neu auszuhandeln. ( [http://www.tanzforumberlin.de/trailer467.php wallen Trailer] ) Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Aufführung stellen die Prekarität des Übersetzungsaktes von der Karte auf eine körperliche Erfahrung, aber auch den Sprung jedes ''mapping''-Aktes heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bruno Latour sieht in dieser Übertragung oder Übersetzung den kritischen Kern des ''mappens''. In seinem Text ''Der Pedologenfaden von Boa Vista'' zieht er die botanischen und pedologischen Analysemethoden und ihre gemeinsame graphische Darstellung zur Verschiebung der Waldgrenze im brasilianischen Urwald zu seiner ethnographischen Untersuchung von wissenschaftlicher Realitätskonstruktion heran. Er weist in diesem Prozess auf das Instrument, das erst den Zugriff auf ein Phänomen und die Unterscheidungsmöglichkeit seiner Teilaspekte, sprich dessen Sichtbarkeit, zuerst erlaubt. „Alle diese leeren Formen [im Sinne einer Fassung] befinden sich hinter den Erscheinungen, bevor sie sich manifestieren und damit sie sich manifestieren. Im Wald [von Boa Vista] sind diese Phänomene alle auf einmal da und damit unsichtbar. Sie werden sich erst vor jenem Hintergrund abheben und sichtbar werden, den man listiger Weise hinter sie gestellt hat.“ (Latour 1997: 235) So spricht Latour nicht von Daten, die im ''mappen'' in die transdisziplinäre Zeichnung eingeschrieben werden, „sondern von Fakten (also etwas Gemachtem)“. (Latour 1997: 229) Michel Serres beschreibt im Bezug zum Instrument detailliert, wie sich durch das altgriechische kartographische Messgerät ''Gnomen'', oder Sonnenuhr, die Disziplinen der Logik und der Mathematik erst entwickeln konnten. (Serres 2002)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Transdisziplinarität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mappen'' kann als ein transdisziplinäres Mittel beschrieben werden, da es „problembezogen“ (Krohn 2012: 2) äußerst heterogene Formen annehmen kann. „Auf ein und derselben Papieroberfläche können wir sehr verschiedene Informationsquellen vereinen, die sich dank der Dolmetschertätigkeit einer homogenen graphischen Sprache verbinden.“ (Latour 1997: 251) Im kollektiven Prozess des Eintragens von Informationen und der Verabredung von entsprechenden Zeichen bietet ''mappen'' die Möglichkeit einer durch den Prozess entwickelten transdisziplinären Sprache. Da in der Bezeichnung und Einschreibung des ''mappen'' ein Referent zum Zeichen wird, überträgt dieses Verfahren praktische Gegebenheiten aus der Welt der Dinge in Textform und bettet sie in theoretische Gedankengänge ein. Als zweidimensionale Visualisierungstechnik stiftet sie zwischen praktischen und theoretischen Disziplinen Kompatibilität. Dieser Übertragung ist beim ''mappen'' jedoch ein „völliger Bruch zwischen Ding-Teil und Zeichen-Teil“ (Latour 1997: 246) inhärent, über den Bruno Latour die Realitätskonstruktion von Wissenschaft kritisiert. (Latour 1987: 215-57)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Möglichkeiten von digitalen Medien verhelfen ''mappen'' zu einer erweiterten transdisziplinären Dimension. Die Internetplattform ''Model House'' – ''Mapping Transcultural Modernisms'' ( [http://www.transculturalmodernism.org/page/29 Model House] ) repräsentiert und produziert digital ein Netzwerk transkulturellen Migration von Akteuren, kultureller Praxis und Diskursen der Moderne in der Architektur in den 1950´er Jahren und „visualisiert den Forschungsprozess selbst“. (Amir, Fahim et al o.J.) „ In this manner, the exchange between researchers at different places and from different disciplines, as well as the participation of nonacademic experts and the integration of a multiplicity of text forms, media, and aesthetic practices are enabled and intensified. The result of this constellation is a polylogical and multiperspectival narration by a number of speakers.“ (Amir, Fahim et al. o.J.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess des ''Mappens'' konstruiert und konstituiert nicht nur einen Untersuchungsgegenstand, indem es ihn rahmt, unterteilt und ordnet. Nach Latour folgt „auf einen neuen Zugriff beinahe immer eine neue Erfindung“ (Latour 1997: 239), ein schöpferischer Akt, der sich auch in einer künstlerischen Arbeit manifestieren kann. So kann ''mappen'' als transdisziplinäres Verfahren zwischen Kunst und Wissenschaft in zwei Richtungen nutzbar gemacht werden. Es verhilft den künstlerischen Arbeitsweisen oder dessen dinglichen oder performativen Endprodukten als Karte, Notation oder Diagramm in die zweidimensionale Dimension des Textes, gleichzeitig kann der abstrahierende Zugriff auf das Material neue Sichtweisen hervorbringen, die den künstlerischen Prozess weiterentwickelt und zu neuen Gestaltungsformen führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliographie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Amir, Fahim et al. (o.J.): Who or what builds a city or a city district?, http://www.transculturalmodernism.org/page/29. (23.06.2012)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gugerli, David (1999): Präzessionsmessungen am geodätischen Fundament der Nation. Zum historischen Anforderungsreichtum einer vermessenen Landschaft. In: Gugerli, David (Hs.): Vermessene Landschaften. Kulturgeschichte und technische Praxis im 19. und 20. Jahrhunderts, Zürich, S.11- 36.&lt;br /&gt;
* Gugerli, David/Speich, Daniel (2002): Topografien der Nation. Politik, kartografische Ordnung und Landschaft im 19. Jahrhundert, Zürich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gugerli, David (2004): Mapping. In: Gaudillière, Jean-Paul/Rheinberger, Hans-Jörg (Hs.): From Molecular Genetics to Genomics. The mapping cultures of twentieth-century genetics, New York, S. 210-218.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Harmon, Kathrine A./Clemans, Gayle (2009): The map as art. Contemporary artists explore carthography, Princeton. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Güttler, Nils Robert (2011): Scaling the Period Eye. Oscar Drude and the Cartographical Practice of Plant Geography, 1870s-1910s. In: Science in Context, 24 (1), S. 1-41.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Krohn, Wolfgang (2012): Künstlerische und wissenschaftliche Forschung in transdiziplinären Projekten. In: Trödle, Martin/Warmers, Julia (Hs.): Kunstforschung als ästhetische Wissenschaft. Beiträge zur transdisziplinären Hybridisierung von Wissenschaft und Kunst, Bielefeld, S.1-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Latour, Bruno (1987): Science in action, Cambridge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Latour, Bruno (1997): Der Pedologenfaden von Boa Vista. In: Rheinberger, Hans-Jörg/Hagner, Michael/Wahrig-Schmidt, Bettina (Hs.): Räume des Wissen. Repräsentation, Codierung, Spur, Berlin, S.213-263, hier S. 255.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Nachbar, Martin (2006): How to become a trespasser. The derive and choreography as critical urban practices. In Dance Theatre Journal 21 (4), S. 23-24.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Serres, Michel (2002): Gnomon. Les débuts de la géométrie en Grèce, http://www.archipress.org/index.php?option=com_content&amp;amp;task=view&amp;amp;id=82&amp;amp;Itemid=42. (20.05.2012)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Spillmann, Peter (2011): Der karthographierte öffentliche Raum. In: Hochschule Luzern Design und Kunst 1, S. 27-30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/A_-_Z_der_transdisziplin%C3%A4ren_Forschung</id>
		<title>A - Z der transdisziplinären Forschung</title>
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				<updated>2012-06-15T17:16:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg ist daher auf die Entwicklung entsprechender Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten werden die Mitglieder, das Netzwerk und Gäste des Kollegs an der Beantwortung dieser Fragen im Rahmen eines Online-Lexikons arbeiten. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten als wichtig erweisen, sollen gesammelt und jeweils anhand konkreter Beispiele erklärt und gemeinsam diskutiert werden. Über die Dauer des Kollegs hinweg wird auf diese Weise  das '''A-Z der transdisziplinären Forschung''' entstehen. Der Schreibprozess hat im Juni 2012 begonnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beschreiben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beweisen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bezeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Dokumentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Experimentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Fliehen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Gehen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Haushalten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Intervenieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Interviewen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Mappen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Messen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Partizipieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Präsentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Prognostizieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Re-Enacten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Sammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verantworten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verausgaben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verhandeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Vermitteln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hilfe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturnachweise]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://www.versammlung-und-teilhabe.de/az/index.php/A_-_Z_der_transdisziplin%C3%A4ren_Forschung</id>
		<title>A - Z der transdisziplinären Forschung</title>
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				<updated>2012-06-12T12:35:24Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg ist daher auf die Entwicklung entsprechender Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten werden die Mitglieder, das Netzwerk und Gäste des Kollegs an der Beantwortung dieser Fragen im Rahmen eines Online-Lexikons arbeiten. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten als wichtig erweisen, sollen gesammelt und jeweils anhand konkreter Beispiele erklärt und gemeinsam diskutiert werden. Über die Dauer des Kollegs hinweg wird auf diese Weise  das '''A-Z der transdisziplinären Forschung''' entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beschreiben]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beweisen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Beweisen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Bezeugen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Dokumentieren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Experimentieren]]&lt;br /&gt;
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*[[Fliehen]]&lt;br /&gt;
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*[[Gehen]]&lt;br /&gt;
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*[[Haushalten]]&lt;br /&gt;
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*[[Interviewen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Mappen]]&lt;br /&gt;
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*[[Messen]]&lt;br /&gt;
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*[[Präsentieren]]&lt;br /&gt;
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*[[Prognostizieren]]&lt;br /&gt;
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*[[Re-Enacten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Sammeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verantworten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Verausgaben]]&lt;br /&gt;
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*[[Verhandeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Vermitteln]]&lt;br /&gt;
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== Hilfe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturnachweise]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg ist daher auf die Entwicklung entsprechender Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten werden die Mitglieder, das Netzwerk und Gäste des Kollegs an der Beantwortung dieser Fragen im Rahmen eines Online-Lexikons arbeiten. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten als wichtig erweisen, sollen gesammelt und jeweils anhand konkreter Beispiele erklärt und gemeinsam diskutiert werden. Über die Dauer des Kollegs hinweg wird auf diese Weise  das '''A-Z der transdisziplinären Forschung''' entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
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[[Beschreiben]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Wissenschaft und Kunst sind heute gleichermaßen gefragt, ihre Expertise stärker als bisher in den Dienst des Forschens aller Mitglieder der Gesellschaft zu stellen, statt stellvertretend für andere das Forschen zu übernehmen. Die performativen Künste haben Erfahrung im Experimentieren mit Teilhabe. Das Graduiertenkolleg ist daher auf die Entwicklung entsprechender Kooperationen ausgerichtet und macht sich die transdisziplinäre Forschung zwischen Kunst, Wissenschaft und Alltagsexpertise zum Programm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch: Wie geht man vor? Welche Verfahren sind entstanden? Was wird zum Modell? Wie lassen sich unterschiedliche Forschungsinteressen kombinieren? Wann verwandelt sich ‚Forschen über’ in ‚Forschen mit’? Wie verbinden sich How-To-Wissen und Analyse, Kritik und Intervention?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel zu den konkreten Forschungsvorhaben der Beteiligten werden die Mitglieder, das Netzwerk und Gäste des Kollegs an der Beantwortung dieser Fragen im Rahmen eines Online-Lexikons arbeiten. Begriffe und Verfahren, die sich im Zusammenhang mit den Forschungsprojekten als wichtig erweisen, sollen gesammelt und jeweils anhand konkreter Beispiele erklärt und gemeinsam diskutiert werden. Über die Dauer des Kollegs hinweg wird auf diese Weise  das '''A-Z der transdisziplinären Forschung''' entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anerkennen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anwenden]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<summary type="html">&lt;p&gt;Esther: &lt;/p&gt;
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		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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		<author><name>Esther</name></author>	</entry>

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